
Entdeckung des 5.300 Jahre alten Eismannes Ötzi feiert 35. Jahrestag des Alpenfundes
Am 19. September 1991 wurde der 5.300 Jahre alte Gefrierkörper auf 3.200 Metern in den Ötztaler Alpen entdeckt und gab Forschern detaillierte Einblicke in das neolithische Leben und einen prähistorischen tödlichen Konflikt.
Entdeckung am Tisenjoch
Am 19. September 1991 stiegen die deutschen Wanderer Helmut und Erika Simon aus Nürnberg im Grenzgebiet zwischen Österreich und Italien ab, als sie den markierten Weg verließen. In einer Mulde am Tisenjoch in den Ötztaler Alpen, auf etwa 3.200 Metern Höhe, fanden sie einen menschlichen Oberkörper, der aus dem Gletschereis ragte. Rettungskräfte und örtliche Behörden vermuteten zunächst, dass die Leiche einem modernen Eremiten oder einem vermissten Soldaten aus Kriegszeiten gehörte. Die Überreste wurden mit Werkzeugen, unter anderem einem Eispickel, aus dem Eis befreit. Erste Schätzungen vor Ort gingen davon aus, dass der Körper Jahrzehnte oder einige Jahrhunderte begraben lag, aber spätere Untersuchungen korrigierten diese Zeitspanne schnell.
Der Mann wurde stündlich älter.
Erste Untersuchungen und Lagerung in Innsbruck
Laboranalysen der Leiche und ihrer Ausrüstung, darunter eine Kupferaxt, ein unfertiger Bogen und ein Dolch, ergaben, dass der Körper etwa 5.300 Jahre alt war, aus der Jungsteinzeit. Die öffentliche Ankündigung sorgte sofort für weltweite Medienaufmerksamkeit, die die Entdecker in ihrem Haus in Deutschland überwältigte.
Es war so schlimm, dass wir nicht mehr ans Telefon gingen.
Das extreme Alter der Überreste beendete auch die offiziellen rechtlichen Verfahren rund um den Fund. Richter Günther Böhler verzichtete darauf, eine konventionelle Obduktion anzuordnen oder ein formelles Strafverfahren einzuleiten.
Es war klar, dass es keinen Täter gab, der noch ermittelt werden konnte.
Fast sieben Jahre lang wurde der 13,3 Kilogramm schwere Körper am Institut für Anatomie in Innsbruck unter Bedingungen aufbewahrt, die den Gletscher nachahmten – bei minus 6 Grad Celsius und sehr hoher Luftfeuchtigkeit – und einmal im Monat kurz untersucht.
Grenzfestlegung und Ausstellung in Bozen
Innsbruck diente als temporäre Forschungsbasis, bis offizielle Landvermessungen die genaue Zuständigkeit für den Fund klärten. Vermesser stellten fest, dass die Fundstelle etwa 92 Meter südlich der österreichischen Grenze auf italienischem Gebiet lag, in der Provinz Südtirol. Im Januar 1998 überführten die Behörden die Mumie unter strengen Sicherheitsvorkehrungen von Innsbruck nach Bozen. Der Körper wurde in einer eigens dafür gebauten Kühlkammer im Südtiroler Archäologiemuseum untergebracht. Öffentliche Ausstellungen begannen im März 1998 und ermöglichten Besuchern, die Gletscherleiche hinter Schutzglas bei gedämpftem Licht zu betrachten.
- Helmut und Erika Simon entdecken die 5.300 Jahre alte Mumie in den Ötztaler Alpen
- Die Mumie wird nach Grenzvermessungen, die den Fundort 92 Meter innerhalb Italiens verorten, von Innsbruck nach Bozen überführt
- Das Südtiroler Archäologiemuseum eröffnet eine öffentliche Besichtigung in einer eigenen Kühlkammer
Forensische Erkenntnisse und natürliche Konservierung
Nachfolgende medizinische und kriminalistische Untersuchungen lieferten Details über die letzten Tage des Mannes. Der Rechtsmediziner Oliver Peschel und der Profiler Alexander Horn analysierten eine tiefe Wunde zwischen Ötzis Daumen und Zeigefinger und identifizierten sie als Abwehrverletzung, die etwa zwei Tage vor seinem Tod zugefügt worden war. Der Jäger schien diese Auseinandersetzung ohne bleibende Beunruhigung überlebt zu haben, da sein Bogen ungespannt blieb und nur zwei seiner Pfeile mit Spitzen versehen waren, als er tödlich von einem Pfeil in die Schulter getroffen wurde und verblutete. Der Glaziologe Georg Kaser erklärte, dass der Körper auf eine tiefe Schneeschicht fiel und sich auf einem großen Felsbrocken am Rand des Gletschers niederließ, wodurch zerstörerische Eisströme vermieden wurden. Das Gewebe wurde nach 1.500 Jahren abwechselnder Einwirkung von Eis, Wasser und Sonne wachsartig, gefolgt von 3.800 Jahren, die es in einer versiegelten Eiskapsel eingeschlossen war. Forscher identifizierten später Steinbock-DNA und Hopfenbuchenpollen in seinem Magen und rekonstruierten einen Bauern mit Rheumatismus und Gallensteinen, der Bärenfellschuhe trug und Zunderschwamm zum Feuermachen mit sich führte.
- Abwechselnde Eis-, Wasser- und Sonneneinwirkung
- 1500 Jahre
- Eingeschlossen in einer Eiskapsel
- 3800 Jahre


