
Neugebauer übersteht Stabhochsprung-Chaos und Wadenverletzung und gewinnt Zehnkampf-Gold bei den Leichtathletik-Europameisterschaften
Leo Neugebauer hat bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham mit 8611 Punkten Zehnkampf-Gold gewonnen. Dabei überstand er einen Stabhochsprung- Regelverstoß der Kampfrichter und eine Wadenverletzung und setzte sich mit 38 Punkten Vorsprung gegen seinen Teamkollegen Niklas Kaul durch.
Gold für Neugebauer in Birmingham-Krimi
Leo Neugebauer hat seinen zweiten großen Karrieretitel errungen und bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham mit 8611 Punkten Zehnkampf-Gold gewonnen. Der 26-Jährige aus Stuttgart, bereits Weltmeister und Olympia-Zweiter, hielt seinen Teamkollegen Niklas Kaul aus Mainz in einem Wettkampf, der bis zu den letzten Metern des 1500-Meter-Laufs entschieden wurde, mit nur 38 Punkten auf Distanz. Bronze ging an den Norweger Sander Skotheim mit 8433 Punkten. Amadeus Gräber aus Frankfurt belegte mit 8162 Punkten den achten Platz. Neugebauer hatte nach der zweiten Disziplin die Führung übernommen und diese über zehn Wettkämpfe gehalten, wenn auch nicht ohne Turbulenzen.
- Leo Neugebauer (GER)
- 8611 Pkt.
- Niklas Kaul (GER)
- 8573 Pkt.
- Sander Skotheim (NOR)
- 8433 Pkt.
- Amadeus Gräber (GER)
- 8162 Pkt.
Stabhochsprung-Latte zu niedrig eingestellt
Die achte Disziplin, der Stabhochsprung, geriet ins Chaos, als die Kampfrichter in Gruppe B die Latte nicht von 4,70 m auf 4,80 m erhöhten. Sieben Athleten, darunter der führende Neugebauer, übersprangen bei Temperaturen um 35 Grad Celsius vermeintlich 4,80 m, nur um vom Chefkampfrichter zu erfahren, dass die Höhe ungültig war. Die Athleten mussten 4,80 m erneut versuchen. Neugebauer scheiterte dreimal, doch ein weiterer Regelverstoß der Kampfrichter kam ans Licht: Der Ständerabstand war nicht auf die von den Athleten gewünschten Positionen eingestellt worden. Sein Einspruch wurde zunächst abgewiesen, aber ein vierter Versuch unter Protest wurde ihm gewährt, den er übersprang. Anschließend übersprang er 4,90 m im ersten Versuch, bevor er dreimal an 5,00 m scheiterte.
- Latte auf 4,70 m statt 4,80 m belassen; sieben Athleten in Gruppe B, darunter Neugebauer, übersprangen die falsche Höhe vergeblich bei etwa 35 °C.
- Neugebauer scheiterte dreimal an den korrekten 4,80 m; ein vierter Versuch unter Protest wurde gewährt, nachdem die Kampfrichter auch den Ständerabstand falsch eingestellt hatten. Er übersprang 4,80 m und dann 4,90 m.
- Kaul warf 73,54 m und verkürzte den Rückstand; Neugebauer erzielte mit 60,10 m eine Saisonbestleistung.
- Neugebauer führte mit 7920 Punkten, 154 Punkte vor Kaul, ein Polster von 22 Sekunden für den letzten Lauf.
- Neugebauer taumelte und fiel über die Linie, sicherte sich Gold mit 8611 Punkten, 38 Punkte vor Kaul.
Athleten und Trainer reagieren
Neugebauer schilderte die Szene im Anschluss dem ZDF.
Das war so ein Chaos da unten. Und dann durch das Chaos muss man nochmal springen, dann stimmte das auch nicht, und man muss trotzdem konzentriert bleiben, um die Höhe zu schaffen. So etwas habe ich noch nie erlebt. Es war wirklich verrückt.
Der deutsche Mehrkampf-Bundestrainer Jörg Roos äußerte sich im ZDF-Livestream deutlich und bezeichnete die Situation angesichts der Wetterbedingungen als absolute Wettkampfverzerrung. Der frühere Zehnkampf-Weltrekordhalter Jürgen Hingsen sagte dem SID, die Organisation sei eine absolute Katastrophe und er habe so etwas noch nie erlebt. Auch der französische Athlet Makenson Gletty war von dem Fehler betroffen; nach seinem durch Einspruch gewährten Zusatzversuch scheiterte er an 4,80 m und war sichtlich niedergeschlagen. Der Schweizer Zehnkämpfer Leon Krummenacher, der vom Chaos in der anderen Gruppe nicht betroffen war, stellte mit 5,00 m eine persönliche Bestleistung auf.
Wadenverletzung und letzter Kampf
Neugebauer zog sich beim Stabhochsprung eine Wadenverletzung zu, Berichten zufolge durch eine harte Landung im Einstichkasten bei einem seiner 4,80-m-Versuche. Er sagte dem ZDF, er werde zu den Physiotherapeuten gehen, gut essen, sich erholen und dann den Speerwurf frisch angehen. Im Speerwurf warf Kaul 73,54 m und verkürzte Neugebauers Vorsprung, während Neugebauer mit 60,10 m eine Saisonbestleistung erzielte. Vor dem abschließenden 1500-Meter-Lauf hatte Neugebauer 7920 Punkte auf dem Konto, 154 Punkte vor Kaul, ein Polster von etwa 22 Sekunden. Kaul lief den 1500-Meter-Lauf schneller, aber Neugebauer taumelte über die letzten Meter und fiel über die Ziellinie, um seine Führung zu behaupten. Zu seiner Karriere gehören nun ein deutscher Rekord von 8961 Punkten, Olympia-Silber, WM-Gold und der Europameistertitel. Es fehlt ihm nur noch Olympia-Gold.


