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Wahlen·vor 4 Std.

Netanyahu kündigt erneute Kandidatur an und verteidigt Iran-Krieg nach Kritik am US-Iran-Waffenstillstand

Der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu hat bestätigt, dass er bei den Parlamentswahlen im Oktober antreten wird. Er betonte, der Militäreinsatz gegen den Iran habe Israel vor der nuklearen Vernichtung bewahrt, und wies die innenpolitische Kritik am US-Iran-Abkommen zurück.

Wahlkampfauftakt inmitten diplomatischer Verschiebungen

Premierminister Benjamin Netanyahu kündigte seine Kandidatur für die anstehenden Parlamentswahlen im Oktober während seiner ersten Pressekonferenz seit der vorläufigen Einigung zwischen Washington und Teheran zur Beendigung der Feindseligkeiten an. „Ich werde antreten und ich habe die Absicht zu gewinnen“, sagte Netanyahu am Montag vor Reportern. Er stilisierte die Wahl als Fortsetzung seiner langen Amtszeit, die nach einer früheren Periode von 1996 bis 1999 fast ununterbrochen seit 2009 andauert.

Kriegsbilanz und nukleare rote Linie

Netanyahu stellte den Krieg gegen den Iran in den Mittelpunkt seiner Argumentation und behauptete, die israelischen Schläge hätten ein weitaus schlimmeres Ergebnis verhindert. „Das Wichtigste ist, dass wir den Staat Israel vor der Bedrohung durch die nukleare Vernichtung bewahrt haben“, sagte er. Er zählte die Zerstörung von Luftwaffenkapazitäten, Raketen und Anlagen auf, die mit dem iranischen Atomprogramm in Verbindung stehen, und fügte ein Versprechen hinzu: „Mit oder ohne Abkommen wird der Iran keine Atomwaffen besitzen. Nicht heute, nicht morgen. Solange ich Premierminister von Israel bin, wird das nicht geschehen.“

Ein kompliziertes Bündnis mit Washington

Der israelische Regierungschef räumte Reibereien mit Präsident Donald Trump ein, verglich diese jedoch mit jeder engen Partnerschaft. „Die Beziehung zwischen Partnern, die sich gut kennen, beinhaltet, dass man sich in vielen Dingen einig ist und manchmal eben nicht. Das kommt auch in den besten Familien vor“, sagte Netanyahu. Diese Bemerkung folgte auf Trumps öffentliche Äußerung, Netanyahu sei eine „schwierige Person“, und der Aufforderung, er solle mehr Dankbarkeit zeigen. Netanyahu ergänzte, Trump habe amerikanische Streitkräfte verpflichtet, ihren „gemeinsamen Feind“ zu bekämpfen, und er respektiere ihn, auch wenn er die Details des US-Iran-Abkommens noch nicht im Einzelnen geprüft habe.

Politischer Gegenwind und Skepsis gegenüber dem Abkommen

Die vorläufige Vereinbarung, die einen seit dem 8. April geltenden Waffenstillstand um 60 Tage verlängert und einen Rahmen für künftige Atomgespräche schafft, wird in Israel weithin als Rückschlag gewertet. Der ehemalige Premierminister Naftali Bennett bezeichnete sie als „gefährliche Wende für die Sicherheit Israels“. Danny Citrinowicz, ein ehemaliger Offizier des Militärgeheimdienstes, beschrieb sie als „politisches und sicherheitspolitisches Desaster“ für Israel. Sima Shine, eine ehemalige Geheimdienstexpertin am Institut für Nationale Sicherheitsstudien, sagte gegenüber AFP, dass zentrale nukleare Fragen auf „eine Zukunft, über die wir nichts wissen“, verschoben worden seien.

Permanente Präsenz und öffentliche Ermüdung

Netanyahu betonte, dass israelische Streitkräfte in den Sicherheitszonen in Gaza, im Libanon und in Syrien bleiben würden, „solange es notwendig ist, um unser Land zu schützen“. Während er die Schwächung der „Achse des Widerstands“ und die Eliminierung des Hamas-Führers Yahya Sinwar hervorhob, deuten Umfragen auf tiefgreifende öffentliche Unzufriedenheit hin. Eine am 9. Juni veröffentlichte Umfrage des Israel Democracy Institute ergab, dass 61 Prozent der Israelis der Meinung sind, er solle nicht erneut antreten – eine Ansicht, die von 57 Prozent der jüdischen Israelis und 83 Prozent der palästinensischen Bürger Israels geteilt wird.

Anteil der Israelis, die sagen, dass Netanyahu nicht erneut antreten sollte · %
Alle Israelis
61 %
Jüdische Israelis
57 %
Arabische Bürger Israels
83 %

Wahlmathematik

Trotz des Gegenwinds hatte Netanyahus Likud-Partei seine Kandidatur bereits bestätigt, und der Premierminister beharrt darauf, dass er eine siegreiche Koalition zusammenstellen könne. Prognosen deuten darauf hin, dass weder sein derzeitiger Block noch die Opposition ohne arabische Parteien eine parlamentarische Mehrheit sichern können, was das Rennen Monate vor der Wahl offen lässt.

Jerusalem

8 Quellen

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