
Indonesisches Paar nach Kuss auf TikTok-Livestream öffentlich ausgepeitscht
Ein Scharia-Gericht in Aceh verurteilte einen 22-jährigen Mann und eine 25-jährige Frau zu je 21 Hieben, nachdem ihr Livestream im Februar viral gegangen war, was Kritik von Amnesty International hervorrief.
Der Livestream und die Festnahme
Am 27. Februar küssten sich ein 22-jähriger Mann und eine 25-jährige Frau während eines TikTok-Livestreams aus einem Auto in Banda Aceh. Das Video verbreitete sich schnell viral, was zu einer Anzeige bei den örtlichen Scharia-Behörden führte. Das Paar wurde im April festgenommen und angeklagt, gegen islamische Moralgesetze wegen körperlicher Intimität ohne Trauschein verstoßen zu haben.
- Paar küsst sich während TikTok-Livestream; Video wird viral.
- Paar festgenommen und von Scharia-Gericht zu je 25 Hieben verurteilt.
- Strafe auf je 21 Hiebe reduziert; öffentliche Auspeitschung im Park von Banda Aceh durchgeführt.
Muhammad Rizal, Chef der Scharia-Polizei in Banda Aceh, sagte Reportern, dies sei der erste Fall in der religiös konservativen Provinz, bei dem Menschen wegen Verstoßes gegen islamisches Recht über soziale Medien bestraft wurden.
Sie haben eindeutig gegen die islamische Scharia verstoßen. Es war das erste Mal, dass Menschen wegen Verstoßes gegen islamisches Recht über soziale Medien bestraft wurden.
Die Auspeitschung
Am 2. Juli wurde die Strafe auf einer Bühne im Bustanussalatin City Park in Banda Aceh vor mindestens hundert Zuschauern vollstreckt. Personen in Roben und Kapuzen verabreichten jedem der beiden 21 Hiebe mit einem Rattanstock. Die ursprüngliche Strafe von 25 Hieben war herabgesetzt worden, weil sie bereits vier Monate in Haft verbracht hatten.
Vier weitere Personen wurden am selben Tag ausgepeitscht: Ein weiteres Paar erhielt je 27 Hiebe wegen körperlicher Intimität, und zwei Männer erhielten 29 bzw. 8 Hiebe wegen Online-Glücksspiels.
- Mann (Kuss)
- 21 Hiebe
- Frau (Kuss)
- 21 Hiebe
- Zweites Paar (pro Person)
- 27 Hiebe
- Mann (Glücksspiel, 29 Hiebe)
- 29 Hiebe
- Mann (Glücksspiel, 8 Hiebe)
- 8 Hiebe
Bobbi Sandri, Leiter der Staatsanwaltschaft, sagte, die öffentlichen Auspeitschungen sollen andere davon abhalten, gegen die religiösen Vorschriften der Provinz zu verstoßen.
Acehs Scharia-Recht
Aceh an der nordwestlichen Spitze Sumatras ist die einzige Provinz im mehrheitlich muslimischen Indonesien, die eine Version des islamischen Strafrechts anwendet. Die Zentralregierung gewährte der Provinz 2006 im Rahmen eines Friedensabkommens zur Beendigung eines jahrzehntelangen Separatistenkonflikts Sonderautonomie und das Recht, religiöse Gesetze einzuführen. Das Gesetz wurde 2015 auf Nicht-Muslime ausgedehnt.
Nach dem Qanun Jinayat (islamisches Strafgesetzbuch) ist die Auspeitschung eine vorgeschriebene Strafe für Straftaten wie außerehelichen Sex, Alkoholkonsum, Glücksspiel und gleichgeschlechtliche Beziehungen. In den letzten Jahren haben Gerichte Strafen von bis zu 100 Hieben verhängt. Im Januar 2026 erhielt ein Paar mehr als 100 Hiebe pro Person wegen Sex außerhalb der Ehe und Trinkens; die Frau wurde ohnmächtig und mit einem Krankenwagen abtransportiert. Im August 2025 wurden zwei junge Männer zu je 80 Hieben verurteilt, weil sie sich in einer öffentlichen Toilette umarmt und geküsst hatten.
Verurteilung
Amnesty International Indonesien bezeichnete die Auspeitschung als Menschenrechtsverletzung. Sprecher Haeril Halim beschrieb die Strafe als einen erschreckenden Akt der Diskriminierung, der die Reichweite von Acehs islamischem Strafgesetzbuch auf die digitale Sphäre ausdehnt.
Dies zeigt, dass Acehs islamisches Strafgesetzbuch seine Reichweite ausgedehnt hat, um friedliche Äußerungen in der digitalen Sphäre zu treffen, mit der Auspeitschung dieses jungen Paares.
Exekutivdirektor Usman Hamid argumentierte, dass das Verhalten, wenn auch vielleicht unangemessen auf einer Plattform, die von allen Altersgruppen gesehen wird, keine Inhaftierung oder Auspeitschung rechtfertige. Amnesty fordert Indonesien seit langem auf, die Auspeitschung abzuschaffen, da sie gegen das internationale Folterverbot nach dem ICCPR verstoße, den Indonesien ratifiziert hat.


