
Vorwahl in Colorado: Sozialistin Melat Kiros besiegt 15-fache Amtsinhaberin Diana DeGette und setzt die Welle demokratischer Aufstände fort
Eine 29-jährige demokratische Sozialistin hat am Dienstag bei den Vorwahlen der Demokraten im 1. Bezirk von Colorado die 15-fache Amtsinhaberin Diana DeGette gestürzt – Teil eines linken Aufstands, der nun mehrere Sitze im Repräsentantenhaus für sich beansprucht hat.
Progressive Überraschung in Denver
Im tiefblauen 1. Kongresswahlbezirk von Colorado besiegte Melat Kiros, eine 29-jährige Anwältin und demokratische Sozialistin, die Abgeordnete Diana DeGette, eine 68-jährige Progressive, die 15 Amtszeiten absolviert hatte. Kiros lag trotz eines Nachteils bei den Wahlkampfausgaben von mehr als zwei zu eins durch mit dem demokratischen Establishment und AIPAC verbündete Gruppen knapp zehn Prozentpunkte vorn. Kiros, die als Baby aus Äthiopien kam, setzte sich unter anderem für ein vollständiges Waffenembargo gegen Israel ein, auch für defensive Waffen, und bezeichnete dessen Handlungen in Gaza als Völkermord. DeGette hingegen unterstützte die Lieferung defensiver Waffen.
Wenn wir uns organisieren und keine Angst davor haben, für das Richtige einzustehen, dann ist das die Botschaft, die Denver an beide Parteien, an Donald Trump und an das ganze Land gesendet hat. Ich bin dankbar für ihren Dienst und ihren Kampf für reproduktive Freiheit. Sie half, eine Gemeinschaft aufzubauen, die meine Familie in dieser Stadt und in diesem Bezirk willkommen hieß, und dafür werde ich immer dankbar sein.
Weitere Vorwahlergebnisse deuten auf einen breiteren Wandel hin
In derselben Nacht gewann der progressive Abgeordnete Manny Rutinel, ein veganer Aktivist und Gegner der industriellen Landwirtschaft, die Vorwahl der Demokraten im benachbarten 8. Bezirk gegen die moderate Shannon Bird. Rutinel wird nun im November gegen den republikanischen Amtsinhaber Gabe Evans antreten, in einem umkämpften Wahlkreis, der große Fleischverarbeitungs- und Molkereibetriebe umfasst. Unterdessen verlor der langjährige Senator Michael Bennet bei den Vorwahlen für das Gouverneursamt gegen den Attorney General des Bundesstaates, der sich links von ihm positionierte. Senator John Hickenlooper überstand eine Herausforderung durch einen selbsternannten 'aufständischen progressiven' Staatssenator.
Ein landesweites Muster zeichnet sich ab
Kirosis Sieg verlängert eine Reihe von Vorwahlniederlagen für die Establishment-Demokraten. In der Vorwoche wurden zwei Amtsinhaber aus New York City, die Abgeordneten Dan Goldman und Adriano Espaillat, von Herausforderern abgesetzt, die vom progressiven Bürgermeister Zohran Mamdani unterstützt wurden. Im Mai gewann Chris Rabb eine offene Vorwahl im 3. Bezirk von Pennsylvania mit der Unterstützung der Abgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez. Insgesamt haben acht Amtsinhaber im Repräsentantenhaus, darunter fünf Demokraten, in diesem Midterm-Zyklus Vorwahlen verloren, so Kyle Kondik vom Center for Politics der Universität von Virginia.
- Progressive Herausforderer setzen Abgeordnete Goldman und Espaillat bei Vorwahlen in New York ab
- Melat Kiros besiegt Abgeordnete DeGette in Colorado; Manny Rutinel gewinnt Vorwahl im 8. Bezirk
- Zwischenwahlen: Kiros voraussichtlich siegreich; Rutinel trifft auf republikanischen Amtsinhaber in offenem Rennen
Eine Partei im Aufruhr
Die Demokraten im Repräsentantenhaus sind privat in Panik; ein hochrangiges Mitglied nannte das Ergebnis in Colorado einen 'Weckruf'. Ein demokratischer Stratege sagte dem Atlantic, die Wähler lehnten Kandidaten ab, die 'aussehen und klingen wie jemand, der ein gewähltes Amt bekleiden sollte'. Dennoch haben einige gewählte Demokraten Kiros bereits gratuliert. Die Abgeordnete Emily Randall aus Washington sagte, sie habe Kiros eine Nachricht geschickt und freue sich darauf, sie im Team willkommen zu heißen.
Ich bin dankbar für alles, was Diana als Dekanin unserer Region getan hat. Ich kenne Melat noch nicht, aber ich habe ihr eine Glückwunschnachricht geschickt und freue mich darauf, sie im Team willkommen zu heißen.
Wie es weitergeht
Kiros wird mit ziemlicher Sicherheit die allgemeinen Wahlen in ihrem stark demokratischen Bezirk gewinnen und im Januar in den Kongress einziehen. Rutinels Rennen im 8. Bezirk ist eine offene Wahl, die mitentscheiden könnte, wer die Kontrolle im Repräsentantenhaus übernimmt. Die Republikaner arbeiten bereits daran, demokratische Kandidaten in umkämpften Bezirken als Sozialisten zu brandmarken, wobei NRCC-Vorsitzender Richard Hudson erklärte, die 'Kandidatenqualität' sei entscheidend und seine Partei habe einen Vorteil. Die Zwischenwahlen am 3. November werden zeigen, ob die progressive Energie, die durch die demokratischen Vorwahlen schwappt, in breitere Erfolge umgesetzt werden kann.


