
Norwegen empört über Kabelablenkung und nicht gegebenes Tor – England gewinnt WM-Viertelfinale knapp
Ein Ball, der ein Spidercam-Kabel streift, ein per VAR aberkanntes Tor und wütende Anschuldigungen von Erling Haalands Vater prägten Norwegens 1:2-Verlängerungsniederlage gegen England im WM-Viertelfinale von Miami.
Eine Ablenkung, die niemand ignorieren kann
Norwegen ging durch Schjelderup in der ersten Halbzeit in Führung, doch ihr WM-Viertelfinale nahm mit Englands Ausgleich tief in der Nachspielzeit der ersten Hälfte eine unerwartete Wendung. Torhüter Orjan Nyland klärte weit nach vorne, doch die Flugbahn des Balls änderte sich abrupt in der Luft und fiel dem englischen Mittelfeldspieler Elliot Anderson direkt vor die Füße. Wenige Augenblicke später traf Jude Bellingham in der 45.+2 Minute an Nyland vorbei. Norwegische Spieler und Betreuer auf der Bank zeigten sofort auf das oberhalb der Kamera verlaufende Kabel.
Wenn der Ball die Kamera oder ein Kabel berührt hat, ist das ein Skandal. Ich bin sprachlos. So etwas habe ich noch nie gesehen. Wenn es bestätigt wird, wird es einer der größten Skandale der WM-Geschichte bleiben.
Die FIFA beharrte darauf, dass der Sensor im Ball keine Beweise für eine Berührung geliefert habe, doch eine von der BBC ausgestrahlte 3D-Animation, die auf offiziellen Daten basierte, schien zu zeigen, dass die Flugbahn genau dort knickte, wo das Kabel verläuft. Norwegens Trainer Ståle Solbakken sagte Reportern, der Schiedsrichter habe zugegeben, den Vorfall nicht gesehen und keine VAR-Warnung erhalten zu haben, fügte jedoch hinzu: „Der Ball fiel direkt vom Himmel. Jeder auf meiner Bank reagierte sofort. Es besteht kein Zweifel, dass er etwas getroffen hat.“
Tor aberkannt und VAR in der Kritik
Norwegen glaubte, in der 55. Minute wieder in Führung gegangen zu sein. Eine Ecke wurde von Haaland weitergeleitet, Jordan Pickford hielt Bergs Schuss, und Torbjørn Heggem staubte zum Nachschuss ab. Der französische Schiedsrichter Clément Turpin erkannte das Tor nach Ansicht des Monitors am Spielfeldrand nicht an, da Haaland den gegnerischen Verteidiger Elliot Anderson im vorherigen Zweikampf geschoben habe.
Wenn das ein Foul ist, dann begehe ich in fast jedem Zweikampf in jedem Spiel, das ich spiele, eines. Ich werde ständig geschubst und gezogen, und ich finde das absurd.
Teamkollege Sander Berge ging noch weiter: „Das ist ein Tor an jedem Tag der Woche. Wenn ich so in der Premier League verteidige, würde es mit diesem Schiedsrichter ständig Elfmeter geben.“ Der norwegische TV-Experte Simen Stamsø Møller bezeichnete Andersons Reaktion als theatralisch: „Er wirft sich mit ganzer Hingabe. Das ist so theatralisch!“
Familienzorn
Alf-Inge Haaland, der Vater des norwegischen Kapitäns und ehemalige Spieler von Leeds und Manchester City, ließ in den sozialen Medien seinem Ärger freien Lauf. Auf einen Beitrag des englischen Journalisten Henry Winter antwortete er sarkastisch: „Wirklich? Der Schiedsrichter hat euch gerettet. Ich hoffe, ihr gewinnt jetzt die WM. Aber ich habe das Gefühl, dass wir heute beraubt wurden.“ In einem weiteren Beitrag zielte er sowohl auf Bellingham als auch auf Turpin ab: „Gut gemacht, Bellingham und der Schiedsrichter.“
- Schjelderup erzielt die norwegische Führung.
- Bellingham gleicht nach einer möglichen Kabelablenkung von Nylands Befreiungsschlag aus.
- Heggem-Tor nach VAR-Überprüfung wegen Haalands Schieben gegen Anderson aberkannt.
- Bellingham erzielt das Siegtor und schickt England ins Halbfinale.
Stolz nach dem Schmerz
Trotz des bitteren Ausscheidens zog Erling Haaland einen optimistischen Schlussstrich unter Norwegens erste WM-Teilnahme seit 1994 und den Einzug ins Viertelfinale, der unter anderem ein Sieg gegen Brasilien umfasste. „Das sind vielleicht die sechs besten Wochen meines Lebens“, sagte er. „Es ist völlig surreal. Wir haben Norwegen auf der Landkarte des Fußballs etabliert.“
Bellinghams zweites Tor in der Verlängerung führte England ins Halbfinale gegen Argentinien, während Norwegen mit einem Gefühl der Ungerechtigkeit und einem neu gewonnenen Status unter den Fußball-Eliten nach Hause flog.


