
Portugal erlässt Vermummungsverbot in der Öffentlichkeit mit Bußgeldern bis zu 3.000 Euro
Präsident António José Seguro unterzeichnete die Gesetzgebung nach der parlamentarischen Zustimmung. Sie legt Bußgelder zwischen 150 und 3.000 Euro fest, befreit jedoch medizinische, berufliche und religiöse Räume.
Präsidentielle Verkündung und Geltungsbereich
Präsident António José Seguro verkündete am 18. August 2026 ein Gesetz, das die Gesichtsverhüllung im öffentlichen Raum in ganz Portugal verbietet. Im inländischen politischen Diskurs oft als Burka-Gesetz bezeichnet, gilt die Regelung allgemein für Masken, Kleidungsstücke und Accessoires, die Gesichtszüge verbergen oder eine Person unkenntlich machen. Das Verbot erstreckt sich auf öffentliche Straßen, Demonstrationen, öffentliche Veranstaltungen und Sportveranstaltungen. Verstöße werden mit Verwaltungsstrafen zwischen 150 und 3.000 Euro geahndet. Darüber hinaus stellt das Gesetz jede Nötigung unter Strafe, die eine Person auf Grund von Geschlecht, Religion, Alter oder Herkunft zwingt, ihr Gesicht zu verhüllen.
Gesetzgebungsverfahren und Änderungen
Die gesetzgeberische Maßnahme begann als ein von der rechtspopulistischen Chega-Partei im Oktober 2025 eingebrachter Vorschlag. Chega-Chef André Ventura erklärte während der ersten Debatte, dass der Gesetzentwurf darauf abziele, Frauen daran zu hindern, in der Öffentlichkeit Burkas zu tragen, und dass eine frühe Fassung Haftstrafen von bis zu drei Jahren vorsah. Zwei Tage vor der Abstimmung im Fachausschuss legte die regierende Mitte-rechts-Partei, die Sozialdemokratische Partei (PSD), einen Ersatztext vor, der spezifische Erwähnungen islamischer Kleidung strich und die Gesetzgebung neu auf die öffentliche Sicherheit und Identifikation von Bürgern ausrichtete. Das Parlament gab seine endgültige Zustimmung am 17. Juli 2026 mit den Stimmen von PSD, Chega, Iniciativa Liberal und CDS-PP; die Linksparteien stimmten dagegen. Das Minderheitskabinett von Premierminister Luís Montenegro ist auf ad-hoc-parlamentarische Mehrheiten angewiesen, um Gesetze zu verabschieden.
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Rechtliche Begründung und Ausnahmen
Seguro, ein ehemaliger Vorsitzender der Sozialistischen Partei, veröffentlichte eine erläuternde Note, in der er das Gesetz als eine Angelegenheit von großer sozialer und kultureller Sensibilität beschrieb. Der Präsident berief sich auf die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, insbesondere auf das Urteil von 2014 im Fall S.A.S. gegen Frankreich, das nationale Verbote der Gesichtsverhüllung mit dem Prinzip des Zusammenlebens und der gegenseitigen Anerkennung der Bürger begründete. Seguro argumentierte, dass die ausschließliche Verpflichtung von Frauen zur Gesichtsverhüllung eine Asymmetrie schaffe, die mit der Gleichstellung der Geschlechter und der Menschenwürde unvereinbar sei.
Das Gesicht muss als zentrales Element menschlicher Identität und Kommunikation betrachtet werden.
Das Gesetz führt mehrere klare Ausnahmen auf, bei denen Gesichtsverhüllung weiterhin erlaubt ist. Verhüllung ist aus medizinischen Gründen, zum Arbeitsschutz, bei Wetterbedingungen, für künstlerische Darbietungen, Unterhaltung und Werbung gestattet. Das Verbot gilt zudem nicht in Gotteshäusern, diplomatischen und konsularischen Vertretungen oder an Bord von Verkehrsflugzeugen.
Reaktion aus der muslimischen Gemeinschaft
Scheich David Munir, der Imam der Zentralmoschee Lissabon, erklärte, dass das Gesetz aus Sicherheitsgründen sinnvoll sei und mit der religiösen Lehre übereinstimme. Munir stellte fest, dass der Islam Frauen nicht zur Gesichtsverhüllung verpflichte, und wies auf das Kopftuch (Hijab), das die Haare bedeckt, aber das Gesicht freilässt, als erlaubte Alternative hin. Obwohl Munir Chegas ursprünglichen Vorschlag von 2025 als gegen Einwanderer gerichtete Rhetorik kritisiert hatte, bekräftigte er seine Unterstützung für das endgültige, allgemeine Sicherheitsgesetz.
Nach dem Islam ist es kein Verbrechen, wenn eine Frau ihr Gesicht unbedeckt lässt; sie bricht damit kein göttliches Gesetz.
Munir schätzte, dass in ganz Portugal weniger als 20 Frauen die Vollburka tragen, und bezeichnete die Praxis im Land als randständig. Er rief zu Aufklärungsbemühungen innerhalb der Gemeinschaft auf, um muslimische Frauen zu beruhigen, dass das Erscheinen in der Öffentlichkeit mit unbedecktem Gesicht keine religiöse Übertretung darstelle.


