
Zehntausende protestieren in deutschen Städten nach AfD-Sieg bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
Mehr als 100.000 Demonstranten versammelten sich am 12. September 2026 in über 35 deutschen Städten, um gegen Rechtsextremismus zu protestieren, nachdem die AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt knapp 44% der Stimmen erhalten hatte.
Bundesweite Mobilmachung gegen die extreme Rechte
Ein Bündnis aus mehr als 100 zivilgesellschaftlichen Organisationen, Gewerkschaften und lokalen Initiativen mobilisierte am 12. September 2026 Zehntausende Menschen in über 35 deutschen Städten. Die Demonstrationen richteten sich gegen Rechtsextremismus und für den demokratischen Zusammenhalt nach den jüngsten Landtagswahlergebnissen. Nach Angaben des Kampagnennetzwerks Campact nahmen fast 150.000 Menschen an Kundgebungen in rund 20 Städten teil. Die Initiative Prüf, die sich für ein Verbotsverfahren gegen die Alternative für Deutschland (AfD) einsetzt, organisierte Kundgebungen in 15 Landeshauptstädten und meldete insgesamt rund 90.000 Teilnehmer. Die Organisatoren stellten die Veranstaltungen als dringende Verteidigung demokratischer Institutionen dar.
Matthias Lüth, ein Vertreter des Bündnisses „Zeit zum Handeln", erläuterte die Motivation des zivilgesellschaftlichen Engagements:
Die Demokratie verteidigt sich nicht von selbst. Es reicht nicht, darauf zu hoffen, dass andere sich darum kümmern.
Teilnehmerzahlen in Berlin und westlichen Großstädten
In Berlin liefen sieben verschiedene Demonstrationszüge zum Roten Rathaus, wo gegen 16:00 Uhr eine Abschlusskundgebung stattfand; die Polizei setzte stadtweit 1.800 Beamte ein. Die größte Einzelgruppe in der Hauptstadt war eine Fahrraddemonstration mit rund 5.000 Teilnehmern, die an der Siegessäule startete. Die Polizei schätzte die Gesamtteilnehmerzahl in Berlin auf 13.000 bis 18.000, während die Organisatoren von Campact von 32.000 ausgingen. In Düsseldorf einigten sich Polizei und Organisatoren auf rund 20.000 Teilnehmer, doppelt so viele wie angemeldet. In Hamburg zogen schätzungsweise 25.000 Demonstranten durch die Innenstadt, während München 12.000 Menschen am Siegestor anzog – viermal so viele wie angemeldet. Kleinere Versammlungen gab es in Leipzig mit 5.000, Mainz mit 2.000, Saarbrücken mit 1.500 und Magdeburg mit 1.100 Teilnehmern.
- Hamburg
- 25000 Personen
- Düsseldorf
- 20000 Personen
- Munich
- 12000 Personen
- Leipzig
- 5000 Personen
- Mainz
- 2000 Personen
- Saarbrücken
- 1500 Personen
- Magdeburg
- 1100 Personen
Die Debatte über ein AfD-Verbot
In mehreren Städten forderten die Protestierenden den Bundesrat auf, das Bundesverfassungsgericht mit der Prüfung eines formellen Verbots der AfD zu befassen. Die Partei wird bundesweit vom Bundesamt für Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft, ihre Landesverbände in Thüringen und Sachsen-Anhalt gelten als gesichert extremistische Bestrebungen. Nach den jüngsten Landtagswahlen regte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst die Bildung einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe an, um die rechtlichen Grundlagen für ein Verbotsverfahren zu prüfen. Allerdings mahnten einige Wissenschaftler zur Zurückhaltung. Kai-Uwe Schnapp, Politikwissenschaftler an der Universität Hamburg, erklärte, ein Verbot wäre ein Fehler, da der Ausschluss von mehr als einem Viertel der Wählerschaft aus dem demokratischen Prozess nicht legitimierbar sei.
Auch Kirchenvertreter schlossen sich den zivilgesellschaftlichen Forderungen nach institutionellem Widerstand an. Kirsten Fehrs, Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland und Bischöfin von Hamburg, wandte sich an die Versammlung:
Es erschüttert mich zutiefst, dass so etwas wieder möglich ist. In unserem Land. Mit dieser Geschichte.
Landtagswahlergebnis als Auslöser für die Proteste
Die bundesweiten Demonstrationen fanden sechs Tage nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vom 6. September 2026 statt, bei der die AfD mit knapp 44% der Stimmen ihr bislang stärkstes Ergebnis in einem Bundesland erzielte. Zwar verfehlte die Partei die absolute Mehrheit, doch das Ergebnis erschwerte die Koalitionsbildung; das BSW-Bündnis erwog eine Enthaltungsregelung. Die Demonstranten trugen Schilder, die jede politische Normalisierung oder formelle Zusammenarbeit mit der Partei ablehnten und die Wahrung eines politischen Brandmauers betonten. Parallel zu den Anti-Extremismus-Kundgebungen fand in Berlin eine AfD-Kundgebung mit Spitzenkandidatin Kristin Brinker statt, während sich in Bamberg rund 1.500 Demonstranten unter dem Motto der Initiative „Einigkeit für Deutschland" versammelten. In München fand am Königsplatz eine separate Gegendemonstration von 350 Gegnern der Bundesregierung statt, begleitet von 100 Gegendemonstranten.
- AfD erhält knapp 44% der Stimmen bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
- Sieben separate Demonstrationszüge starten in Berlin in Richtung Rotes Rathaus
- Demonstranten versammeln sich zu Abschlusskundgebungen am Berliner Rathaus und in anderen deutschen Städten


