Kurz gefasst
Auf die direkte Frage nach Blockchain antwortete Netanyahu mit Ja und erklärte, er habe die Ausarbeitung des Plans in Auftrag gegeben – in einem am Freitag, 23. Oktober, online gestellten Interview mit Channel 10.
Netanyahu sagte nicht, welche Länder er für Sanktionen erwartet, während das Vereinigte Königreich und andere Staaten im September israelische Siedlungsprodukte mit Sanktionen belegten.
Oppositionsvertreter erklärten, der Plan würde Israel zu einem wirtschaftlichen Paria wie Iran machen, und Yair Lapid sagte, Sanktionen würden die Wirtschaft ruinieren und die Preise in die Höhe treiben.
Die Wahl findet am Dienstag, 27. Oktober, statt, Netanyahu strebt eine Wiederwahl an, und er bleibt ein enger Verbündeter Donald Trumps trotz wachsender US-Kritik seit der Gaza-Offensive.

- September 2026Vereinigtes Königreich und andere Länder belegen israelische Siedlungsprodukte mit Sanktionen
- 23.10.Netanyahus Interview bei Channel 10 wird online gestellt
- 27.10.Israelische Wahl, bei der Netanyahu als Kandidat für eine Wiederwahl antritt
Netanyahus Äußerungen zu möglichen Sanktionen
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sagte am Freitag, 23. Oktober, Israel müsse womöglich eine Wirtschaft aufbauen, die auch außerhalb des herkömmlichen Bankensystems funktionieren kann, falls das Land mit Sanktionen belegt wird. Die Äußerungen fielen in einer von Channel 10 ausgestrahlten und am selben Tag online gestellten Diskussionssendung, vor der Wahl am Dienstag, 27. Oktober, bei der Netanyahu als Kandidat für eine Wiederwahl antritt. Er räumte ein, dass die Maßnahmen auch Bankenbeschränkungen umfassen könnten, und sagte:
„Es kann Sanktionen geben, auch Bankensanktionen.“
Auf die Frage, ob er sich auf Blockchain beziehe – eine Technologie zur Speicherung und Übertragung von Informationen ohne Zwischeninstanzen oder zentrale Autorität –, antwortete Netanyahu mit Ja und erklärte, er habe die Ausarbeitung eines entsprechenden Plans in Auftrag gegeben. Er nannte Blockchain als eine der Optionen, die Israel prüfe. Welche Länder er für Sanktionen in Betracht zieht, sagte er nicht.
Druck wegen Siedlungsmaßnahmen
Der Sanktionsdebatte vorausgegangen waren im September angekündigte Maßnahmen des Vereinigten Königreichs und anderer Länder gegen Produkte aus israelischen Siedlungen im besetzten Westjordanland. Diese Schritte reagieren auf Angriffe von Siedlern auf Palästinenser und auf die Ausweitung der Siedlungen. Laut der Wirtschafts Woche haben westliche Regierungen Israel vor allem wegen seiner Besatzungs- und Siedlungspolitik sowie seines Vorgehens im Gazastreifen ins Visier genommen, und mehrere Staaten haben Siedler, Organisationen und einzelne Regierungsmitglieder mit Sanktionen belegt. Vollständige Beschränkungen für das israelische Bankensystem seien bislang nicht verhängt worden, heißt es in dem Bericht. Netanyahu hatte zuvor erklärt, Israel solle seine Abhängigkeit von US-Militärhilfe schrittweise verringern.
Mit Blick auf die Hilfsströme sagte Netanyahu, die großen Summen amerikanischer Verteidigungsgelder würden nicht dauerhaft fließen, und er sei besorgt über eine Verschiebung der amerikanischen Haltung gegenüber Israel:
„Es ist vorbei. Es ist nur eine Frage der Zeit.“
Kritik der Opposition und weiterer Kontext
Oppositionsvertreter kritisierten die Idee und warnten, sie würde Israel zu einem wirtschaftlichen Paria wie Iran machen. Yair Lapid, einst Ministerpräsident der Mitte und heute in der Opposition, argumentierte, Netanyahu räume damit ein, dass die US-Militärhilfe enden werde und Sanktionen die Wirtschaft ruinieren, die Preise in die Höhe treiben und irreparablen Schaden anrichten würden. Die israelische Tageszeitung Haaretz argumentiert, ein Ausschluss aus dem globalen Finanzsystem berge ernste Gefahren, weil die Wirtschaft von Welthandel und Investitionen abhänge und ihr Hightech-Sektor auf ein funktionierendes Bankensystem angewiesen sei, um mit dem Rest der Welt Geschäfte zu machen. Die Wirtschafts Woche ergänzt, Finanzaufsichtsbehörden zufolge nutzten Iran, Nordkorea, Venezuela und Russland digitale Vermögenswerte, um die Folgen internationaler Sanktionen abzumildern. Netanyahu bleibt ein enger Verbündeter des US-Präsidenten Donald Trump, obwohl die Kritik an ihm in den Vereinigten Staaten seit der Gaza-Offensive zugenommen hat, die als Vergeltung für die Hamas-Angriffe vom 7. Oktober 2023 gestartet wurde. Zudem drohte er zuletzt mit einer Wiederaufnahme des Krieges gegen Iran – ein Land, das unter schweren internationalen Sanktionen steht und auf Kryptowährungen und andere alternative wirtschaftliche Mechanismen setzt.