Ökonomin Veronika Grimm lehnt staatlichen Tankrabatt von 17 Cent pro Liter ab
Veronika Grimm kritisierte den Plan der Bundesregierung, die Steuern auf Kraftstoffe ab Oktober um 14 Cent pro Liter zu senken, und nannte die Subvention zynisch und schädlich für strukturelle Wirtschaftsreformen.
Ökonomin kritisiert kurzfristige Entlastung
Veronika Grimm, Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, hat die Entscheidung der Bundesregierung scharf kritisiert, bundesweit einen Tankrabatt wieder einzuführen. Gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger bezeichnete Grimm die Subventionierung von Verbrennungsmotoren auf Kosten jüngerer Generationen als zynisch. Sie argumentierte, dass kurzfristige Wahlkampftaktik die Politik davon abhalte, sich grundlegenden wirtschaftlichen Herausforderungen zu stellen.
Weil die Politik auf kurze Sicht setzt, fehlt ihr die Kraft für die wirklich wichtigen Strukturreformen. Das dürfte für die Bürgerinnen und Bürger mehr Wohlstandsverlust bedeuten als vorübergehend höhere Spritpreise.
Grimm merkte an, dass der Versuch, Autofahrer durch befristete Subventionen zu besänftigen, das Vertrauen der Öffentlichkeit in die politische Führung untergrabe. Laut Grimm entfremde der Schritt sowohl Bürger, die sich um die Auswirkungen auf das Klima sorgten, als auch Unternehmer, die die Politik als Ausweichmanöver vor notwendigen strukturellen Anpassungen betrachteten. Sie fügte hinzu, dass Politiker immer noch nicht begriffen, was auf dem Spiel stehe, während die Bevölkerung die langfristigen Kosten wahrnehme.
Die opportunistische Politik versucht, die Wähler nicht zu verprellen, aber am Ende führt sie nur dazu, dass sich viele Wähler frustriert von den etablierten Parteien abwenden, weil diese ihre Arbeit schlicht nicht machen.
Mechanismus der Steuersenkung und Preisdeckelung
Die Bundesregierung hatte das Entlastungspaket am Freitagabend angekündigt, als steigende Rohölpreise, ausgelöst durch den Konflikt im Nahen Osten, die Verbraucherkosten in ganz Deutschland erhöhten. Ab Oktober wird der Bund die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14 Cent pro Liter senken. Inklusive der entsprechenden Senkung der Mehrwertsteuer erreicht die effektive Entlastung für Autofahrer an den Zapfsäulen rund 17 Cent pro Liter. Die Steuersenkung soll bis Ende des Jahres in Kraft bleiben und wiederholt die Entlastungsmaßnahmen vom Mai und Juni.
- Senkung der Energiesteuer
- 14 Cent/Liter
- Gesamter Rabatt inklusive Mehrwertsteuer
- 17 Cent/Liter
Neben der sofortigen Steuererleichterung kündigte die Regierung eine gesetzliche Spritpreisbremse an, die sie spätestens bis zum 1. Januar einführen will. Beamte planen Gespräche mit der Mineralölwirtschaft, um zu verhindern, dass die Preisbremse die nationale Versorgungssicherheit bei globalen Kraftstoffknappheiten gefährdet. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche von der Christlich Demokratischen Union (CDU) äußerte erneut ihre Skepsis gegenüber der Preisbremse und warnte davor, dass Preiskontrollen Versorgungsengpässe verschärfen könnten.
- Die erste Senkung der Energiesteuer wird für Mai und Juni umgesetzt
- Die Bundesregierung kündigt die Rückkehr des Tankrabatts und eine geplante Preisbremse an
- Die Senkung der Energiesteuer um 14 Cent pro Liter tritt für Benzin und Diesel in Kraft
- Die befristete Senkung der Energiesteuer soll auslaufen
- Zieltermin für die Einführung der gesetzlichen Spritpreisbremse
Kritik von Grünen und Bürgerinitiativen
Die Entscheidung stieß auf scharfe Kritik von Oppositionsparteien im Bundestag, Umweltverbänden, Verbraucherschützern und Sozialverbänden. Kritiker argumentierten, dass der Rabatt eine unkoordinierte Antwort darstelle, die weder die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen angehe noch dauerhafte Energieeinsparungen für Haushalte ermögliche. Andreas Audretsch, stellvertretender Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, kritisierte die Politik in einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.
Der Tankrabatt ist zurück. Welch ein Irrsinn! Das Geld muss in die Geldbeutel der Menschen, nicht in die Taschen der Ölkonzerne.
Audretsch bezeichnete die Maßnahme als Zugeständnis an die Ölkonzerne und wies auf das Fehlen einer Übergewinnsteuer hin, um übermäßige Raffineriegewinne abzuschöpfen. Verbraucherschützer und Umweltverbände warnten, dass die Intervention nur vorübergehende finanzielle Entlastung biete, während die Autofahrer den volatilen Märkten für fossile Brennstoffe ausgesetzt blieben, sobald die Steuersenkungen ausliefen.


