
Portugal startet Amália, ein Open-Source-KI-Modell für europäisches Portugiesisch, mit 7 Millionen Euro Investition
Portugal hat Amália, sein erstes nationales KI-Modell für europäisches Portugiesisch, offiziell als Open-Source-Infrastruktur veröffentlicht. Das 7-Millionen-Euro-Projekt soll öffentliche Dienste und lokale Unternehmen unterstützen – ohne Chat-Oberfläche.
Kein ChatGPT-Konkurrent
Als die portugiesische Regierung Amália am 1. Juli 2026 startete, betonte sie immer wieder: Dies ist kein ChatGPT. Paulo Dimas, CEO des Konsortiums Center for Responsible AI, erklärte, dass es keine Chat-Oberfläche für die Öffentlichkeit geben werde.
Das ist kein ChatGPT. Es wird keine Chat-Oberfläche geben, mit der die Leute interagieren können, denn das ist nicht seine Funktion.
Stattdessen ist Amália ein Foundation-Modell, auf das andere Softwareanwendungen zurückgreifen können – eine Basisschicht für die Entwicklung von Diensten. Es ist ein multimodales Modell, das Text, Bilder und Sprache verarbeiten kann und speziell für europäisches Portugiesisch optimiert wurde.
Offene Infrastruktur für alle
Das Modell, seine Trainingsdaten und der Quellcode werden unter einer Apache-2.0-Lizenz veröffentlicht, sodass sie von jedem Unternehmen, jeder Universität oder jeder Regierungsbehörde kostenlos kommerziell genutzt werden können. Nutzer können das Modell über das Portal ia.gov.pt herunterladen, das auf Hugging Face weiterleitet. CTO Manuel Dias bezeichnete diese Offenheit als bewusste strategische Entscheidung.
Dieses Modell wurde mit vier Einrichtungen validiert – Museen und Kultur, Wissenschaft, Medien, Bildung. Jetzt kann jedes Unternehmen dieses Modell nutzen und darauf aufbauend Lösungen entwickeln.
Die Lizenz stellt sicher, dass die Weiterentwicklung des Modells nicht von einem einzelnen großen Technologieunternehmen kontrolliert wird – ein Gegensatz zu proprietären Systemen.
- Premierminister nimmt Herausforderung an, ein portugiesisches KI-Modell zu bauen.
- Testversion fertiggestellt und auf der PROPOR-Konferenz in Brasilien vorgestellt.
- Offizieller Start von Amália mit 9 Milliarden Parametern im Técnico Innovation Center.
- Geplante allgemeine Verfügbarkeit für alle Bürger und Einrichtungen.
- Nächste Phase: Erweiterung auf 22 Milliarden Parameter und zusätzliche 1,5 Millionen Euro Finanzierung.
Souveränität und nationale Datenkontrolle
Der Start wurde als Schritt in Richtung digitale Souveränität dargestellt. Minister Gonçalo Matias sagte, die Regierung wolle den Trend des Imports kritischer Technologie umkehren und stattdessen eine nationale KI-Infrastruktur aufbauen, die die Daten der Bürger unter portugiesischer Kontrolle hält.
Mit zunehmender Digitalisierung unserer Wirtschaft und Gesellschaft müssen wir die Kontrolle und Souveränität über die Daten unserer Mitbürger gewährleisten, die wir in die digitale Welt stellen.
Das Modell wird mit Datensätzen in europäischem Portugiesisch trainiert und basiert auf EuroLLM-9B, einem europäischen Foundation-Modell, was den breiteren EU-Vorstoß für souveräne KI widerspiegelt.
Öffentliche Dienste und erste Anwendungsfälle
Die Regierung plant, Amália in die mobile App gov.pt zu integrieren, wo es Bürger künftig auf ablaufende Dokumente hinweisen und die Verlängerung des Personalausweises anbieten könnte. Weitere demonstrierte Anwendungsfälle umfassen ein intelligentes Navigationssystem für das Portal Portuguese Heritage 360, einen KI-Lehrassistenten, einen virtuellen Führer für Museen und Denkmäler sowie Entscheidungsunterstützungswerkzeuge für die portugiesische Marine. Der CTO betonte, dass Amália kein Laborprojekt sei.
Amália wurde nicht geboren, um im Labor zu bleiben.
Es ist für den Einsatz in der gesamten öffentlichen Verwaltung und im weiteren nationalen Ökosystem vorgesehen.
Finanzierung und akademischer Aufwand
Das Projekt wurde mit anfänglichen 5,5 Millionen Euro aus dem portugiesischen Aufbau- und Resilienzplan finanziert, weitere 1,5 Millionen Euro wurden beim Start angekündigt, sodass sich die Gesamtsumme bis 2027 auf 7 Millionen Euro beläuft. Die Arbeit dauerte etwa 18 Monate und umfasste mehr als 60 Forscher von fünf Universitäten: NOVA Lissabon, Instituto Superior Técnico sowie den Universitäten Porto, Minho und Coimbra. Eine Testversion wurde im September 2025 fertiggestellt und auf der PROPOR-Konferenz in Brasilien vorgestellt. Die nächste Phase zielt darauf ab, das Modell von 9 Milliarden Parametern auf 22 Milliarden zu skalieren, um seine Kapazität und Leistung zu erhöhen.


