
Polen startet das Schuljahr 2026 mit Handyverbot und der Lehrplanreform Kompas Jutra
Schulen in ganz Polen werden Smartphones in Grundschulklassen verbieten und die Kompas-Jutra-Reform einführen, die eine verpflichtende Gesundheitserziehung sowie 700.000 neue digitale Geräte vorsieht.
Gesetzliches Smartphone-Verbot in Grundschulen
Ab dem 1. September 2026 werden polnische Grundschulen und Vorschulen ein gesetzliches Verbot von Smartphones, Smartwatches und anderen persönlichen Aufnahme- und Kommunikationsgeräten durchsetzen. Die Einschränkung gilt für den gesamten Schultag, einschließlich der Pausen. Grundschulen werden interne Aufbewahrungsregeln festlegen, wie z. B. spezielle Schließfächer, und haben bis zum 31. Dezember 2026 Zeit, ihre Schulordnungen zu aktualisieren. Gymnasien und Fachschulen behalten die Autonomie, ihre eigenen Handyregeln festzulegen.
Das Gesetz nennt drei explizite Ausnahmen von dem Verbot. Geräte sind erlaubt, wenn Lehrer sie für Unterrichtszwecke genehmigen, wenn sie in plötzlichen Notfällen mit Gefahr für Gesundheit oder Leben benötigt werden oder wenn sie für medizinische Bedingungen wie kontinuierliche Glukoseüberwachung erforderlich sind. Agnieszka Kopacz, Polens Lehrerin des Jahres 2025, äußerte sich in einem Interview zu den Aufbewahrungsherausforderungen:
Die Forschung zeigt, dass Schüler süchtig nach Handys sind. Sie konzentrieren sich besser, wenn diese Handys nicht da sind. Ein weiteres Problem ist, dass wir keine Möglichkeit haben, diese Handys aufzubewahren.
Gesundheitserziehung und Lehrplanaktualisierungen
Das Schuljahr 2026/2027 wird auch eine verpflichtende Gesundheitserziehung in den Stundenplan einführen. Grundschüler der Klassen 4 bis 8 erhalten eine Stunde pro Woche, während Sekundarschüler zwei Stunden pro Woche erhalten. Die Themen umfassen psychisches Wohlbefinden, gesunde Lebensgewohnheiten, Suchtprävention und Cyber-Bedrohungen. Sexuelle Gesundheit bleibt ein optionales separates Modul, das eine schriftliche Einwilligung oder eine Abmeldung erfordert.
- Gesundheitserziehung (Klassen 4-8)
- 1 Stunden/Woche
- Gesundheitserziehung (Sekundarstufe)
- 2 Stunden/Woche
- Naturkunde (Klassen 4-6)
- 3 Stunden/Woche
Darüber hinaus kehrt der Naturkundeunterricht in die Klassen 4 bis 6 mit drei Stunden pro Woche zurück, darunter mindestens zwei Stunden, die in einem zusammenhängenden Block unterrichtet werden. Die Hausaufgabenregeln für Grundschulen verbieten verpflichtende praktische und technische Aufgaben in der Freizeit für die Klassen 4 bis 8. Wenn Lehrer schriftliche Hausaufgaben aufgeben, müssen sie die Abgaben überprüfen und direktes Feedback geben. Die Schulen beginnen auch, die Speisepläne und Getränkeautomaten anzupassen, um strengere Ernährungsstandards zu erfüllen.
Technologieinvestitionen und Klassenraumausstattung
Im Rahmen des breiteren Reformrahmens Kompas Jutra wird das Ministerium für nationale Bildung Medienerziehung einführen, um Fähigkeiten zur Überprüfung, journalistische Praxis und Methoden zur Erkennung von Desinformation zu vermitteln. Um die Technologieintegration neben dem Geräteverbot zu unterstützen, wird das Ministerium landesweit über 700.000 Laptops und Tablets an Schulen verteilen. Das Programm wird außerdem 12.000 spezielle KI- und MINT-Labore einrichten.
In einem offiziellen Brief zum Schuljahresbeginn skizzierte die Ministerin für nationale Bildung, Barbara Nowacka, die Ziele der Reform:
Wissen bleibt die Grundlage des Lehrprozesses; jedoch ist es mir wichtig, dass dies Wissen ist, das ihr, liebe Schüler, in der Praxis anwenden könnt und das dem täglichen Lernen ein Gefühl von Handlungsfähigkeit und Sinn verleiht.
Zeitplan der Reformeinführung bis 2032
Die im September 2026 in Kraft tretenden Lehrplanaktualisierungen stellen die erste Phase einer bis 2032 laufenden Bildungsneuordnung dar. Erste Lehrplanänderungen treten sofort in Vorschulen sowie in den Klassen 1 und 4 der Grundschulen in Kraft. Sekundarschulen beginnen 2027 mit der Umsetzung der aktualisierten Lehrpläne in ihren ersten Klassen.
- Neuer Kernlehrplan beginnt in Vorschulen und Grundschulklassen 1 und 4
- Lehrplanänderungen werden auf die ersten Klassen der Sekundarstufe ausgeweitet
- Achtklässlerprüfung und Abitur der allgemeinbildenden Gymnasien gehen zur neuen Formel über
- Abitur der Fachschulen geht zur neuen Formel über
Die letzten Phasen der Reform werden die nationalen Prüfungssysteme umstrukturieren. Die Achtklässlerprüfung und das allgemeine Abitur werden 2031 das neue Format annehmen, gefolgt vom Fachabitur 2032.


