
Papst Leo XIV. betet an Gräbern von Migranten auf Lampedusa und fordert Europa auf, Flüchtlinge „willkommen zu heißen, zu schützen, zu fördern und zu integrieren“
Papst Leo XIV. besuchte am Samstag die italienische Insel Lampedusa, betete an den Gräbern von im Meer gestorbenen Migranten und rief Europa auf, eine langfristige Strategie zur Aufnahme und Integration von Flüchtlingen zu verabschieden.
Eine symbolische Rückkehr nach Lampedusa
Dreizehn Jahre nach dem Besuch von Papst Franziskus reiste Papst Leo XIV. am Samstag auf die italienische Insel Lampedusa, einem Ort, der zum Symbol der Mittelmeer-Migrationskrise geworden ist. Der halbtägige Besuch erfolgte Wochen, nachdem die Europäische Union neue Migrationsmaßnahmen verabschiedet hatte, darunter die Einrichtung von Abschiebehaftzentren außerhalb der EU-Grenzen.
Gebet auf dem Friedhof der Namenlosen
Die erste Station des Papstes war der Friedhof von Cala Pisana, wo 15 Gräber die sterblichen Überreste nicht identifizierter Migranten bergen. Er betete schweigend und legte einen Blumenkranz am Grab eines sechs Monate alten Babys namens Yusuf nieder, das 2020 nach einer Rettung vor der libyschen Küste an Unterkühlung gestorben war.
Diejenigen, die in diesem Meer gestorben sind, sind Opfer sowohl von getroffenen als auch von nicht getroffenen Entscheidungen.
Durch das Tor Europas gehen
Vom Friedhof begab sich Leo XIV. zur Porta d'Europa, einem fünf Meter hohen Keramik-und-Eisen-Denkmal des Künstlers Mimmo Paladino, das als Leuchtfeuer für ankommende Boote dient. In einer eindrucksvollen Geste durchschritt der Papst das Tor allein, kletterte dann die felsige Klippe hinauf, um auf das Meer zu blicken. Ein Windstoß wehte ihm das Käppchen vom Kopf. Ein migrantisches Kind überreichte ihm einen Fußball aus Papier und einen Brief, der an seine eigene Ankunft vor einem Jahrzehnt erinnerte – allein und ohne seine Mutter.
An diesem Ort sprechen mehr als Worte die Gesten.
Ein Aufruf zur europäischen Verantwortung
In einer Rede von einem Bunker mit Blick auf das Mittelmeer richtete der Papst eine direkte Botschaft an Europa. Er sagte, der Kontinent besitze ein einzigartiges Potenzial, das aus seiner Geschichte und Kultur erwachse, und daher eine entsprechende Verantwortung. Er forderte einen organischen Ansatz, der die sofortige Rettung mit einem langfristigen strategischen Plan verbindet, um Migranten willkommen zu heißen, zu schützen, zu fördern und zu integrieren, und gleichzeitig für Entwicklung zu arbeiten, damit niemand zur Auswanderung gezwungen ist.
Europa ist in der Lage, die Krise auf organische Weise zu bewältigen, indem es Erste Hilfe in einen langfristigen strategischen Plan einbettet.
Eine Gemeinschaft der Rettung
Bürgermeister Filippo Mannino hieß den Pontifex als „brüderliche Liebkosung für ein verwundetes Land“ willkommen und bezeichnete Lampedusa als „Vorposten der Menschlichkeit“, der sich weigere, der Gleichgültigkeit zu erliegen. Er überreichte dem Papst einen Leuchtturm, den Franco Tuccio aus Holz geborgener Migrantenboote gefertigt hatte – ein Symbol der universellen Gastfreundschaft. Der Papst traf auch 15 Migranten aus dem Rotkreuz-Hotspot der Insel, schüttelte jedem die Hand und segnete eine Gedenktafel, die den Molo Favarolo nach Papst Franziskus umbenennt.
- Papst trifft auf Lampedusa ein, begrüßt von Bürgermeister Mannino
- Besucht den Friedhof von Cala Pisana, betet am Grab des Babys Yusuf
- Durchschreitet die Porta d'Europa, geht allein auf der Klippe, trifft Migrantenkind
- Segnet Gedenktafel am Molo Favarolo, umbenannt in Molo Francesco
- Trifft 15 Migranten aus dem Rotkreuz-Hotspot
- Hält Rede, in der er EU-Maßnahmen zur Migration fordert


