
Erstes Freitagsgebetsschild Deutschlands in Penzberg wenige Tage nach Aufstellung mit schwarzer Farbe beschmiert
Ein Schild mit den Zeiten des Freitagsgebets am Ortseingang von Penzberg in Bayern wurde in der Nacht zum 25. Juli vollständig mit schwarzer Farbe besprüht – vier Tage nachdem es neben den bestehenden Gottesdiensthinweisen aufgestellt worden war.
Die Sachbeschädigung
In der Nacht vom 24. auf den 25. Juli 2026 überzogen Unbekannte ein neu aufgestelltes Schild am Ortseingang von Penzberg, einer oberbayerischen Stadt mit 17.000 Einwohnern, vollständig mit schwarzer Sprühfarbe. Das Schild, das die Uhrzeit des Freitagsgebets in der örtlichen Moschee angab, war erst am Dienstag, dem 22. Juli, offiziell aufgestellt worden. Es befand sich direkt unterhalb der bestehenden Hinweisschilder für die Gottesdienstzeiten der katholischen und evangelischen Kirche. Am Samstagmorgen war der Text unleserlich; Imam Benjamin Idriz veröffentlichte ein Foto der übermalten Metalltafel auf Instagram.
Ein Polizeisprecher teilte dem Bayerischen Rundfunk mit, dass es keine Hinweise auf den oder die Täter gebe, der Schaden jedoch dokumentiert worden sei. Die Beamten informierten die Stadtwerke, und das Schild wurde umgehend gereinigt, sodass es wieder vollständig lesbar ist. Es wird wegen Sachbeschädigung gegen Unbekannt ermittelt.
Reaktionen aus der islamischen Gemeinde und vom Imam
Imam Benjamin Idriz, der die Penzberger islamische Gemeinde seit 1995 leitet, gab eine Stellungnahme ab, die einen scharfen Trennstrich zwischen dem physischen Gegenstand und den Werten zog, die er repräsentiert.
Es ist nur ein halber Meter Blech. Und doch scheint dieses Schild einige so sehr zu stören, dass sie nachts mit Farbe dagegen vorgehen. Nicht gegen ein Schild, sondern gegen das, wofür es steht: Offenheit, Religionsfreiheit, gegenseitigen Respekt und friedliches Zusammenleben.
Er fügte hinzu, dass das beschmierte Schild keine Ausübung der Meinungsfreiheit sei.
Das beschmierte Schild ist ein Ausdruck von Intoleranz, Feindseligkeit und muslimfeindlicher Gesinnung. Denn Religionsfreiheit, Respekt und Menschenwürde gelten entweder für alle, oder am Ende für niemanden.
Idriz rief die Mitglieder der islamischen Gemeinde zudem zur Besonnenheit auf und bat darum, sich nicht zu einer Reaktion provozieren zu lassen.
Reaktionen aus Politik und Kommunalverwaltung
Penzbergs Bürgermeister Thomas Kopf erklärte, er habe die Online-Debatten um das Schild verfolgt und die Intensität mancher Kommentare zur Kenntnis genommen. Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk sagte er, der Vandalismus selbst zeige die moralische Richtung an.
Aber wenn ich sehe, dass sich jemand genötigt fühlt, das Schild zu beschmieren, eine Straftat zu begehen, im Schutz der Dunkelheit, dann weiß ich, wer in dieser Diskussion auf der radikalen Seite steht, und das ist nicht die islamische Gemeinde oder der Islam.
Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) reagierte auf den Vorfall. In einer dem Bayerischen Rundfunk übermittelten Stellungnahme bezeichnete er die Tat als inakzeptabel.
Religiöse Vielfalt gehört zu Bayern. Sie ist Ausdruck von Freiheit und Toleranz. Das Beschmieren eines Schildes, das auf die Zeiten des Freitagsgebets hinweist, ist inakzeptabel.
Ein Novum für Deutschland und der rechtliche Hintergrund
In Penzberg leben rund 800 Muslime. Das neue Schild wurde von der Deutschen Welle als das erste offizielle Exemplar seiner Art in Deutschland beschrieben. Die Stadt plant, an weiteren Ortseingängen ähnliche Schilder aufzustellen. Das Recht, solche Wegweiser für Gottesdienste aufzustellen, geht auf eine Verordnung des Bundesinnenministeriums aus dem Jahr 1960 zurück, die ursprünglich nur katholischen und evangelischen Kirchen die Aufstellung erlaubte. Im Jahr 2008 gab das Bundesverkehrsministerium ein Rundschreiben heraus, das die Genehmigung auf alle Religionsgemeinschaften ausweitete. Das Penzberger Schild war das erste, das von diesem erweiterten Anspruch für eine Moschee Gebrauch machte.
- Schild mit den Zeiten des Freitagsgebets wird am Ortseingang von Penzberg unterhalb der bestehenden Kirchenschilder aufgestellt.
- Unbekannte Täter besprühen das Schild vollständig mit schwarzer Farbe und machen es unleserlich.
- Imam Benjamin Idriz veröffentlicht ein Foto des beschädigten Schildes auf Instagram und gibt eine Stellungnahme ab.
- Polizei bestätigt keine Verdächtigen; Stadtwerke reinigen das Schild und stellen die vollständige Lesbarkeit wieder her.
- Bürgermeister Thomas Kopf und Innenminister Joachim Herrmann verurteilen die Tat öffentlich.


