
Landtagsausschuss in Mecklenburg-Vorpommern kritisiert Behörden im Umgang mit rechtsextremer Gewalt und NSU-Erbe
Nach fast fünf Jahren kommt ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss in Mecklenburg-Vorpommern zu dem Schluss, dass Polizei, Justiz und Verfassungsschutz bei rechtsextremen Straftaten und der Opferbetreuung wiederholt versagt haben, und legt rund drei Dutzend Empfehlungen vor.
Ergebnisse des Ausschusses
Eine fünfjährige Untersuchung des NSU-Untersuchungsausschusses des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern hat erhebliche Defizite im behördlichen Umgang mit rechtsextremer Gewalt aufgezeigt. Der Ausschuss, der mehrheitlich von SPD, Linken und Grünen getragen wurde, stellte fest, dass Polizei, Justiz und der Verfassungsschutz in zentralen Bereichen nicht ausreichend aufgestellt waren. Rund drei Dutzend Empfehlungen wurden nun vorgelegt, um die Erkennung von Gefahren, den behördenübergreifenden Informationsaustausch und die Betreuung von Opfern rechtsextremer Angriffe zu verbessern. Der Abschlussbericht unterliegt derzeit noch der Geheimhaltung und soll im Juli 2026 dem Landtag präsentiert werden.
Das misstrauische und diffamierende Verhalten gegenüber den Angehörigen von Mehmet Turgut war weder menschlich angemessen noch fachlich zu rechtfertigen.
Kritik am Umgang mit Opfern
Ein zentraler Kritikpunkt ist die langjährige Skepsis der Behörden gegenüber Opfern und deren Familien. Der Obmann der Linken, Michael Noetzel, verwies auf den Fall Mehmet Turgut, der 2004 in Rostock von der Neonazi-Terrorzelle NSU in einem Imbiss erschossen wurde. Den Angehörigen sei mit Misstrauen begegnet worden, die offizielle Reaktion wurde als empathielos und unprofessionell beschrieben. Der Ausschuss beharrt darauf, dass die Anerkennung rechtsextremer Gewalt und ein angemessener Umgang mit Opfern von Beginn an in der Polizeiausbildung verankert werden müssen. Die SPD-Obfrau Martina Tegtmeier forderte eine verbindliche Verpflichtung für die Polizei, Opfer über spezialisierte Beratungsangebote zu informieren, während die Grünen-Obfrau Constanze Oehlrich forderte, den NSU-Komplex zu einem festen Thema in Schulen, der Berufsausbildung und der öffentlichen Erinnerungskultur zu machen.
Politische Reaktionen
Während SPD, Linke und Grüne den Bericht begrüßten, tat die AfD die gesamte Untersuchung als Steuerverschwendung ab und erklärte, sie habe kein substanzielles Ergebnis geliefert. Die CDU gab ein Sondervotum ab und warnte die rot-rote Koalition davor, dem Bericht eine politische Schlagseite zu geben. Die Arbeit des Ausschusses beleuchtete zudem das sogenannte Nordkreuz-Netzwerk, eine mutmaßlich rechtsextreme Gruppierung, die weitere Fragen zum Umgang des Staates mit Extremismus aufwarf.
Kontext zum NSU
Zwischen 2000 und 2007 ermordete der Nationalsozialistische Untergrund zehn Menschen, darunter acht Unternehmer türkischer Herkunft, einen griechischer Herkunft sowie eine Polizistin. Mehmet Turgut wurde in Rostock getötet. Das Trio hinter der Zelle – Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt – entzog sich bis 2011 der Entdeckung, als Mundlos und Böhnhardt kurz vor ihrer Festnahme Suizid begingen. Zschäpe wurde 2018 als Mittäterin zu lebenslanger Haft verurteilt.
- Mehmet Turgut wird vom NSU in einem Imbiss in Rostock ermordet.
- Mundlos und Böhnhardt begehen Suizid; die NSU-Terrorzelle wird aufgedeckt.
- Beate Zschäpe wird als Mittäterin zu lebenslanger Haft verurteilt.
- Der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern setzt den NSU-Untersuchungsausschuss ein.
- Der Ausschuss präsentiert rund drei Dutzend Empfehlungen und schließt seine Arbeit ab.
- Der Abschlussbericht soll dem Landtag in Schwerin vorgelegt werden.


