
Polen wählt Pawel Pawlikowskis Cannes-Gewinner Fatherland für die 99. Oscar-Verleihung
Ein neunköpfiges Auswahlkomitee wählte Pawel Pawlikowskis Nachkriegsdrama Fatherland aus, um Polen in der Kategorie Bester internationaler Film bei der 99. Oscar-Verleihung zu vertreten.
Auswahlentscheidung und konkurrierende Titel
Ein neunköpfiges Auswahlkomitee trat am Freitag, dem 18. September 2026, im Polnischen Filminstitut in Warschau zusammen, um den offiziellen Beitrag Polens für die 99. Oscar-Verleihung zu bestimmen. Den Vorsitz des Gremiums führte Produzent Jan Naszewski; ihm gehörten unter anderem die Regisseurin Małgorzata Szumowska, die Direktorin des Polnischen Filminstituts, Kamila Dorbach, und die Rektorin der Filmhochschule Łódź, Milenia Fiedler, an. Das Komitee bewertete sieben förderfähige polnische Produktionen, bevor es Pawel Pawlikowskis Drama Fatherland (Ojczyzna) auswählte. Zu den Konkurrenten gehörten Łukasz Palkowskis Katyn-Drama Pojedynek, Piotr Domalewskis biografischer Film Nasza rewolucja, Emi Buchwalds Nie ma duchów w mieszkaniu na Dobrej, Jan Holoubeks Dziki, dziki wschód, Michał Marczaks Bez końca und Maciej Sobieszczańskis Przez ścianę.
Besetzung und kreative Zusammenarbeit
Fatherland vervollständigt eine informelle europäische Nachkriegstrilogie neben Pawlikowskis früheren Werken Ida und Cold War. Das gemeinsam von Pawlikowski und Henk Handloegten verfasste Schwarzweiß-Drama porträtiert den deutschen Schriftsteller Thomas Mann, gespielt von Hanns Zischler, auf einer Reise durch das geteilte Deutschland im Jahr 1949 mit seiner Tochter Erika, dargestellt von Sandra Hüller. Die Erzählung folgt ihrer Reise von der amerikanischen Zone in Frankfurt zur sowjetischen Zone in Weimar und untersucht dabei auch Manns Verhältnis zu seinem Sohn Klaus, gespielt von August Diehl. In Nebenrollen sind Devid Striesow und Anna Madeley zu sehen. Pawlikowski arbeitete wieder mit seinen engsten Mitarbeitern zusammen, darunter Kameramann Łukasz Żal, Kostümbildnerin Aleksandra Staszko, Editor Piotr Wójcik und die Szenenbildner Katarzyna Sobańska und Marcel Sławiński. Die Dreharbeiten fanden überwiegend in Polen statt; Pianist Marcin Masecki arrangierte die im Film von Joanna Kulig gesungenen zeitgenössischen Lieder.
Festivalerfolge und Koproduzenten
Das Drama feierte im Mai 2026 seine Weltpremiere im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes, wo Pawlikowski den Preis für die beste Regie ex aequo mit den spanischen Regisseuren Javier Calvo und Javier Ambrossi für Black Ball gewann. In Polen verzeichnete Fatherland nach seinem Kinostart über 100.000 Besucher. Der internationale Vertrieb in ausländischen Territorien soll um die Jahreswende 2026/2027 beginnen. Das Projekt wurde über ein europäisches Koproduktionsnetzwerk finanziert, dem Extreme Emotions in Polen, Our Films und Circle One in Italien, Nine Hours in Deutschland, Chapter 2 in Frankreich sowie Apocalypso Pictures angehören, unter Beteiligung von Arte und Pathé. Zu den Hauptproduzenten zählen Ewa Puszczyńska, Mario Gianani, Lorenzo Mieli, Jeanne Tremsal, Edward Berger, Dimitri Rassam und Lorenzo Gangarossa.
Pawlikowskis Oscar-Bilanz
- Ida gewinnt den Oscar für den besten fremdsprachigen Film
- Pawlikowski gewinnt bei den Filmfestspielen von Cannes die Goldene Palme für Cold War
- Cold War erhält drei Oscar-Nominierungen
- Fatherland feiert Premiere in Cannes und gewinnt den Preis für die beste Regie
- Polen wählt Fatherland als seinen Beitrag für die 99. Oscar-Verleihung
Pawlikowski führte zuvor bei dem einzigen polnischen Film Regie, der den Oscar als bester internationaler Film gewann; Ida erhielt die Auszeichnung 2015. Der Film spielte in den USA über 3,5 Millionen Dollar ein. Sein Nachfolgefilm Cold War von 2018 erhielt 2019 drei Nominierungen für die 91. Oscar-Verleihung in den Kategorien beste Regie, beste Kamera und bester internationaler Film. Fatherland ist Pawlikowskis dritter Spielfilm, der für Polen in dieser Kategorie ins Rennen geschickt wird. Die kritische Anerkennung in Cannes bildet zusammen mit den internationalen Koproduzenten Mubi und Mediawan die Grundlage für die bevorstehende Kampagne im Winter der Preissaison.

