
Putin unterzeichnet Schuldenerlass für neue Rekruten im Ukraine-Krieg – Russland kämpft um Ersatz für Verluste an der Front
Der russische Präsident Wladimir Putin hat ein Dekret unterzeichnet, das neuen Militärrekruten und deren Ehepartner Schulden von bis zu 10 Millionen Rubel erlässt. Es ist der jüngste Anreiz, mit dem Moskau seine Truppen im mehr als vier Jahre dauernden Krieg in der Ukraine auffrischen will, ohne erneut eine politisch riskante Mobilisierung auszurufen.
Das neue Dekret
Der russische Präsident Wladimir Putin hat am Montag ein Dekret unterzeichnet, das neuen Rekruten für den Krieg in der Ukraine und ihren Familien einen Schuldenerlass gewährt. Demnach werden Personen, die ab dem 1. Mai dieses Jahres einen Vertrag mit dem russischen Verteidigungsministerium abschließen – sowie deren Ehepartner – ausstehende Schulden von bis zu 10 Millionen Rubel (etwa 139.700 US-Dollar oder 119.646 Euro) erlassen, sofern vor diesem Datum ein Rechtsanspruch auf Einziehung dieser Schulden bestand. Der Vertrag muss mindestens ein Jahr laufen und ausdrücklich zur „Erfüllung der Aufgaben der speziellen Militäroperation“ dienen – so die Kreml-Bezeichnung für die im Februar 2022 begonnene großangelegte Invasion der Ukraine.
Der Vertrag zur Teilnahme an der ‚speziellen Militäroperation‘ sollte mindestens ein Jahr gültig sein.
Laut der russischen Immobiliendatenbank Cian entspricht 10 Millionen Rubel ungefähr dem Preis einer 35 Quadratmeter großen Einzimmerwohnung in Moskau. Die Maßnahme gilt auch für die Ehefrauen der neuen Rekruten und erweitert so das soziale Sicherheitsnetz für Familien, die eine Anwerbung erwägen.
Warum jetzt ein Schuldenerlass?
Der Schuldenerlass ist der jüngste in einer Reihe immer großzügigerer Anreize, die darauf abzielen, eine formelle neue Mobilisierung zu vermeiden, die für Putin heikle politische Konsequenzen hätte – nach der Teilmobilisierung von 300.000 Soldaten im September 2022. Westliche Geheimdienstschätzungen, die der Tagesspiegel zitiert, deuten darauf hin, dass die russischen Verluste seit Anfang 2026 die Rekrutierungszahlen übersteigen. Die US-amerikanische Denkfabrik CSIS berechnet, dass seit der groß angelegten Invasion etwa 325.000 russische Soldaten getötet wurden. Moskau benötigt schätzungsweise 30.000 bis 35.000 neue Rekruten pro Monat, um die Verluste zu ersetzen.
Der Schuldenerlass ist nur die neueste in einer langen Reihe von Maßnahmen, mit denen Russland versucht, seinen Bedarf an Soldaten zu decken.
Berichten zufolge werden Soldaten mit minimaler Ausbildung, schlechter Ausrüstung und sehr geringen Überlebenschancen für Frontalangriffe auf schwer befestigte ukrainische Stellungen eingesetzt – eine Taktik, die die BBC als „Fleischwolf“-Ansatz bezeichnet, bei dem hohe eigene Verluste für minimale Gebietsgewinne in Kauf genommen werden.
Die Ökonomie der Rekrutierung
Geld bleibt das wichtigste Rekrutierungsinstrument. Laut Recherchen des Wall Street Journal, die der Tagesspiegel zitiert, erhalten Vertragsunterzeichner eine Prämie von rund 5.000 Euro und ein monatliches Grundgehalt von mindestens 2.500 Euro – bis zu fünfmal so viel wie der lokale Durchschnitt in den ärmsten Regionen Russlands. Der Staat zahlt derzeit eine Prämie von 400.000 Rubel (etwa 4.500 US-Dollar) für diejenigen, die einer Verlegung an die Front zustimmen. Mehrere Regionen haben jedoch noch höhere Prämien sowie Anreize wie die bevorzugte Zulassung von Kindern zu Universitäten angeboten.
Ein 35-Jähriger, der ein Jahr lang kämpft und dann stirbt, hinterlässt seiner Familie mehr, als er im Rest seines Arbeitslebens verdient hätte.
Der russische Ökonom hat dies als „Todesökonomie“ bezeichnet. In armen Regionen wie Tuwa sind die Bankeinlagen seit Kriegsbeginn Berichten zufolge um 151 Prozent gestiegen. Familien gefallener Soldaten können Leistungen von insgesamt rund 150.000 Euro erhalten.
Weitere unterzeichnete Maßnahmen
Am selben Tag unterzeichnete Putin zudem ein Dekret, das Kämpfern in der Ukraine das Mietrecht für Staatsland unbegrenzt verlängert. Er hatte zuvor gefordert, dass Kriegsveteranen nach ihrer Rückkehr von der Front prestigeträchtige Positionen sowie einen bevorzugten Zugang zu Hochschulen oder Fachhochschulen erhalten sollen. Russlands Wirtschaft befindet sich seit mehr als vier Jahren im Kriegszustand, wobei militärische Bedürfnisse Vorrang vor anderen Sektoren haben.
Putin erließ außerdem ein Gesetz, das den Einsatz von Streitkräften außerhalb Russlands erlaubt, um russische Bürger zu schützen, die in anderen Ländern vor Gericht stehen. Laut dem Vorsitzenden des Verteidigungsausschusses des russischen Parlaments, Andrei Kartapolow, würde die Gesetzgebung Moskau zu militärischen Interventionen in Drittländern ermächtigen, in denen die Freiheit russischer Bürger durch Gerichtsverfahren bedroht ist, die ohne Russlands Zustimmung durchgeführt werden. Das Gesetz wurde Berichten zufolge durch Fälle wie den des russischen Architekten Alexander Butjagin inspiriert, der im Dezember 2025 auf Ersuchen Kiews in Polen festgenommen und später in einem Gefangenenaustausch freigelassen wurde.
Der weitere Kontext
Der Rekrutierungsvorstoß erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die von den USA geführten Friedensgespräche ins Stocken geraten sind und sich beide Seiten gegenseitig vorwerfen, eine Eskalation des Konflikts anzustreben. Die Ukraine plant, ihre nördlichen Regionen zu verstärken, um dem entgegenzuwirken, was sie für russische Pläne für eine neue Offensive hält. Das Dekret zum Schuldenerlass stellt Moskaus Versuch dar, seinen Militärfeldzug aufrechtzuerhalten, ohne die politische rote Linie einer erneuten Vollmobilisierung zu überschreiten.
- Russland beginnt die großangelegte Invasion der Ukraine
- Teilmobilisierung von 300.000 Soldaten angekündigt
- Westliche Schätzungen: Russische Verluste übersteigen Rekrutierungen
- Beginn der Anspruchsberechtigung unter neuem Schuldenerlass-Dekret
- Putin unterzeichnet Schuldenerlass-Dekret und Gesetz zu Militäreinsätzen im Ausland


