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Verkehr·vor 3 Std.

Hamburg stellt Entwurf für neue Köhlbrandbrücke vor – eine höhere, längere Hommage an das Original von 1974

Der Siegerentwurf übernimmt die Silhouette der alternden Spannweite, hebt die Fahrbahn jedoch 20 Meter höher, damit die größten Containerschiffe den Terminal Altenwerder erreichen können. Die Baukosten werden auf 5,3 Mrd. Euro veranschlagt, der Autoverkehr könnte ab 2039 rollen.

Entwurf spiegelt die Ikone wider

Fast sechs Jahrzehnte nachdem Egon Jux‘ Köhlbrandbrücke zum Symbol des Hamburger Hafens wurde, hat der Senat einen Nachfolger gewählt, der unverkennbar eine modernisierte Version des Originals ist. Sechs der sieben Wettbewerbsbeiträge zitierten die geteilte Pylonform der bestehenden Brücke, und die einstimmige Jury-Wahl treibt den Tribut noch weiter. Zwei 170 Meter hohe Betonpylone erheben sich über einem fünf Kilometer langen Deck, ihre Flächen für die Fahrbahn durchbrochen – eine Umkehrung der Stahlpylone der Konstruktion von 1974. Die Seile verlaufen zwischen den beiden Fahrbahnen statt sie zu flankieren, was dem Profil eine luftigere, leichtere Optik verleiht.

Die neue Brücke ist eine Hommage an die alte Brücke.

Die bestehende Köhlbrandbrücke ist eine Ikone – und das neue Hamburger Wahrzeichen wird wieder die neue Brücke sein.

Das Planungskonsortium vereint sbp, Grassl und WTM Engineers mit den Architekturbüros gmp und PPL. Ein 21-köpfiges Gremium aus Experten, Parlamentariern und Senatsvertretern unterstützte den Beitrag ohne Gegenstimme.

Ein hundertjähriger Ersatz für ein abgenutztes Arbeitstier

Die aktuelle Brücke kann nicht mehr einfach geflickt werden. 1974 eröffnet, trägt sie heute mehr als 30.000 Fahrzeuge pro Tag, fast die doppelte Last, für die sie gebaut wurde. Schwere Stahlrisse, bröckelnde Betonrampen und ein ständig wachsender Wartungsplan haben eine Kaskade von Einschränkungen erzwungen. LKW dürfen seit 2012 nicht mehr überholen, ein obligatorischer LKW-Abstand von 50 Metern wurde 2019 verhängt, und seit dem 1. Mai 2026 benötigen Schwerlastfahrzeuge über 44 Tonnen eine Sondergenehmigung. Wochenendsperrungen sind mittlerweile Routine, allein 2026 gab es vier vollständige Sperrungen, für 2027 sind bereits sieben vorgemerkt.

Die neue Überführung ist für eine Lebensdauer von 100 Jahren ausgelegt und wird ihren eigenen Zustand durch hunderte eingebettete Sensoren überwachen. Sie wird auf mehr als 40 sechseckigen Pfeilern ruhen, mit einer Hauptspannweite von 400 Metern und zwei Fahrspuren in jede Richtung – genauso viele wie heute.

Höher und länger, um die Megaschiffe willkommen zu heißen

Die praktischste Verbesserung ist die Durchfahrtshöhe. Das Deck liegt 73,5 Meter über dem Köhlbrand, 20 Meter höher als die jetzige Brücke. Damit können die neuesten ultragroßen Containerschiffe – bis zu 24.500 TEU – den Terminal Altenwerder erreichen, der heute Schiffe von maximal 14.000 TEU aufnehmen kann. Um diese Höhe zu erreichen, werden die östliche und westliche Zufahrtsrampe jeweils um 500 Meter verlängert, wodurch sich die Gesamtlänge auf fünf Kilometer erhöht.

Das Gesamtbauwerk wird fünf Kilometer lang sein.

Wichtige Meilensteine für die neue Köhlbrandbrücke
  1. Siegerentwurf vorgestellt; Jury-Entscheidung einstimmig.
  2. Planfeststellungsantrag eingereicht.
  3. Autoverkehr auf der neuen Brücke wird freigegeben.
  4. Alte Brücke abgerissen; volle 73,5 m Durchfahrtshöhe für die Schifffahrt verfügbar.

Schnellerer Zeitplan, festes Budget

Die Stadt hatte ursprünglich mit einer Fertigstellung in den 2040er Jahren gerechnet, aber ein kombinierter Entwurfs- und Planungszuschlag hat dies vorgezogen. Senatorin Leonhard strebt nun die Planfeststellung bis 2030 und die Verkehrsfreigabe für den Straßenverkehr bis Ende der 2030er Jahre an – mit der Hoffnung auf eine noch frühere Fertigstellung. Die Schifffahrt wird erst 2040 von der zusätzlichen Höhe profitieren, wenn die alte Brücke abgerissen ist und die volle 73,5-Meter-Durchfahrt frei ist. Die Hamburgische Bürgerschaft gab im Juni 2024 grünes Licht für das Projekt und setzte eine Kostenobergrenze von 5,3 Milliarden Euro fest. Leonhard besteht darauf, dass dieser Betrag eingehalten wird, wobei der Bund die Hälfte der reinen Baukosten übernimmt.

Wir werden in der Lage sein, den Kostenrahmen einzuhalten.

Die Hauptverkehrsader des Hafens über den Köhlbrand muss durchgehend in Betrieb bleiben. Wir operieren an einem lebenden Patienten und halten ihn die ganze Zeit gesund – das ist die hohe Kunst hier im Hamburger Hafen.

Rezeption: ein Gruß oder eine verpasste Chance?

In der Rathausausstellung, die bis zum 24. Juni läuft, sieht die Öffentlichkeit einen Entwurf, der bewusst einen radikalen Bruch vermeidet. Einige Stimmen, darunter Frank Drieschner von ZEIT ONLINE, fragen sich, ob Egon Jux von einer Nachbildung beeindruckt gewesen wäre, die sich stark auf bessere Materialien und Rechenleistung statt auf eine neue Vision stützt. Doch die Einheitlichkeit der sechs ähnlichen Vorschläge deutet auf einen kollektiven Instinkt hin: Diese Stadt will den Abschied von der alten Brücke so einfach wie möglich machen.

Hamburg

8 Quellen

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