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Ehemaliger Abfallentsorgungschef steht in Weiden wegen Dutzender illegaler Abfalltransporte nach Tschechien und Polen vor Gericht

Am heutigen Tag beginnt in Weiden der Prozess gegen einen ehemaligen Geschäftsführer und einen Angestellten eines bayerischen Entsorgungsunternehmens. Ihnen wird vorgeworfen, seit 2024 wiederholt nicht gefährliche und gefährliche Abfälle nach Tschechien und Polen verbracht zu haben. Der Ex-Chef muss sich zudem wegen gefährlicher Körperverletzung im Zusammenhang mit einer undichten Batterie-Recyclinganlage verantworten.

Die Anklage gegen die beiden Angeklagten

Dem 43-jährigen ehemaligen Geschäftsführer eines in Weiden ansässigen Entsorgungsunternehmens und einem 57-jährigen Angestellten der tschechischen Niederlassung werden gemeinsam 39 Fälle illegaler Transporte nicht gefährlicher Abfälle sowie zwei Fälle mit gefährlichen Abfällen nach Tschechien und Polen vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern vor, beharrlich und gewinnorientiert gehandelt zu haben, wobei die illegalen Aktivitäten mindestens bis ins Jahr 2024 zurückreichen. Der Ex-Chef allein muss sich zusätzlich 13 weiteren Anklagepunkten wegen vorsätzlicher Verbringung gefährlicher Abfälle sowie wegen unerlaubten Betreibens einer Anlage, Urkundenfälschung und gefährlicher Körperverletzung stellen. Der Vorwurf der Körperverletzung beruht auf einer undichten Batterie-Recyclinganlage; dem Angeklagten wird vorgeworfen, die Anlage nicht stillgelegt zu haben, obwohl er wusste, dass Mitarbeiter gesundheitsgefährdende Stoffe einatmen würden.

Wie sich das Gerichtsverfahren entwickelt

Der Prozess soll am 11. Juni um 9 Uhr am Landgericht Weiden beginnen, ein Urteil wird für September 2026 erwartet. Rund 40 Zeugen und Sachverständige wurden geladen, darunter Mitarbeiter, Beamte von Aufsichtsbehörden sowie deutsche und tschechische Polizeibeamte. Das Verfahren soll das gesamte Ausmaß und die Dauer der grenzüberschreitenden Abfalltransporte klären, bei denen regelmäßig Transporte vom Hauptsitz des Unternehmens in Weiden und einem zweiten Standort im Landkreis Schwandorf zu Zielen jenseits der Grenze stattfanden.

Die Kosten der Beseitigung

Nachdem die illegalen Exporte bekannt wurden, ordneten die bayerischen Behörden die Rückholung von rund 600 Tonnen Abfall aus Tschechien an. Nach Angaben einer Sprecherin der Regierung der Oberpfalz enthielt das zurückgeholte Material glas- und kohlenstofffaserverstärkten Kunststoff sowie Teile von Lithium-Ionen-Batterien, der Großteil wurde innerhalb Bayerns entsorgt. Die Gesamtkosten der Rückhol- und Entsorgungsaktion beliefen sich auf rund 600.000 Euro und umfassten Transportkosten, Entsorgungsgebühren, Standortvorbereitung und Ingenieurleistungen.

Die grenzüberschreitende Präsenz des Unternehmens

Das Entsorgungsunternehmen hatte seinen Hauptsitz in Weiden und einen Betriebsstandort im benachbarten Landkreis Schwandorf. Die tschechische Tochtergesellschaft beschäftigte den 57-jährigen Mitangeklagten. Seit 2024, so die Anklage, verbrachte das Unternehmen wiederholt Abfall über die deutsche Grenze sowohl nach Tschechien als auch nach Polen und nutzte dabei die grenzüberschreitende Struktur aus, um strengere deutsche Entsorgungsvorschriften zu umgehen. Der Fall verdeutlicht die Durchsetzungsschwierigkeiten bei der Überwachung internationaler Abfallströme.

Weiden

3 Quellen

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