
Neues Orthobunyavirus bei Rindern in Deutschland, Schweiz und Frankreich nachgewiesen
Das Friedrich-Loeffler-Institut und das Schweizer IVI haben ein neuartiges Orthobunyavirus der Simbu-Gruppe bei kranken Milchkühen identifiziert. Der von Mücken übertragene Erreger verursacht Fieber, Durchfall und einen starken Rückgang der Milchleistung, und die Behörden rechnen mit einer weiteren Ausbreitung bis zum Ende der Insektenzeit im November.
Virusidentifikation
Am 3. August 2026 bestätigten das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Insel Riems und das Schweizer Institut für Virologie und Immunologie (IVI) den Nachweis eines neuartigen Orthobunyavirus der Simbu-Serogruppe bei erkrankten Rindern. Das FLI untersuchte vier Proben von Betrieben in Baden-Württemberg, Süddeutschland, während das IVI Proben von betroffenen Schweizer Herden analysierte. Französische Behörden meldeten übereinstimmende Befunde. Das Virus, das durch blutsaugende Mücken übertragen wird, ist neu in Europa; Viren der Simbu-Gruppe kommen sonst hauptsächlich in Afrika, Asien und Australien vor.
Symptome und betroffene Tiere
Infizierte Rinder entwickeln Fieber über 40 Grad Celsius, Durchfall, Appetitlosigkeit und einen starken Rückgang der Milchleistung. Bei Milchkühen wird der Produktionsrückgang als massiv beschrieben. Die Krankheitsepisode auf einem Betrieb dauert laut IVI etwa 14 bis 21 Tage. Trächtige Kühe haben ein Risiko für Totgeburten und Kälbermissbildungen. Auch Schafe und Ziegen sind empfänglich. Das FLI weist darauf hin, dass das volle pathogene Potenzial des Virus noch nicht bekannt ist.
Übertragung und Saisonalität
Das Virus wird durch Culicoides-Mücken übertragen, auch Gnitzen oder Bartmücken genannt. Die Mückensaison in Mitteleuropa dauert bis Ende November, und das FLI warnt davor, dass eine weitere, möglicherweise schnelle Ausbreitung zu erwarten ist, solange die Insekten aktiv bleiben. Es ist unklar, ob die derzeitige Hitzewelle die Anfälligkeit der Rinder erhöht hat; hohe Temperaturen können hochleistende Milchkühe anfälliger für Krankheiten machen.
Keine Gefahr für Menschen
Das IVI betonte, dass die Krankheit nach Schweizer Recht nicht als meldepflichtige Tierseuche eingestuft ist.
Es handelt sich nicht um eine hochansteckende Krankheit.
Viren der Simbu-Serogruppe gelten allgemein nicht als zoonotisch und stellen nach derzeitigen Erkenntnissen kein relevantes Infektionsrisiko für den Menschen dar.
Echo von Schmallenberg
Das neue Virus gehört zur gleichen Gruppe wie das Schmallenberg-Virus, das 2011 nach Deutschland kam und ein Jahr später in der Schweiz nachgewiesen wurde. Dieser Ausbruch verursachte Totgeburten und angeborene Missbildungen bei Kälbern, Lämmern und Zicklein und betraf allein in Deutschland mehr als 2.000 Betriebe. Ob ähnliche Reproduktionsschäden bei dem neu identifizierten Virus auftreten werden, bedarf weiterer Untersuchungen, so das FLI.
Nächste Schritte
Das IVI hat Tierhalter aufgefordert, sofort einen Tierarzt zu kontaktieren, wenn sie unspezifische Symptome wie Fieber, Durchfall oder einen plötzlichen Milchrückgang beobachten. Das FLI setzt die labortechnische Charakterisierung des Virus fort. Da die Mückensaison bis zum Spätherbst dauert, sind die Tiergesundheitsbehörden in Deutschland, Schweiz und Frankreich in Alarmbereitschaft für weitere Fälle.
