
Portugiesischer Polizeichef Carlos Cabreiro sieht sich Strafanzeige wegen Football-Leaks-Abhörmaßnahmen gegenüber
Der portugiesische Generalstaatsanwalt hat eine Strafanzeige gegen den nationalen Direktor der Polícia Judiciária, Carlos Cabreiro, an die Staatsanwaltschaft Lissabon weitergeleitet. Hintergrund sind mutmaßlich illegale Überwachungsmaßnahmen im Jahr 2015.
Vorwürfe der unbefugten Überwachung
Die portugiesische Generalstaatsanwaltschaft (PGR) hat eine Strafanzeige gegen Carlos Cabreiro, den nationalen Direktor der Polícia Judiciária (PJ), erhalten. Die von PJ-Koordinator David Freitas eingereichte Anzeige wirft Cabreiro Amtsmissbrauch und Falschaussagen während des Football-Leaks-Prozesses 2023 vor. Freitas, ein Ermittler mit über 30 Jahren Erfahrung, der der Technologieunterstützungs- und Präventionseinheit der PJ (UPAT) zugeteilt ist, behauptet, Cabreiro habe einen Umgebungsabhörvorgang angeordnet, der von der Staatsanwaltschaft untersagt worden war. Der Anzeige zufolge erklärte Cabreiro vor Gericht, dass während der Ermittlungen gegen den Hacker Rui Pinto keine Feldabhörmaßnahmen durchgeführt worden seien. Die PGR leitete die Anzeige an die Lissaboner Abteilung für Ermittlungen und Strafverfolgung (DIAP) weiter.
- Ermittler der PJ zeichnen ein Treffen in Oeiras zwischen Aníbal Pinto, Nélio Lucas und Pedro Henriques auf
- Gericht in Lissabon verurteilt Rui Pinto im Football-Leaks-Prozess zu einer vierjährigen Bewährungsstrafe
- Carlos Cabreiro tritt sein Amt als nationaler Direktor der Polícia Judiciária an
- Generalstaatsanwaltschaft leitet Strafanzeige gegen Cabreiro an die Staatsanwaltschaft Lissabon weiter
Das Treffen in Oeiras 2015 und gerichtliche Feststellungen
Die Vorwürfe gehen auf ein Treffen im Oktober 2015 an einer Autobahnraststätte in Oeiras zurück. Dort trafen sich der damalige Anwalt von Rui Pinto, Aníbal Pinto, der Eigentümer von Doyen Sports, Nélio Lucas, und der Anwalt Pedro Henriques. Laut der Anzeige genehmigte Cabreiro Audioaufnahmen des Treffens ohne richterliche Ermächtigung. Die bei diesem Einsatz gesammelten Informationen erwiesen sich als entscheidend für die Identifizierung von Rui Pinto als Urheber der Leaks. Im September 2023 verurteilte das Gericht Rui Pinto zu einer vierjährigen Bewährungsstrafe wegen versuchter Erpressung, schwerer Verletzung des Briefgeheimnisses und unbefugten Zugriffs.
- Unrechtmäßiger Zugriff
- 5 Anzahl
- Schwere Verletzung des Briefgeheimnisses
- 3 Anzahl
- Versuchte Erpressung
- 1 Anzahl
Verteidigungsreaktion und rechtliche Schritte
Cabreiro, der im April nach dem Ausscheiden von Luís Neves die Leitung der PJ übernommen hatte, wies alle Vorwürfe über die Kommunikationsabteilung der Behörde zurück. Die PJ erklärte, der Direktor stehe zu allen Aussagen, die er während des Gerichtsverfahrens gemacht habe.
Carlos Cabreiro hält an allen vor Gericht gemachten Aussagen fest und hat keine Erklärung abgegeben, die nicht der Wahrheit entspricht.
Nach dem Auftauchen interner PJ-Unterlagen, darunter ein Einsatzbefehl und ein externer Ermittlungsbericht, reichte Aníbal Pinto eine separate Beschwerde bei der PGR ein. Seine Klage richtet sich gegen Cabreiro sowie die Inspektoren José Amador, Hugo Monteiro, Rogério Bravo und weitere beteiligte Beamte mit der Begründung, die internen Unterlagen stünden im Widerspruch zu den eidestattlichen Aussagen über das Fehlen von Audioaufnahmen.
Politische Rückendeckung aus dem Justizministerium
Das portugiesische Justizministerium äußerte sich kurz nach der Weiterleitung des Falls durch den Generalstaatsanwalt an die Lissaboner Staatsanwaltschaft zu der Anzeige. Ein Sprecher von Justizministerin Rita Alarcão Júdice erklärte, das Ministerium habe keine formellen Anmerkungen zu dem laufenden Verfahren und bekräftige lediglich das fortbestehende institutionelle Vertrauen in die Führung der PJ.
Die Justizministerin hat keine Kommentare abzugeben und bekräftigt lediglich, dass sie dem Nationalen Direktor der Polícia Judiciária weiterhin ihr Vertrauen ausspricht.
Freitas bestätigte, dass die Angelegenheit aktiv untersucht wird. Cabreiro bleibt auf seinem Posten, während die Lissaboner DIAP die Beschwerden zu den Überwachungsmaßnahmen im Rahmen der Cyberkriminalitätsermittlungen prüft.


