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Makroökonomie·vor 2 Std.

OECD warnt: Weltwirtschaftswachstum könnte auf 2,1 % fallen, wenn die Golf-Energiekrise bis 2027 andauert

Die OECD hat ihre globale Wachstumsprognose für 2026 auf 2,8 % gesenkt und gewarnt, dass eine anhaltende Störung der Energieflüsse durch die Straße von Hormus das Wachstum auf ein Niveau drücken könnte, das außerhalb schwerer Rezessionen selten erreicht wird.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat ihre Aussichten für die Weltwirtschaft deutlich nach unten korrigiert und davor gewarnt, dass ein länger anhaltender Konflikt im Nahen Osten mehrere Volkswirtschaften in die Rezession treiben könnte. Bei der Vorstellung ihres jüngsten Wirtschaftsausblicks in Paris skizzierte die Organisation zwei Szenarien: ein Basisszenario, das eine schnelle Lösung der Krise annimmt, und ein ‚düsteres Szenario‘, bei dem die Störungen der Energielieferungen bis in die zweite Jahreshälfte 2027 andauern.

Basisszenario: Wachstumsverlangsamung und steigende Inflation

Im zentralen Prognoseszenario wird das globale BIP-Wachstum von 3,4 % im Jahr 2025 auf 2,8 % im Jahr 2026 sinken, bevor es sich 2027 auf 3,1 % erholt. Die US-Wirtschaft wird voraussichtlich um 2,0 % wachsen, nach 2,1 % im Jahr 2025, während für die Eurozone ein Wachstum von nur 0,8 % prognostiziert wird. Für Deutschland, die größte Volkswirtschaft Europas, wird für 2026 ein Wachstum von 0,7 % erwartet, eine Abwärtskorrektur gegenüber der Prognose von 0,8 % im März und 1,0 % im Dezember. Für 2027 wurde die deutsche Wachstumsprognose von 1,5 % auf 1,1 % gesenkt.

Die Unsicherheit hat wieder zugenommen. Steigende Energiepreise aufgrund des Krieges im Iran belasten den privaten Konsum und die Investitionen in Deutschland.

Die Inflation steigt bereits. Die Verbraucherpreise in der Eurozone stiegen im Mai im Jahresvergleich um 3,2 %, nach 3,0 % im April, wie Eurostat mitteilte. Die OECD erwartet im Basisszenario eine G20-Inflation von 4,0 %, die bis 2027 auf 3,1 % sinken soll. Für die USA wird in diesem Jahr eine Inflation von 3,7 % prognostiziert, weit über dem 2%-Ziel der Federal Reserve, während für Großbritannien eine ähnliche Rate erwartet wird. Die Schweiz sticht mit einer erwarteten Inflation von nur 0,7 % hervor.

Das ‚düstere Szenario‘: Lang anhaltende Störungen

Sollte die Straße von Hormus weiterhin effektiv blockiert sein und die Energieflüsse bis in die zweite Jahreshälfte 2027 gestört bleiben, warnt die OECD, dass das globale Wachstum 2026 auf 2,1 % und 2027 auf 1,8 % fallen könnte. Solche Raten seien, so die Organisation, „extrem niedrig, abgesehen von großen globalen Rezessionen wie der Finanzkrise oder der Pandemie“. In diesem Szenario könnte die Inflation in der G20 auf über 5 % steigen, angetrieben durch Ölpreise, die über einen längeren Zeitraum von rund 100 Dollar pro Barrel auf 115 Dollar pro Barrel steigen.

Je länger die Störungen andauern, desto größer werden die wirtschaftlichen und sozialen Kosten sein.

Die OECD warnte davor, dass einige Volkswirtschaften „in oder nahe an eine Rezession“ gedrängt werden könnten, mit steigender Arbeitslosigkeit, sinkenden Investitionen und zunehmenden Risiken an den Finanzmärkten. Die Zentralbanken, einschließlich der US-Notenbank, müssten darauf reagieren, indem sie die Zinssätze um mindestens einen halben Prozentpunkt anheben, um die Inflationsrisiken einzudämmen.

Auswirkungen auf einzelne Länder

Die Wachstumsprognose für Japan wurde für 2026 auf 0,6 % gesenkt, 0,3 Prozentpunkte weniger als im vorherigen Bericht, wobei die OECD auf Gegenwind durch steigende Energieimportkosten verweist. Für 2027 wurde die japanische Prognose auf 0,8 % gekürzt. Die Prognose für China wurde für 2026 auf 4,5 % angehoben, die für Indien auf 6,3 %. Die irische Wirtschaft wird voraussichtlich 2026 um 1 % schrumpfen, bedingt durch das Auslaufen von Exportvorzieheffekten, geopolitische Unsicherheit und höhere Energiepreise, bevor sie 2027 um 2,9 % wächst.

Geopolitischer Kontext und politische Warnungen

Der OECD-Bericht wurde vor dem Hintergrund erneuter Feindseligkeiten veröffentlicht. Der Iran griff einen US-Militärstützpunkt in Kuwait an, als Reaktion auf amerikanische Angriffe auf militärische Ziele im Süden des Iran, was die Hoffnungen auf eine Einigung zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus dämpfte. Die USA kündigten zudem neue Zölle gegen 60 Länder an.

Die OECD betonte die Notwendigkeit, die Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen zu verringern und die Widerstandsfähigkeit der Lieferketten zu stärken. Sie warnte auch vor pauschalen Entlastungsmaßnahmen wie Steuersenkungen und Preisobergrenzen, da diese die Anreize zur Energieeinsparung schwächten.

Wir müssen dringender denn je investieren, um uns von der Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen zu befreien.

OECD report
OECD BIP-Wachstumsprognosen 2026 nach Ländern (Basisszenario) · %
Indien
6.3 %
China
4.5 %
USA
2 %
Schweiz
1.1 %
Euroraum
0.8 %
Deutschland
0.7 %
Japan
0.6 %
Irland
-1 %
Paris

8 Quellen

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