
Obama Presidential Center eröffnet in Chicago mit prominenter Zeremonie und versteckten Seitenhieben auf die Politik der Trump-Ära
Barack und Michelle Obama eröffneten das 850 Millionen Dollar teure Präsidentenzentrum an der South Side Chicagos mit Reden, die Hoffnung und Gemeinschaft priesen und dabei implizit das von Donald Trump geprägte politische Klima kritisierten.
Ein gemeinschaftsorientierter Campus
Der ehemalige Präsident Barack Obama und die ehemalige First Lady Michelle Obama eröffneten am Donnerstag offiziell das Obama Presidential Center im Jackson Park-Viertel von Chicago. Der 7,8 Hektar große Campus, der 850 Millionen Dollar kostete und vollständig durch private Spenden finanziert wurde, bricht mit dem traditionellen Modell einer Präsidentenbibliothek: Obamas Archive werden digital gespeichert, der Ort fungiert stattdessen als Museum, Bürgertreffpunkt und Gemeinschaftszentrum. Er umfasst einen 69 Meter hohen Turm, eine öffentliche Bibliothek, Gärten, einen Spielplatz, einen Basketballplatz in NBA-Größe, ein Tonstudio und eine Nachbildung des Oval Office, wie es während seiner Amtszeit aussah.
Für mich könnte dieses Zentrum nirgendwo anders sein. Es ist ein Ausdruck des Dankes, eine Anerkennung dafür, dass ich so viel von dem, was mir am liebsten ist, den Menschen dieser Stadt und den Menschen in diesen umliegenden Nachbarschaften verdanke.
Das Zentrum wurde von den Architekten Tod Williams und Billie Tsien entworfen. Zu den großen Spendern, die vor Ort aufgeführt sind, gehören Jeff Bezos, Connie Ballmer, Reid Hoffman, Sean und Alexandra Parker, Marc und Lynn Benioff, Mellody Hobson und die Lucas Family Foundation, vertreten durch George Lucas.
Reden auf einem schmalen politischen Grat
Während der gesamten Zeremonie erwähnten die Obamas Donald Trump nie namentlich, doch ihre Äußerungen zogen wiederholt Kontraste zur politischen Atmosphäre seiner Amtszeit. Barack Obama warnte vor Zynismus und Spaltung und verknüpfte diese mit der Verbreitung von Fehlinformationen und den isolierenden Wirkungen von KI-gesteuerten Algorithmen.
Jetzt aufzugeben, jetzt nachzugeben, nach allem, was dieses Land durchgemacht hat, dem Zynismus und der Spaltung zu erliegen, wäre ein Verrat an unseren Gründungsideen, ein Verrat an unserem Glauben.
Er verwies auch auf normale Bürger in Minneapolis, die sich Anfang dieses Jahres Einwanderungsrazzien entgegenstellten, als Beispiel für die Solidarität, die seiner Meinung nach die meisten Amerikaner wünschen.
Michelle Obama hielt eine emotionale Hommage an ihren Ehemann und betonte seine Widerstandsfähigkeit angesichts jahrelanger oft rassistisch geprägter Angriffe.
Kein einziges Mal bist du in der Hitze geschmolzen. … Du warst in jeder Wendung unerschütterlich. Stets konzentriert. Stets ruhig. Du hast die Arbeit für das Volk getan.
Sie richtete auch eine eindringliche Warnung zu Fragen der Zugehörigkeit aus.
Niemand hat das Recht, darüber zu urteilen, wer amerikanisch genug ist.
Prominenter Besuch und Musikdarbietungen
Die Eröffnungszeremonie lockte die ehemaligen Präsidenten George W. Bush, Bill Clinton und Joe Biden an, die alle zusammen saßen, sowie eine breite Palette demokratischer Amtsträger: Nancy Pelosi, Kamala Harris, Gavin Newsom, Rahm Emanuel und andere. Zu den prominenten Gästen gehörten Oprah Winfrey, Steven Spielberg, Tom Hanks, Tyler Perry, Dave Chappelle, Conan O'Brien, Quinta Brunson, David Letterman und Stephen Colbert, von denen einige in Anspielung auf Obamas Pressekonferenz von 2014 braune Anzüge trugen.
Das dreistündige Programm war gefüllt mit musikalischen Darbietungen. The Roots eröffneten, gefolgt von Jennifer Hudsons Interpretation der Nationalhymne. Spätere Auftritte umfassten John Legend, Common, Christina Aguilera, Eddie Vedder, U2s Bono und The Edge. Bruce Springsteen schloss den musikalischen Teil mit 'Land of Hope and Dreams' ab und widmete es der Familie Obama.
Präsident Obama und Michelle, Sie haben dieses Ideal mit Leben verkörpert, die uns allen mit Herz und Hingabe und Liebe und Mitgefühl gedient haben.
Trumps Abwesenheit und der unausgesprochene Kontrast
Der amtierende Präsident Donald Trump wurde nicht eingeladen. Seine Abwesenheit wurde von den Anwesenden mehrfach erwähnt und in den Reden, die das Zentrum als 'Zuflucht' vor einer Ära darstellten, in der, wie Michelle Obama es formulierte, 'Tatsache und Fiktion ineinanderfließen'. Trump hatte das Projekt zuvor in den sozialen Medien verspottet, und die Prominentenbesetzung der Veranstaltung setzte sich implizit von den Kulturschaffenden ab, die sich mit seiner Regierung verbündet haben. Die Organisatoren betonten die Rolle des Zentrums als 'lebendiges Gemeinschaftsfest', ein Ausdruck, den Obama verwendete, um zu erklären, warum der Ort kein 'lebloses Mausoleum' ist, sondern ein Raum, in dem die Besucher aufgefordert werden, ihre Telefone wegzulegen, ein Picknick zu machen oder an einer Kleiderspendenaktion teilzunehmen.

