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Diplomatie·vorgestern

Polen und Großbritannien unterzeichnen wegweisenden Verteidigungsvertrag – Präsident Nawrocki beklagt fehlende Konsultation

Die Premierminister Donald Tusk und Keir Starmer haben am Mittwoch in London einen historischen Vertrag über die Partnerschaft in Sicherheit und Verteidigung unterzeichnet, der die militärischen und technologischen Beziehungen vertieft. Präsident Karol Nawrocki, der sich in der Schweiz aufhält, kritisierte die Regierung scharf, weil sie sein Amt vor der Unterzeichnung nicht informiert habe.

Ein historisches Abkommen in symbolträchtiger Umgebung

Polen und das Vereinigte Königreich haben am Mittwoch, den 27. Mai 2026, einen neuen Vertrag über die Partnerschaft in Sicherheit und Verteidigung unterzeichnet. Das Dokument wurde von Premierminister Donald Tusk und Premierminister Keir Starmer in einem Museum unterzeichnet, das der Luftschlacht um England in Uxbridge im Westen Londons gewidmet ist – einem Ort, der auch an die polnischen Piloten erinnert, die in diesem Konflikt gekämpft haben. Beide Regierungschefs bezeichneten den Vertrag als historische, generationenprägende Aufwertung der bilateralen Beziehungen.

Wir verbindet eine lange gemeinsame Geschichte, wir teilen ähnliche Werte, wir haben gemeinsam gekämpft und stehen heute auch vor ähnlichen Herausforderungen.

Der Vertrag verpflichtet beide Nationen zur gegenseitigen Hilfeleistung, einschließlich des Einsatzes militärischer Mittel, im Falle eines bewaffneten Angriffs auf eine der beiden Parteien, im Einklang mit Artikel 5 des Nordatlantikvertrags. Er benennt Russland explizit als Bedrohung des internationalen Friedens und der Sicherheit und bekräftigt die Unterstützung für die Ukraine.

Umfang der Zusammenarbeit

Das Abkommen deckt eine breite Palette von Sicherheitsbereichen ab. Es umfasst gemeinsame militärische Ausbildung, Nachrichtenaustausch, Cybersicherheitskooperation und die Entwicklung der Verteidigungsindustrien. Die beiden Länder planen die gemeinsame Produktion moderner Flugabwehrraketen der neuen Generation mittlerer Reichweite und die Stärkung von Raketenabwehrsystemen. Der Vertrag befasst sich auch mit der Bekämpfung hybrider Bedrohungen, Desinformation, illegaler Migration und dem Schutz kritischer Infrastrukturen wie See-, Energie- und Gesundheitssystemen.

Erstens: Was wollen wir verteidigen? Wir wollen ein sicheres Vereinigtes Königreich und Nordirland verteidigen. Wir wollen ein sicheres Polen, unsere Territorien, unsere Grenzen verteidigen. Zweitens wollen wir den Cyberspace schützen, denn moderne Technologien bedeuten, dass sich heute niemand mehr sicher fühlt und die Zusammenarbeit in diesem Bereich so entscheidend ist.

Tusk fügte hinzu, dass der politische Kern des Vertrags darin bestehe, die europäische Solidarität, die Solidarität innerhalb der NATO und die euro-amerikanische Solidarität zu stärken.

Präsidentielle Gegenwehr aus der Schweiz

Präsident Karol Nawrocki, der sich auf einem Besuch in der Schweiz befand und sich in Bern mit Mitgliedern des Schweizer Bundesrates traf, wurde auf einer Pressekonferenz gefragt, ob er beabsichtige, den Vertrag zu ratifizieren. Er enthüllte, dass er bis zum Vortag nur aus öffentlichen Quellen von dem Abkommen erfahren hatte.

Was die Unterzeichnung des polnisch-britischen Abkommens betrifft, so habe ich bis gestern als Präsident Polens Informationen zu dieser Angelegenheit ausschließlich aus der öffentlichen Meinung erhalten, aber dank der großen Höflichkeit und Professionalität eines der Vize-Minister haben wir gestern Informationen über die Unterzeichnung des polnisch-britischen Kooperationsdokuments erhalten.

Nawrocki erklärte, er werde das Dokument gründlich prüfen, bevor er eine Entscheidung über die Ratifizierung treffe, und deutete an, dass die Präsidentschaftskanzlei informiert werden sollte, bevor solche Verpflichtungen im Namen der polnischen Nation eingegangen werden.

Regierung kontert

Der Leiter des Büros für Internationale Politik, Marcin Przydacz, bestätigte, dass die Regierung das Präsidialamt nicht zu dem Vertrag konsultiert habe, und fügte hinzu, dass er oft umfassendere Informationen von britischer Seite über die Verhandlungen erhalten habe. Vize-Premierminister und Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz, der auf einer Verteidigungsmesse in Ottawa, Kanada, sprach, reagierte scharf.

Ich wünschte, die Präsidentschaftskanzlei wäre einmal froh, dass Polen sicherer ist. Es macht einen wahnsinnig, ständig nur von den Eigeninteressen der Präsidentschaftskanzlei zu hören. Sie ist nicht der Nabel der Welt.

Kosiniak-Kamysz verwies auch auf einen früheren Vorfall, bei dem der Präsident das SAFE-Programm nicht unterzeichnet hatte, und deutete an, dass er nun bedauere, nicht Teil des Teams zu sein, das die polnischen Streitkräfte modernisiert. Der Vertrag muss in beiden Ländern Ratifizierungsverfahren durchlaufen, bevor er in Kraft treten kann.

Schlüsselmomente der Unterzeichnung des polnisch-britischen Verteidigungsvertrags
  1. Die Premierminister Tusk und Starmer unterzeichnen den Vertrag über die Partnerschaft in Sicherheit und Verteidigung im Battle-of-Britain-Museum in Uxbridge, London.
  2. Präsident Nawrocki erhält von einem Vize-Minister Informationen über den Vertrag, nachdem er zuvor nur aus öffentlichen Quellen davon erfahren hatte.
  3. Präsident Nawrocki, zu Besuch in Bern, kritisiert die mangelnde Konsultation der Präsidentschaftskanzlei vor der Unterzeichnung des Vertrags.
  4. Verteidigungsminister Kosiniak-Kamysz weist in Ottawa die Beschwerden des Präsidialamtes zurück und erklärt, die Sicherheit Polens habe Priorität.
London · Bern · Ottawa

8 Quellen

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