Zusammenstöße in Paris und anderen Städten
Am Samstag, dem 17. Oktober 2026, gerieten landesweite Demonstrationen gegen die Lebenshaltungskosten in mehreren französischen Städten in Zusammenstöße mit der Polizei. In Paris eskalierte die Lage gegen Mittag am Place de la République, wo gegen 14 Uhr Ortszeit ein Marsch in Richtung Place de la Concorde beginnen sollte. Die Polizei setzte Tränengas gegen mehrere hundert Protestierende ein, die meisten von ihnen maskiert und schwarz gekleidet, während einige Feuerwerkskörper warfen. Die Pariser Polizeipräfektur hatte die geplante Route verboten, und Geschäftsleute in der Hauptstadt schlossen ihre Läden aus Angst vor Gewalt.
Festnahmen und die landesweite Bilanz
Dem Innenminister Laurent Nuñez nahestehende Quellen erklärten, die Behörden hätten bis zum Mittag 140 Demonstrationen mit 32.800 Teilnehmenden in den Regionen und 166 Festnahmen landesweit gezählt. Andere Berichte nannten eine Zahl von 160 Demonstrationen, während die Festnahmen bis zum Mittag die Marke von 100 überschritten hatten. Die Organisatoren sprechen von weit größeren Menschenmengen. In Paris verzeichnete ein erster Polizeibericht am Samstagmorgen 40 Festnahmen. Unabhängig davon teilte die Polizei mit, 21 Menschen seien festgenommen worden, nachdem etwa 100 Protestierende die Zentrale des Fernsehsenders CNews angegriffen hatten, der zur Gruppe des konservativen Milliardärs Vincent Bolloré gehört, und Gegenstände gegen dessen Fenster geworfen hatten.
- Demonstrationen
- 140
- Teilnehmende
- 32800
- Festnahmen
- 166
Daten aus dem Artikeltext
Weitere Städte von Gewalt betroffen
In Marseille warfen Protestierende Gegenstände, und die Polizei reagierte mit Tränengas. Eine örtliche Polizeiwache wurde angegriffen, und mehrere Geschäfte sowie die Fassade einer kommunalen Polizeiwache an der Canebière wurden beschädigt. In Lyon setzte die Polizei Tränengas ein, um fast 300 Menschen zu zerstreuen, die sich vor einer Universität versammelt hatten. In Rouen wurde ein Universitätsgebäude am frühen Morgen durch ein Feuer beschädigt, das nach Angaben einer mit den Ermittlungen vertrauten Quelle wahrscheinlich gelegt wurde. In Toulouse griff die Polizei ein, um Zugblockaden und die Blockade eines Kreisverkehrs zu verhindern, und in Rennes errichteten etwa zwanzig Menschen aus Mülltonnen eine Barrikade in der Nähe eines Einkaufszentrums. Mehrere angekündigte Aktionen, darunter an einer Mautstelle an der Brücke zur Île de Ré und in Bordeaux, fanden an diesem Morgen nicht statt.
Wer sich anschloss und warum
Gymnasiasten, Landwirte, Klimaaktivisten und Gelbwesten-Protestierende bündelten ihren Zorn in einer breiten Bewegung, und die Behörden befürchteten, dass sie sechs Monate vor der Präsidentschaftswahl gewaltsam werden könnte. Die Gelbwesten-Proteste von 2018 und 2019 gegen die Erhöhung der Kraftstoffsteuer sind noch frisch in Erinnerung, und Bilder von Gewalt auf den Champs-Élysées gingen um die Welt. Studierende demonstrieren seit Mitte September für bessere Studienbedingungen, und die Welle begann im September 2026 an Gymnasien in den ärmeren nördlichen Vororten von Paris. Seit Ende September wurden mehr als 460.000 Beiträge über die Bewegung gezählt, und eine kollaborative Karte zeigte über 1.000 angekündigte Mobilisierungspunkte. Die Organisatoren hatten 80 Märsche und 250 Kundgebungen im ganzen Land geplant, mit bis zu 120.000 erwarteten Protestierenden außerhalb von Paris.
Polizeitaktik und politische Reaktion
Ein 15-jähriger Junge verlor eine Hand, als während der Proteste eine Blitzknallgranate in seinen Händen explodierte. Nach der Verletzung setzten die Behörden den Einsatz von Blitzknallgranaten aus, obwohl der Innenminister erklärte, sie könnten an diesem Tag bei Bedarf wieder eingesetzt werden. Die interne Aufsichtsbehörde der Polizei untersucht mindestens 24 Beschwerden wegen Polizeigewalt. Premierminister Sébastien Lecornu sagte, mehr als 900 Polizeibeamte seien bei Demonstrationen in den Wochen vor dem 17. Oktober verletzt worden. Am Donnerstag, dem 15. Oktober, hatte Lecornu erklärt, die Behörden befürchteten Zwischenfälle während der Mobilisierung, und die Regierung beschuldigte das Linksbündnis La France insoumise, die Proteste anzuheizen.
Politischer Hintergrund und wie es weitergeht
Die Proteste fallen in eine Zeit, in der Emmanuel Macron am Ende seiner Präsidentschaft eine stark polarisierte Wählerschaft und eine zersplitterte politische Landschaft hinterlässt. Die Staatsverschuldung bleibt ein Problem, da sich Investoren von französischen Anleihen abgewandt haben und die Kreditkosten auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten gestiegen sind. Der kommunistische Präsidentschaftskandidat Fabien Roussel sagte bei einer Kundgebung vor mehreren hundert Menschen in Valenciennes, die Franzosen hätten Angst und seien besorgt. Er argumentierte, die Regierung tue das Gegenteil dessen, was nötig sei, und verwies auf einen Haushaltsentwurf für 2027 mit 54 Milliarden Euro Einsparungen. Die Gewerkschaften haben Beschäftigte des öffentlichen und privaten Sektors für den 5. November zu einer Demonstration und einem Streik aufgerufen. Der Samstag war zudem der erste Tag der Schulferien, was das Ausmaß des weiteren Tagesverlaufs schwer vorhersehbar machte.