
Dresdner Gericht verurteilt NSU-Helferin Susann E. zu zwei Jahren auf Bewährung
Das Dresdner Landgericht verurteilte Susann E., eine enge Freundin der NSU-Terroristin Beate Zschäpe, zu zwei Jahren auf Bewährung, weil sie ihre Identität zur Verfügung stellte und bei der Anmietung des Wohnmobils half, das für den letzten Überfall der Gruppe genutzt wurde.
Das Urteil
Das Oberlandesgericht Dresden verurteilte die 45-jährige Susann E. am Freitag wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung in drei Fällen und Beihilfe zu einer schweren räuberischen Erpressung mit Waffen in einem Fall. Sie erhielt eine zweijährige Haftstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde, mit einer Bewährungszeit von drei Jahren. Als einzige Auflage muss sie dem Gericht während dieser drei Jahre jeden Wohnsitzwechsel mitteilen.
Die Strafe blieb weit unter der von der Bundesanwaltschaft geforderten vierjährigen Haftstrafe. Die Verteidigung hatte auf vollständigen Freispruch plädiert und argumentiert, es gebe keinen Beweis, dass Susann E. von den Morden des NSU gewusst habe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Es ist bemerkenswert, einem Kind während des laufenden Münchner Prozesses den Vornamen Uwe zu geben.
Richter Herberger wies auch auf eine Zeichnung von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hin, die mit „Unvergessen“ signiert war und bei der polizeilichen Durchsuchung von Susann E.s Wohnung über dem Fernseher neben Fotos ihrer eigenen Kinder hing.
Die geleistete Unterstützung
Susann E. war die engste Freundin von Beate Zschäpe, dem einzigen überlebenden Mitglied des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Während Zschäpe in Zwickau, Sachsen, im Untergrund lebte, lieh Susann E. ihr wiederholt ihre Identität. Sie gab Zschäpe ihre Krankenversicherungskarte, die Zschäpe 2008 und 2009 für Zahnarztbesuche nutzte. Sie stellte auch ihre Bahncard zur Verfügung, mit der Zschäpe vergünstigte Bahntickets kaufen und sie als provisorischen Ausweis verwenden konnte, sowie ihren Personalausweis, den Zschäpe nutzte, um polizeilichen Nachfragen zu einem Wasserrohrbruch im Wohnhaus des Trios zu entgehen.
Entscheidend war, dass Susann E. half, das Wohnmobil anzumieten, das der NSU bei seinem letzten Banküberfall im Jahr 2011 nutzte. Dasselbe Fahrzeug wurde am 4. November 2011 in Eisenach ausgebrannt aufgefunden, mit den Leichen von Böhnhardt und Mundlos, die sich das Leben genommen hatten, um einer Festnahme zu entgehen. Das Gericht stellte fest, dass der NSU bis 2011 fortbestand und Susann E. davon ausgegangen sein musste, dass das Trio terroristische Straftaten beging.
Das Jahrzehnt des Terrors des NSU
Der NSU, gegründet von Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, verübte ab 2000 zehn Morde in ganz Deutschland. Die Opfer waren neun Kleingewerbetreibende türkischer und griechischer Herkunft sowie eine deutsche Polizistin, Michèle Kiesewetter. Die Gruppe zündete zudem zwei Bomben in Köln, bei denen Dutzende verletzt wurden, und finanzierte ihr Leben im Untergrund durch 15 Banküberfälle.
Eine Schande.
Der Skandal erzwang eine tiefgreifende Reform der deutschen Nachrichtendienste, die Einrichtung eines zentralen Registers für Extremisten und Entschädigungszahlungen an die Familien der Opfer. Böhnhardt und Mundlos starben im November 2011 durch Suizid. Zschäpe wurde 2018 nach einem mehr als fünfjährigen Prozess vom Oberlandesgericht München zu lebenslanger Haft verurteilt.
- NSU-Trio begeht 10 Morde, zwei Bombenanschläge und mehrere Banküberfälle in ganz Deutschland.
- Beate Zschäpe nutzt Susann E.s Krankenversicherungskarte für Zahnbehandlungen, während sie im Untergrund lebt.
- Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos begehen in Eisenach Suizid; ihr ausgebranntes Wohnmobil wird gefunden.
- Bundesanwaltschaft erhebt formelle Anklage gegen Beate Zschäpe, das einzige überlebende NSU-Mitglied.
- Oberlandesgericht München verurteilt Zschäpe zu lebenslanger Haft.
- Oberlandesgericht Dresden verurteilt Susann E. wegen Unterstützung des NSU und verhängt eine zweijährige Bewährungsstrafe.
Reaktionen und Ausblick
Vor der Urteilsverkündung demonstrierten etwa zwei Dutzend Menschen vor dem Gerichtsgebäude gegen rechte Gewalt und Extremismus. Susann E. blieb während der Verlesung des Urteils weitgehend regungslos und nickte nur, als die Bewährungsauflagen erläutert wurden. Sie hatte während des gesamten Verfahrens geschwiegen.
Susann E. ist mit André E. verheiratet, der 2018 wegen Unterstützung des NSU zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt wurde. Die Entscheidung des Dresdner Gerichts kann noch angefochten werden, sodass ein endgültiger rechtlicher Abschluss vorerst offen bleibt.


