
Ukraine wählt Kiewer Höhlenkloster als Standort für Nationalpantheon im historischen Streit mit Polen
Die ukrainische Regierung hat das UNESCO-Weltkulturerbe Kiewer Höhlenkloster als Standort für ihr Nationalpantheon bestimmt, eine Gedenkstätte für Nationalhelden, die die Spannungen mit Polen über die mögliche Aufnahme von Stepan Bandera neu entfacht hat.
Regierungsentscheidung
Am 4. Juli verabschiedete die ukrainische Regierung einen Beschluss, der das Nationalpantheon innerhalb des Nationalreservats des Kiewer Höhlenklosters ansiedelt, wie das Ukrainische Institut für Nationale Erinnerung (UIPN) mitteilte. Der Beschluss folgt einem Gesetz, das die Werchowna Rada am 1. Juli verabschiedet hatte und das Präsident Wolodymyr Selenskyj drei Tage zuvor eingebracht hatte. Das UIPN erklärte, das Dokument sehe die Entwicklung des Konzepts und der Struktur des Pantheons, wissenschaftliche und methodische Unterstützung sowie öffentliche und fachliche Diskussionen über seine Schaffung und seinen Betrieb vor.
Das Dokument sieht vor: Entwicklung des Konzepts und der Struktur des Pantheons durch das UIPN, Sicherstellung wissenschaftlicher und methodischer Unterstützung für den Schaffensprozess, Festlegung der Gedenkformen, Durchführung von Experten- und öffentlichen Diskussionen zu Fragen im Zusammenhang mit der Schaffung und dem Betrieb des Pantheons.
Wer geehrt wird
Das Gesetz erlaubt die Ehrung ehemaliger Präsidenten (außer jener, die ihres Amtes enthoben wurden), Oberbefehlshaber der Streitkräfte, Nobelpreisträger und Personen, die einen historisch bedeutenden Beitrag zur Wiederherstellung der Unabhängigkeit der Ukraine geleistet haben. Das UIPN wird gemeinsam mit dem Außenministerium die Kandidaten überprüfen, darunter auch im Ausland bestattete Personen, deren Überreste überführt werden könnten. Parlamentssprecher Ruslan Stefantschuk sagte, das Pantheon werde „die besten Söhne und Töchter der ukrainischen Nation“ beherbergen.
die besten Söhne und Töchter der ukrainischen Nation
Der Abgeordnete Mykyta Poturajew, einer der Initiatoren des Gesetzes, sagte der PAP, dass es keine endgültige Liste gebe, schloss aber nicht aus, Stepan Bandera aufzunehmen.
Historischer Streit mit Polen
Die Entscheidung fällt inmitten eines anhaltenden polnisch-ukrainischen Streits über die historische Erinnerung, insbesondere die Ehrung der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA). Kürzlich benannte Selenskyj eine Militäreinheit nach den „Helden der UPA“, was die Spannungen verschärfte. Polnische Historiker machen die UPA für koordinierte Angriffe auf etwa 150 polnische Dörfer in Wolhynien im Juli 1943 verantwortlich, ein Ereignis, das Polen als Völkermord betrachtet. Die mögliche Aufnahme von Bandera, einem Führer des mit der UPA verbundenen Flügels der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN), hat in Polen scharfe Reaktionen hervorgerufen.
Der Ort und seine jüngste Vergangenheit
Das Kiewer Höhlenkloster ist ein UNESCO-Weltkulturerbe und eines der wichtigsten Zentren der orthodoxen Christenheit. Mitte Juni verursachte ein russischer Angriff auf Kiew einen Brand, der etwa 800 Quadratmeter des Daches der Mariä-Entschlafens-Kathedrale zerstörte. Der französische Außenminister Jean-Noel Barrot verglich die Zerstörung mit einer hypothetischen Bombardierung von Notre-Dame oder der Basilika von Saint-Denis.
Für die Franzosen wäre die Zerstörung des Kiewer Klosters gleichbedeutend mit der Bombardierung der Kathedrale Notre-Dame oder von Saint-Denis.
Die architektonische Gestaltung wird vom Kulturministerium übernommen, die Finanzierung erfolgt aus dem Staatshaushalt und anderen legalen Quellen.
- Russischer Angriff auf Kiew verursacht Brand im Höhlenkloster, beschädigt Dach der Mariä-Entschlafens-Kathedrale.
- Präsident Selenskyj legt dem Parlament einen Gesetzentwurf zum Nationalpantheon vor.
- Werchowna Rada verabschiedet das Gesetz zur Errichtung des Nationalpantheons.
- Regierungsbeschluss bestimmt das Kiewer Höhlenkloster als Standort des Pantheons.


