Piratenangriffe auf See fallen in neun Monaten auf 51 – Tiefststand seit drei Jahrzehnten
Die Internationale Handelskammer zählte in den ersten neun Monaten des Jahres 2026 insgesamt 51 Angriffe und versuchte Angriffe auf Schiffe – weniger als die Hälfte der Zahl im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Militärische Angriffe auf die Handelsschifffahrt nehmen im Golf, im Roten Meer und im Schwarzen Meer zu.
Ein Tiefststand seit drei Jahrzehnten
Die Internationale Handelskammer (ICC) hat in den ersten neun Monaten des Jahres 2026 weltweit 51 Angriffe und versuchte Angriffe auf Schiffe gezählt. Die Zahl stammt von einem Meldezentrum der Kammer mit Sitz in London. Das ist weniger als die Hälfte des Wertes im gleichen Zeitraum des Vorjahres, und die ICC bezeichnet es als den niedrigsten Stand seit drei Jahrzehnten. Die Kammer veröffentlicht diese Statistiken regelmäßig, und diese Auswertung umfasst nur die ersten neun Monate des Jahres, sodass sie keine Gesamtjahreszahl liefert.
Warum die Zahl sank
Das Meldezentrum führt den Rückgang auf strengere Kontrollen und Ermittlungserfolge der Behörden zurück. Im vergangenen Jahr nahmen die indonesischen Behörden zwei Gruppen fest, die für Angriffe in der Straße von Singapur verantwortlich gemacht wurden. Die Vorfälle in dieser Wasserstraße, die der Bericht als recht gefährlich beschreibt, gingen danach zurück. Oliver Wieck, Generalsekretär von ICC Deutschland, nannte den Rückgang ein „positives Signal“. Er warnte zugleich, dieser dürfe die anhaltende Gefahr für Seeleute und Schiffe nicht verdecken.
Vier Schiffe mit Deutschland-Bezug
Vier der 51 angegriffenen Schiffe hatten nach den Statistiken einen Bezug zu Deutschland. Dieser Bezug könnte bedeuten, dass die Schiffe deutschen Reedern gehören oder von einer deutschen Gesellschaft gemanagt werden. Der Bericht nennt die Schiffe nicht. Die deutsche Handelsflotte umfasst rund 1.700 Schiffe und ist nach Angaben des Verbands Deutscher Reeder die siebtgrößte der Welt.
Militärische Angriffe auf Handelsschiffe nehmen zu
Die Piraterie geht zurück, doch militärische Angriffe auf Handelsschiffe nehmen nach einer wachsenden Zahl von Berichten zu. Der Iran hat seit Beginn des Iran-Kriegs wiederholt zivile Schiffe in der Straße von Hormus angegriffen, und auch das US-Militär greift zivile iranische Schiffe an. Im Roten Meer bedrohen die mit dem Iran verbündeten Huthi die Schifffahrt. Auch im Schwarzen Meer haben Angriffe auf Handelsschiffe zugenommen, wobei in mehreren Fällen Drohnen eingesetzt wurden.
Der deutsche Außenminister Johann Wadephul (CDU) warnte, das Schwarze Meer werde immer mehr zu einem Kriegsschauplatz. Er bezeichnete die Lage als russische Aggression.