
Polizei schützt ersten Christopher-Street-Day in Königs Wusterhausen nach rechtsextremen Drohungen
Rund 500 Demonstranten versammelten sich unter Polizeischutz in Königs Wusterhausen zum ersten Christopher Street Day des Ortes, nachdem eine rechtsextreme Jugendgruppe Gegenproteste angekündigt hatte.
Erster Demonstrationszug in Königs Wusterhausen
Die Stadt Königs Wusterhausen im Landkreis Dahme-Spreewald südöstlich von Berlin erlebte am Samstag, den 29. August, ihren ersten Christopher-Street-Day. Die Demonstranten versammelten sich um 15:00 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz unter dem offiziellen Motto „Liebe statt Hass“. Die Organisatoren gestalteten die Veranstaltung, um für die Rechte und Sichtbarkeit queerer Menschen einzutreten und gleichzeitig öffentlich gegen Diskriminierung, Anfeindung und Ausgrenzung Stellung zu beziehen. Die Teilnehmerzahl entsprach den ursprünglichen Prognosen: Die Organisatoren rechneten mit mindestens 500 Menschen, die Polizei vor Ort registrierte etwa 500 Teilnehmer. Der Zug führte vom Bahnhofsvorplatz durch die Innenstadt zu einem abschließenden „Fest der Vielfalt“ auf dem Festgelände am Nottekanal. Gleichzeitig fand in der Nachbarstadt Ludwigsfelde im Landkreis Teltow-Fläming der zweite Christopher-Street-Day-Marsch unter dem Motto „Gemeinsam bunt, gemeinsam laut, gemeinsam in Lu“ statt.
Rechtsextreme Gegenproteste und Polizeisicherung
Die Landespolizei koordinierte ein verstärktes Sicherheitsaufgebot zur Überwachung der Demonstration in Königs Wusterhausen, nachdem eine rechtsextreme Jugendgruppe einen Gegenprotest angemeldet hatte. Die als Jägertruppe Berlin-Brandenburg bekannte Gruppe wurde im brandenburgischen Verfassungsschutzbericht 2025 als neu aufkommendes rechtsextremistisches Jugendphänomen eingestuft. Die Sicherheitswarnungen verschärften sich nach einem Vorfall in der Stadt in der Nacht zum Freitag, 28. August. Kurz nach Mitternacht alarmierte ein Zeuge die Polizei, nachdem er beobachtet hatte, wie vier Personen entlang der Cottbuser Straße Plakate anbrachten. Einsatzkräfte entdeckten etwa 80 DIN-A4-Plakate mit fremdenfeindlichen und hassrednerischen Botschaften, die einer rechtsextremistischen Kleinstpartei zugeordnet wurden. Der Staatsschutz leitete ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren ein, obwohl die Behörden nicht bestätigten, ob die Plakataktion direkt gegen den geplanten Marsch gerichtet war.
Rede des Innenministers
Brandenburgs Innenminister Jan Redmann besuchte Königs Wusterhausen, um die Sicherheitsmaßnahmen zu überprüfen, direkt mit den Organisatoren zu sprechen und sich an die Teilnehmer zu wenden. Redmann, ein offen schwuler Politiker der Christlich Demokratischen Union, lobte die Standhaftigkeit der Teilnehmer, die trotz Einschüchterungsversuchen radikaler Gruppen an der Demonstration teilnahmen.
Dass Sie sich alle nicht einschüchtern lassen, dass Sie trotzdem kommen, dass Sie von Ihrem Versammlungsrecht Gebrauch machen, Ihr Gesicht zeigen und sagen: Ja, wir sind hier, wir treten für unsere Rechte ein, das ist ein wirklich großartiges Zeichen.
Redmann merkte an, dass rechtsextreme Gruppierungen in ganz Brandenburg zunehmend Christopher-Street-Day-Veranstaltungen mit Gegenprotesten ins Visier nähmen, an denen oft gewaltbereite Elemente beteiligt seien. Er gab persönliche Zusicherungen, dass die Landespolizei den Schutz der Teilnehmer gewährleisten werde.
Die Polizei in Brandenburg steht für Ihre Sicherheit.
Auswirkungen des Tiergarten-Anschlags
Das regionale Sicherheitsaufgebot erfolgte etwa einen Monat nach einem Anschlag auf die Christopher-Street-Day-Parade in Berlin. Am 25. Juli hatte ein 21-jähriger islamistischer Angreifer sein Fahrzeug in Fußgänger nahe dem Tiergarten gesteuert und mit einer Machete auf Umstehende eingestochen, dabei eine Frau getötet und mindestens 31 weitere Menschen verletzt. Redmann bezog sich direkt auf die Berliner Tragödie, als er vor der Menge in Königs Wusterhausen sprach, und betonte die Entschlossenheit, die nötig sei, um in den Wochen nach dem Anschlag öffentlich zusammenzukommen.
Ich glaube, dass gerade in diesem Jahr vielleicht ein bisschen mehr Mut nötig ist, weil es diesen schrecklichen Anschlag gab, einen islamistischen Anschlag in Berlin.
Im Zuge der Ermittlungen des Staatsschutzes entfernten die Gemeindebehörden in Königs Wusterhausen die illegalen Plakate von der Cottbuser Straße, sodass die Parade und das Fest unter polizeilicher Aufsicht stattfinden konnten.
- Angreifer greift Berliner CSD im Tiergarten an, tötet eine Person und verletzt mindestens 31
- Zeuge meldet vier Personen, die etwa 80 rechtsextreme Plakate entlang der Cottbuser Straße anbringen
- Erster Christopher-Street-Day-Demonstrationszug beginnt am Bahnhof Königs Wusterhausen

