
Schweizer Rettungsteam kehrt aus Venezuela zurück – Erdbeben-Todeszahl steigt auf 2.595
Das 80-köpfige Schweizer Rettungsteam ist am Donnerstag in Zürich gelandet, nachdem es eine Woche lang in den Trümmern von La Guaira nach Überlebenden des Doppelerdbebens vom 24. Juni gesucht hatte, bei dem mindestens 2.595 Menschen ums Leben kamen.
Die Katastrophe
Zwei schwere Erdbeben erschütterten Venezuela am 24. Juni, verwüsteten Küstengebiete und hinterließen eine Spur der Zerstörung. Die Zahl der Todesopfer ist nach Angaben der amtierenden Präsidentin Delcy Rodríguez auf 2.595 gestiegen, obwohl frühere Berichte von über 1.450 Toten sprachen. Die Vereinten Nationen schätzen, dass 50.000 Menschen weiterhin vermisst werden, während die Zahl der Verletzten je nach Quelle zwischen 3.150 und über 11.000 liegt. Mindestens 2.500 Bauwerke wurden beschädigt, darunter 38 Krankenhäuser und mehr als 700 Gebäude; die Küstenstadt La Guaira zählt zu den am stärksten betroffenen Gebieten.
Schweizer Rettungsmission kehrt zurück
Die Schweizer Rettungskette, eines der ersten nicht-lateinamerikanischen Teams vor Ort, entsandte am 26. Juni 80 Spezialisten und acht Suchhunde nach La Guaira. Rund um die Uhr unter heißen und feuchten Bedingungen im Einsatz, konnte das Team keine Überlebenden finden. Sie bargen nur Leichen aus eingestürzten Gebäuden mit bis zu zwölf Stockwerken.
Wir haben Tag und Nacht gearbeitet. Leider konnten wir den Angehörigen keine positiven Nachrichten überbringen.
Es war schrecklich, was wir dort sahen, das Elend. Aber wir sind dankbar, dass wir hingehen und Hoffnung geben konnten, und dass wir sicher zurückgekehrt sind.
Das Team landete am Donnerstagnachmittag unter Applaus von Feuerwehrleuten und einem Wassersalut am Flughafen Zürich. Brigadier Niels Blatter lobte ihre Professionalität und Einsatzbereitschaft unter extrem schwierigen Bedingungen.
Humanitäre Hilfe und Spendenaufruf
Die Schweiz verlagert ihren Fokus nun auf die humanitäre Hilfe. Ein fünfköpfiges Team der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) reiste am Donnerstagabend ab, um die lokalen Behörden bei der Trinkwasser- und Sanitärversorgung zu unterstützen. Die DEZA hat dafür 2,5 Millionen Franken bereitgestellt. Unterdessen sammelte das Schweizer Hilfswerk Glückskette während eines nationalen Aktionstages, der von Bundespräsident Guy Parmelin eröffnet wurde, 10.032.254 Franken. Der Kanton Bern gab 250.000 Franken und die Stadt Genf 50.000 Franken für die Opfer frei.
- Glückskette
- 10032254 CHF
- DEZA humanitäre Hilfe
- 2500000 CHF
- Kanton Bern
- 250000 CHF
- Stadt Genf
- 50000 CHF
Diaspora-Mobilisierung und Herausforderungen
Auch die venezolanische Gemeinschaft in der Schweiz organisiert Hilfe, steht aber vor einem tiefen Misstrauen gegenüber offiziellen Kanälen. Barbara Soto, Präsidentin der Allianz der Venezolaner in der Schweiz, betonte die Notwendigkeit, die Regierung zu umgehen und mit vertrauenswürdigen lokalen Partnern zusammenzuarbeiten.
Einige Institutionen überweisen Gelder direkt an das Regime, was bei Venezolanern großes Misstrauen hervorruft. Die Herausforderung besteht darin, die Hilfe so zu kanalisieren, dass sie direkt bei den Menschen ankommt und nicht in den Taschen des Regimes landet.
Venezuela befand sich bereits vor den Erdbeben in einer schweren humanitären Krise; laut UNO waren fast acht Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen. Das Land erlebte im Januar einen Regierungswechsel, als Nicolás Maduro sein Amt niederlegte.
- Zwei schwere Erdbeben erschüttern Venezuela und verwüsten Küstengebiete, darunter La Guaira.
- Die Schweizer Rettungskette trifft als eines der ersten nicht-lateinamerikanischen Teams in Venezuela ein.
- Schweizer Rettungsteam kehrt ohne Überlebende nach Zürich zurück; nationaler Solidaritätstag bringt über 10 Millionen Franken; DEZA-Hilfsteam reist ab.
- Todeszahl auf 2.595 aktualisiert; UNO meldet 50.000 Vermisste.

