
Niedrigwasser des Rheins treibt Benzinpreise in Westdeutschland in die Höhe, Versorgungsengpässe möglich
Sinkende Wasserstände des Rheins treiben die Treibstofftransportkosten in Westdeutschland in die Höhe. NRW und Hessen verzeichnen die höchsten Benzinpreise, die Branche warnt vor möglichen regionalen Versorgungsengpässen.
Niedrigwasser treibt Benzinpreise in die Höhe
Sinkende Wasserstände des Rheins treiben die Benzinpreise in Deutschland in die Höhe, wobei die Auswirkungen in den westlichen Regionen des Landes konzentriert sind. Der ADAC-Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer erklärte, dass der derzeitige Niedrigwasserstand des Rheins preistreibend wirke, da der Fluss eine wichtige Transportroute für Öl, Benzin und Diesel sei. Laut Laberer sind die Logistikkosten für den Transport von Kraftstoffen und Zwischenprodukten „teilweise deutlich“ gestiegen. Er betonte jedoch, dass dies nur einer von mehreren Faktoren sei, da der deutsche Markt über ein Netzwerk von Seehäfen, Raffinerien, Pipelines sowie Schienen- und Straßenverbindungen versorgt werde, nicht ausschließlich über den Rhein.
Der derzeitige Niedrigwasserstand des Rheins wirkt preistreibend.
Historischer Tiefststand in Köln
In Köln wurde am Dienstag am Rheinpegel ein historischer Tiefststand gemessen, wie Daten des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Rhein zeigen. Bis Freitagabend werden in Köln, Düsseldorf, Emmerich und Duisburg-Ruhrort weiter sinkende Wasserstände prognostiziert. Moritz Axt, Sprecher der Behörde, sagte, in der kommenden Woche sei ein leichter Anstieg zu erwarten, warnte jedoch, dass dies noch keine Entlastung darstelle, da die Rheinwasserstände in Nordrhein-Westfalen weiterhin sehr niedrig bleiben.
Man kann kaum glauben, was man da sieht.
- Historischer Tiefststand am Kölner Rheinpegel gemessen
- Bis Freitagabend werden in Köln, Düsseldorf, Emmerich und Duisburg-Ruhrort weiter sinkende Wasserstände prognostiziert
- Leichter Anstieg der Wasserstände erwartet, aber keine Entlastung für NRW
Versorgungsengpässe drohen
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie (en2x) warnte, dass mit weiter sinkenden Wasserständen die Wahrscheinlichkeit vorübergehender und regional begrenzter Versorgungsengpässe steige, insbesondere wenn Verzögerungen im Schienenverkehr, technische Störungen oder andere logistische Engpässe im Transportwesen hinzukämen. Der Verband stellte fest, dass Binnenschiffe mit reduzierten Ladungsmengen beladen werden müssten, in einigen Fällen nur noch ein Viertel der normalen Kapazität, oder den Betrieb ganz eingestellt hätten. Der Transport werde nach Möglichkeit auf Züge und Lastwagen verlagert, wobei auch diese Kapazitäten begrenzt seien. Der en2x-Hauptgeschäftsführer Christian Küchen betonte, dass die Mitgliedsunternehmen kontinuierlich daran arbeiteten, die Belieferung von Tankstellen, Heizölkunden, Flughäfen und der Industrie aufrechtzuerhalten.
Dank kontinuierlicher Anpassungen der Logistik läuft der Betrieb der Tankstellen bisher auf normalem Niveau, einschließlich im gesamten Rheingebiet.
Regionale Preisunterschiede
Das Preisportal Tankerkönig zeigt eine deutliche West-Ost-Teilung. Am Dienstagmorgen hatten Nordrhein-Westfalen und Hessen das teuerste Benzin, gefolgt von Bremen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Bei Diesel belegten NRW und Hessen den zweiten Platz. Der Preisunterschied zwischen Bayern, insbesondere dessen südlicher Hälfte, und NRW oder Hessen beträgt etwa 7 Cent pro Liter bei Benzin und rund 8 Cent bei Diesel.
- Benzin
- 7 Cent/Liter
- Diesel
- 8 Cent/Liter
Dieselraffineriepreise steigen ebenfalls
Die Raffineriepreise für Diesel stiegen am Montag und übten damit zusätzlichen Druck aus. Die europäischen Raffineriemargen für Diesel stiegen um fast 10 Prozent. Der Terminkontrakt für schwefelarmen US-Diesel stieg um 7,4 Prozent auf 4,19 Dollar pro Gallone, der größte Anstieg seit dem 13. Juli. Dies folgte auf einen ukrainischen Angriff auf eine Raffinerie in der russischen Region Tatarstan und einen Angriff der Huthi-Miliz auf die Jazan-Raffinerie in Saudi-Arabien, die seit dem 27. Juli nach einem früheren Beschuss geschlossen ist.
Skepsis in der Bevölkerung
Einige Leser, die auf Focus auf die Nachricht reagierten, stellten den Zusammenhang zwischen Niedrigwasser und Benzinpreisen in Frage. Mehrere Kommentatoren verwiesen auf Steuern, die ihrer Meinung nach rund 60 Prozent des Zapfsäulenpreises ausmachen, und auf die Gewinne der Ölkonzerne als die wahren Treiber der höheren Kosten. Andere argumentierten, dass die bestehende Infrastruktur aus Pipelines, Häfen und Raffinerien ausreichen sollte, um Versorgungsprobleme zu verhindern.


