
Polens Präsident Karol Nawrocki legt Veto gegen drei Gesetze ein, darunter das staatliche elektronische Notenbuch
Der polnische Präsident Karol Nawrocki unterzeichnete am 28. August 2026 vier Parlamentsgesetze und legte gegen drei sein Veto ein, wodurch Gesetze zu staatlichen Schulnotenbüchern, Umweltbeschwerden und Energieanschlüssen blockiert wurden.
Präsidentielle Entscheidungen zu sieben Gesetzen
Am 28. August 2026 gab der polnische Präsident Karol Nawrocki seine Entscheidungen zu sieben vom Sejm verabschiedeten Gesetzen bekannt. Der Präsident unterzeichnete vier Gesetze und legte gegen drei sein Veto ein. Die verabschiedeten Gesetze betreffen die berufliche Selbstverwaltung von Architekten und Bauingenieuren, die Handelsqualität von Agrarlebensmitteln, Maßnahmen zur Hochwasserbewältigung und die Unterstützung nachhaltiger Luftfahrt. Die drei mit Veto belegten Gesetze umfassen Änderungen des Bildungsgesetzes bezüglich eines staatlichen elektronischen Notenbuchs, Änderungen des Umweltschutzgesetzes betreffend Beschwerden zur Luftqualität sowie Überarbeitungen des Energierechts.
- Unterzeichnet
- 4 Gesetze
- Mit Veto belegt
- 3 Gesetze
Ablehnung des Pilotprojekts zum staatlichen Schulnotenbuch
Die blockierte Änderung des Bildungsgesetzes sah die Einführung eines Pilotprojekts für ein staatlich betriebenes elektronisches Notenbuch (eDziennik) an Grund- und weiterführenden Schulen im Schuljahr 2026/2027 vor. Das System, das in das Bildungsinformationssystem integriert werden sollte, war als kostenlose öffentliche Alternative zu kommerziellen Plattformen gedacht. Nawrocki argumentierte, dass die vorgeschlagene zentrale Datenbank sensible Schülerdaten, darunter PESEL-Identifikationsnummern, Fotos, Noten, Anwesenheit und sonderpädagogische Förderbedarfe, ohne angemessene Verschlüsselungsstandards oder verpflichtende Sicherheitsaudits speichern würde. Er wies auch darauf hin, dass das System über 200 Millionen Złoty aus öffentlichen Mitteln kosten würde, und warnte vor einer überstürzten Umsetzung.
Ich werde dieses Gesetz in seiner jetzigen Form nicht unterzeichnen. Ich sage nicht Nein zu einem staatlichen eDziennik. Ich sage: bereitet euch gut vor, bereitet euch besser vor.
Regierungskritik und politische Reaktionen
Mitglieder der Regierungskoalition kritisierten das Veto und bezeichneten es als eine Entscheidung, die private Softwareanbieter schütze. Bildungsministerin Barbara Nowacka charakterisierte den Schritt in den sozialen Medien als Lobby-Veto. Vize-Bildungsministerin Katarzyna Lubnauer erklärte, dass Eltern weiterhin kommerzielle Abonnementgebühren zahlen müssten, während die Schülerdaten auf privaten Servern verblieben. Vize-Premierminister und Digitalisierungsminister Krzysztof Gawkowski argumentierte, dass die Entscheidung die Datenkontrolle bei ausländischen kommerziellen Betreibern belasse, anstatt sie unter öffentlichen Schutz zu stellen. Der parteilose Abgeordnete und Lehrer Marcin Józefaciuk unterstützte hingegen das Veto und erklärte, dass Schülerdaten nicht zum Testen unfertiger Software verwendet werden sollten, und schlug einen überarbeiteten Zeitplan mit einem Pilotprojekt im Schuljahr 2027/2028 vor.
Veto gegen Umwelt- und Energiegesetze
Der Präsident legte auch sein Veto gegen Änderungen des Umweltschutzgesetzes ein, die es Bürgern und Organisationen ermöglicht hätten, kommunale Luftschutzprogramme auf der Grundlage eines tatsächlichen Interesses anzufechten, ohne eine unmittelbare rechtliche Verletzung nachweisen zu müssen. Die Präsidentschaftskanzlei erklärte, dass diese Bestimmung es externen oder ausländischen Akteuren ermöglichen könnte, lokale Infrastrukturprojekte wie Straßen und Produktionsanlagen zu blockieren. Das dritte Veto richtete sich gegen Änderungen des Energierechts, die die Abgeordneten am 31. Juli 2026 verabschiedet hatten, um Übergangslücken zu schließen, die durch eine vorherige Reform im März 2026 entstanden waren. Nawrocki argumentierte, dass die Überarbeitung von Vorschriften nur Monate nach ihrer ursprünglichen Verabschiedung rechtliche Unsicherheit für Investoren und Netzbetreiber schaffe.
- Sejm verabschiedet vorherige Änderung des Energierechts
- Sejm billigt Gesetze zu eDziennik, Luftschutz und Energieüberarbeitungen
- Präsident Karol Nawrocki legt Veto gegen drei Gesetze ein und unterzeichnet vier


