
Umfrage: 51,1 % der Polen lehnen Wiedereinführung der Wehrpflicht ab, aber 76,6 % befürworten verpflichtende militärische Ausbildung
Eine IBRiS-Umfrage für die Rzeczpospolita zeigt, dass eine Mehrheit der Polen gegen die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht ist, wobei die Ablehnung quer durch die politischen Lager geht. Gleichzeitig unterstützen über drei Viertel eine verpflichtende Verteidigungsausbildung für Männer und Frauen.
Die Umfragezahlen
Auf die Frage, ob die allgemeine Wehrpflicht angesichts der internationalen Lage wieder eingeführt werden sollte, antworteten 51,1 % der Befragten mit Nein, 37,7 % mit Ja und 11,2 % hatten keine Meinung. Die Umfrage von IBRiS für die Tageszeitung Rzeczpospolita wurde am 10. und 11. Juli 2026 mittels CATI unter 1.067 Personen durchgeführt.
Ablehnung quer durch die Parteien
Die ablehnende Haltung zur Wiedereinführung der Wehrpflicht zog sich durch alle politischen Lager: 56 % der Nichtwähler, 50 % der Oppositionsanhänger und 49 % des Regierungslagers sprachen sich dagegen aus. Die größte Ablehnung kam von Frauen (54 %), Dreißigjährigen (65 %), Bewohnern großer Städte (59 %) und kleiner Städte (58 %), Hochschulabsolventen (60 %), selbsternannten Mitte-Anhängern (59 %) und jenen, die ihre internationalen Nachrichten hauptsächlich aus sozialen Medien beziehen (57 %).
- Ja
- 37.7
- Nein
- 51.1
- Keine Meinung
- 11.2
Deutliche Unterstützung für militärische Ausbildung
Während die Wehrpflicht abgelehnt wird, befürworten 76,6 % der Befragten die Einführung einer verpflichtenden militärischen Ausbildung für Frauen und Männer, nur 17,6 % sind dagegen und 5,8 % unentschlossen. Die Unterstützung ist am stärksten unter Wählern der Regierungskoalition (85 %), Männern (87 %), Vierzigjährigen (84 %), Bewohnern kleiner Städte (86 %), Personen mit Sekundarbildung (83 %) und solchen mit linken Ansichten (83 %).
- Ja
- 76.6
- Nein
- 17.6
- Keine Meinung
- 5.8
Die Sicht des Militärs
General Roman Polko sagte der Fakt, dass eine Kommunikationslücke hinter der Ablehnung stecke. „Erstens gibt es Ressentiments aus einer vergangenen Ära, in der Zeit verschwendet wurde und es keine sinnvolle Ausbildung gab. Zweitens haben die Leute Angst, dass sie, wenn sie eingezogen werden, mit einem Spaten und einem Kalaschnikow direkt an die Front geschickt werden“, sagte er. Polko betonte die Notwendigkeit zu erklären, wie der Dienst funktionieren würde, und die Zusicherung zu geben, dass Wehrpflichtige kein Kanonenfutter wären, sondern entsprechend ihren Fähigkeiten behandelt würden.
Die Armee, wenn sie einen solchen Dienst anbietet, will Menschen für ihre eigene Sicherheit ausbilden.
Eine andere Sichtweise vertritt der pensionierte Generalleutnant Leon Komornicki, ehemaliger stellvertretender Chef des Generalstabs, der die sofortige Wiedereinführung einer achtmonatigen Wehrpflicht für alle Absolventen weiterführender Schulen, sowohl Männer als auch Frauen, im Rahmen der Verteidigungserziehung befürwortet.
Der rechtliche und politische Hintergrund
Die Wehrpflicht in Polen wurde am 1. Januar 2010 ausgesetzt, als das Land zu einer vollständig professionellen Armee überging. Das Gesetz zur Verteidigung des Vaterlandes erlaubt es dem Präsidenten, auf Antrag des Ministerrates die Wehrpflicht schnell wieder einzuführen. Die Regierung hat derzeit keine Pläne, sie wieder einzuführen, arbeitet aber daran, die freiwillige militärische Ausbildung attraktiver zu machen. Die Debatte zu diesem Thema läuft mindestens seit Februar 2022, als Russland die Ukraine angriff.
- Frauen
- 54 %
- 30-Jährige
- 65 %
- Bewohner großer Städte
- 59 %
- Bewohner kleiner Städte
- 58 %
- Hochschulabschluss
- 60 %
- Mitte-Ansichten
- 59 %
- Nachrichten aus sozialen Medien
- 57 %
