Deutsche Polizei beschlagnahmt 33.000 Neonazi-Tonträger bei Razzien in mehreren Bundesländern und im Ausland
An den Razzien mit über 390 Beamten in neun Bundesländern und vier europäischen Ländern war ein rechtsextremes Netzwerk beteiligt, das im Verdacht steht, Neonazi-Musik verbreitet und Vermögenswerte in Höhe von 2 Millionen Euro gehalten zu haben.
Durchsuchungen in mehreren Bundesländern und beschlagnahmte Bestände
Von der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern koordinierte Einsatzkräfte führten am Mittwoch umfangreiche Durchsuchungen in neun deutschen Bundesländern und vier weiteren europäischen Staaten durch. Am Freitagmorgen veröffentlichten die Polizeibehörde und die Staatsanwaltschaft Rostock offizielle Gesamtzahlen der Operation und bestätigten die Beschlagnahme von rund 33.000 physischen Tonträgern. Bei den beschlagnahmten Gegenständen handelte es sich um CDs, Schallplatten und Kassetten mit nationalsozialistischer, antisemitischer, rassistischer und menschenverachtender Ideologie. Mehr als 20.000 der beschlagnahmten Aufnahmen wurden in Räumlichkeiten gefunden, die mit den vier Hauptverdächtigen in Verbindung stehen. Die Ermittler beschlagnahmten zudem rund 130 digitale Speichermedien, darunter Festplatten, Mobiltelefone und USB-Sticks, sowie Vermögenswerte im Wert von etwa 2 Millionen Euro.
- Vier Verdächtige sollen ein Netzwerk zur Herstellung und Vermarktung von Neonazi-Musik aufgebaut haben
- Über 390 Polizeibeamte führen Durchsuchungen in neun deutschen Bundesländern und vier europäischen Ländern durch
- Die Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern meldet die Beschlagnahme von 33.000 Tonträgern und Vermögenswerten im Wert von 2 Millionen Euro
Kriminelles Netzwerk und inländische Standorte
Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen vier deutsche Verdächtige im Alter von 43, 48, 52 und 55 Jahren, denen die Bildung einer rechtsextremen kriminellen Vereinigung vorgeworfen wird. Die Rostocker Staatsanwaltschaft gibt an, dass die vier Männer spätestens 2020 ein dauerhaftes Bündnis bildeten, um extremistische Tonträger herzustellen und zu verbreiten. Durchsuchungen im Zusammenhang mit den Hauptverdächtigen fanden in Anklam, Bargischow und Klein Bünzow in Vorpommern sowie in Brunsbüttel in Schleswig-Holstein und in Bad Grönenbach und Wolfertschwenden in Bayern statt. Bei den Razzien in Mecklenburg-Vorpommern waren Spezialeinsatzkräfte gemeinsam mit lokalen Einheiten im Einsatz. Gegen acht weitere Verdächtige wird wegen des Verdachts der Volksverhetzung in Baden-Württemberg, Brandenburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Thüringen ermittelt.
Grenzüberschreitende Produktion und Zusammenarbeit mit Eurojust
Die Ermittlungen umfassten eine internationale operative Komponente, die über die Justizbehörde der Europäischen Union, Eurojust, koordiniert wurde. Die Strafverfolgungsbehörden führten Durchsuchungen in Produktionsstätten in Tschechien, Estland, Italien und Polen durch, in denen die Tonträger hergestellt wurden. In Tschechien durchsuchte die Polizei eine Einrichtung in Čelákovice in der Region Mittelböhmen. Die deutschen Behörden stellten klar, dass die ausländischen Unternehmen keine Kenntnis vom politischen Inhalt der Medien hatten, deren Herstellung sie beauftragt worden waren. Bei den Einsätzen wurden keine Festnahmen vorgenommen, da die Ermittler die Durchsuchungsbefehle nutzten, um bestehende Verdachtsmomente zu klären und physische sowie digitale Beweise zu sichern.
Einsatz der Strafverfolgungsbehörden und Reaktion des Staates
An der koordinierten Operation waren mehr als 390 Beamte von Bundesbehörden, mehreren deutschen Landespolizeien und benachbarten europäischen Behörden beteiligt. Jakub Vinčálek, Sprecher des tschechischen Polizeipräsidiums, bestätigte die aktive Zusammenarbeit mit den deutschen Strafverfolgungsbehörden während der Razzien und erklärte, dass die tschechischen Behörden keine weiteren operativen Details bekannt geben würden. Die Behörden wiesen darauf hin, dass viele extremistische Konzerte historisch in Thüringen stattfinden, die primären Produktions- und Lagernetze jedoch in nördlichen und südlichen Bundesländern konzentriert waren. Christian Pegel, Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, äußerte sich zur Bedeutung extremistischer Musikvertriebskanäle.
Sie transportiert Hass, stiftet Gemeinschaft, erreicht insbesondere junge Menschen und kann zu Radikalisierung und Vernetzung führen.


