
Französische Atomflotte erreicht Rekord von 20,4 % Nichtverfügbarkeit – Hitze, Dürre und Quallen legen 13 Reaktoren lahm
Die 57 Reaktoren umfassende Flotte von EDF erreichte am 12. August einen Rekord von 20,4 % nicht verfügbarer Produktionskapazität, da Dürre, Hitzewelle und ein massiver Qualleneinfall in Gravelines 13 Reaktoren zur Abschaltung oder Drosselung zwangen.
Rekord bei umweltbedingter Nichtverfügbarkeit
Am 12. August, kurz vor 10:00 Uhr, erreichte die Reaktorflotte von EDF einen neuen Rekord der Nichtverfügbarkeit aufgrund von „Umweltbeschränkungen“ oder „externen Ursachen im Zusammenhang mit der Umwelt“, so AFP-Berechnungen auf Basis von EDF-Daten, die seit 2015 veröffentlicht werden. Die Rate der fehlenden Leistung erreichte 20,4 %, wobei 13 der 57 Reaktoren der Flotte entweder abgeschaltet oder in der Produktion gedrosselt waren. Die Ursachen reichen von Dürre, hohen Temperaturen bis hin zu einem massiven Qualleneinfall im Kraftwerk Gravelines im Département Nord in Nordfrankreich. Die Zahl markiert einen neuen Höchststand sowohl bei der Anzahl der betroffenen Reaktoren als auch bei der fehlenden Leistung, so die AFP-Analyse. Die für die Berechnung verwendete Datenreihe wird von EDF seit 2015 veröffentlicht, was dies zur höchsten umweltbedingten Nichtverfügbarkeit in diesem Zeitraum macht.
Quallen überwältigen Gravelines
Im Kernkraftwerk Gravelines, zwischen Calais und Dünkirchen gelegen, verstopfte am 10. August ein massiver Qualleneinfall die Meerwasserpumpstationen, die zur Kühlung der Reaktoren dienen. EDF gab die Abschaltungen am 11. August bekannt. Die Produktionseinheiten 3 und 4 schalteten sich automatisch ab, während Einheit 2 von EDF-Teams manuell abgeschaltet wurde. Die Leistung eines vierten Reaktors wurde halbiert. Ein EDF-Sprecher beschrieb der AFP das Ausmaß des Eindringens.
Mehrere Tonnen Quallen gelangten in die Meerwasserpumpstationen und verstopften die Filtertrommeln.
Da sich einer der sechs 900-MWe-Druckwasserreaktoren des Kraftwerks bereits in Wartung befand, lief am 12. August nur noch ein Reaktor in Gravelines mit voller Kapazität. Das Kraftwerk Gravelines, das Nordseewasser zur Kühlung nutzt, ist die größte Atomanlage Westeuropas. Die sechs Reaktoren am Standort haben jeweils eine Leistung von 900 MWe.
- Abgeschaltet (Quallen)
- 3 Reaktoren
- Gedrosselte Leistung
- 1 Reaktoren
- In Wartung
- 1 Reaktoren
- Volle Kapazität
- 1 Reaktoren
Sicherheitszusicherungen und Protokoll
EDF erklärte, es gebe keine Folgen für die Sicherheit der Anlagen, die Personensicherheit oder die Umwelt. Das Kraftwerk aktivierte ein Sicherheitsprotokoll, das nach einem ähnlichen Quallenvorfall genau ein Jahr zuvor eingerichtet worden war, wie The Times berichtete. Dieser frühere Vorfall hatte das Kraftwerk zu einer zehntägigen Abschaltung gezwungen, nachdem vier Reaktoren automatisch abgeschaltet hatten. Nach dem früheren Vorfall führte EDF neue Überwachungs- und Baggertechniken ein und startete eine Partnerschaft mit einem Fischereiverband, so Reuters. The Times wies auf Bedenken hin, dass ein massiver Quallenschwarm die Wasserkühlsysteme des Kraftwerks blockieren könnte, das zwischen Calais und Dünkirchen liegt. Nach dem vorherigen Vorfall nahmen die Reaktoren nach einigen Tagen den Betrieb wieder auf.
Sommer der Belastung für die französische Atomkraft
Der Quallenvorfall verstärkt einen Sommer des Umweltdrucks auf die französische Atomflotte. Zwischen Juni und Juli musste EDF mehrere Reaktoren aufgrund hoher Temperaturen abschalten, während Hitzewellen und Dürre den Betrieb der gesamten Flotte erschwerten. Die von AFP aus EDF-Daten seit 2015 berechnete Nichtverfügbarkeit von 20,4 % stellt einen neuen Rekord für umweltbedingte Nichtverfügbarkeit dar. Allein in Gravelines entfallen drei vollständige Abschaltungen und eine Produktionsdrosselung auf einen erheblichen Anteil der 13 flottenweit betroffenen Reaktoren, der Rest steht im Zusammenhang mit Hitze- und Dürrebedingungen an anderen Kraftwerken in ganz Frankreich. Die derzeitige Hitzewelle in Frankreich hat die Atomproduktion während der Sommermonate unter anhaltenden Druck gesetzt.
- Qualleneinfall in Gravelines erzwingt automatische Abschaltung der Reaktoren 3 und 4, manuelle Abschaltung von Reaktor 2 und halbiert die Leistung eines vierten
- EDF kündigt die Abschaltungen der Reaktoren in Gravelines an
- Französische Atomflotte erreicht kurz vor 10:00 Uhr einen Rekord von 20,4 % umweltbedingter Nichtverfügbarkeit, 13 der 57 Reaktoren betroffen

