Niedersachsen schlägt fischereifreie Zonen in der Nordsee vor, um EU-Biodiversitätsziele zu erreichen
Eine Karte der vorgeschlagenen fischereifreien Zonen vor der niedersächsischen Küste, einschließlich der Gewässer bei Borkum und Wangerooge, wird am 21. Juli debattiert, während das Land versucht, das EU-Ziel von 10 % strengem Schutz für Meeresgewässer zu erreichen.
EU-Ziele treiben neue Beschränkungen voran
Die EU-Biodiversitätsstrategie verpflichtet die Mitgliedstaaten, bis 2030 mindestens 30 % ihrer Meeresgewässer unter Schutz zu stellen. Davon müssen 10 % der gesamten Meeresfläche streng geschützt werden, was bedeutet, dass jegliche Fischerei verboten ist. Niedersachsen ist als Nordsee-Küstenstaat für die Umsetzung dieser Ziele in seinen Hoheitsgewässern verantwortlich. Der Nationalpark Wattenmeer bedeckt bereits einen großen Teil des Küstenmeeres des Landes, sodass das 30-%-Schutzziel nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums bereits erfüllt ist. Allerdings ist das 10-%-Ziel des strengen Schutzes noch lange nicht erreicht. Um die Lücke zu schließen, hat die Landesregierung im April 2025 den Niedersächsischen Fischereidialog ins Leben gerufen. Das Forum umfasst die Ministerien für Landwirtschaft und Umwelt, Fischerei- und Umweltverbände, den Heimatbund, die Landwirtschaftskammer sowie Vertreter der Küstengemeinden. Ziel ist es, einen Raumplan zu erarbeiten, der die strengeren Schutzanforderungen mit den wirtschaftlichen Interessen der Fischerei in Einklang bringt.
Die vorgeschlagenen Zonen
Am 19. Juli 2026 legten die beiden Ministerien einen Entwurf der geplanten fischereifreien Zonen vor. Zu den für die Schließung vorgesehenen Gebieten gehören die Gewässer nördlich der Insel Borkum, südöstlich von Wangerooge, der östliche Teil der Jadebusen und Abschnitte vor der Wurster Nordseeküste. Diese Standorte gehören zu den wichtigsten Fanggründen für die regionale Kleinfischerei. Die Karte wurde nach einer Konsultationsphase erstellt, in der Fischereibetriebe, Umweltorganisationen und lokale Akteure bei regionalen Konferenzen Stellungnahmen einreichen und Einwände erheben konnten.
- Fischereidialog in Niedersachsen gestartet
- Karte der vorgeschlagenen fischereifreien Zonen vorgelegt
- Treffen zur Diskussion des Vorschlags, Ministerinnen Staudte und Meyer nehmen teil
Regierung und Fischer uneins
Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte bezeichnete den Plan als ausgewogenen Vorschlag, der die Interessen der Küstenfischerei und der Gemeinden berücksichtigt.
Das nun vorliegende Gebietskonzept ist ein ausgewogener Vorschlag, der auch die Interessen der Küstenfischerei und der Küstengemeinden berücksichtigt.
Umweltminister Christian Meyer betonte, dass die Gebietsauswahl so erfolgt sei, dass sie weder die Existenz einzelner Betriebe noch die der Hafenstandorte gefährde.
Die Gebietsauswahl wurde so getroffen, dass die Umsetzung der fischereifreien strengen Schutzzonen weder die Existenz einzelner Betriebe noch die der Hafenstandorte in Frage stellt.
Die Fischer reagieren mit Widerstand. Sie argumentieren, dass die vorgeschlagenen Schließungen genau ihre Hauptfischgründe betreffen, die Gebiete, in denen sie den Großteil ihres Fangs erzielen. Für viele Kleinfischer machen diese Gewässer den Großteil ihres Jahresfangs aus. Der Konflikt bereitet den Boden für eine schwierige Diskussion beim bevorstehenden Dialogtreffen.
Nächste Schritte
Der Kartenentwurf wird das zentrale Thema der nächsten Sitzung des Fischereidialogs am Dienstag, dem 21. Juli 2026, sein. Beide Minister werden voraussichtlich teilnehmen. Eine formelle Abstimmung ist nicht geplant, aber die Regierung strebt ein möglichst konsensbasiertes Ergebnis an. Der Vorschlag soll die Grundlage für den Abschluss des mittlerweile seit über einem Jahr laufenden Dialogs bilden. Ob ein Kompromiss gefunden werden kann, bleibt angesichts der Spannungen zwischen den Umweltauflagen der EU und den Lebensgrundlagen der Küstenfischergemeinschaften ungewiss.


