Eid vor dem Präsidenten
Karol Nawrocki überreichte am Montag, 19. Oktober, im Präsidentenpalast Ernennungsurkunden für Richter- und Assessorenstellen, nachdem die Zeremonie kurz nach 14 Uhr begonnen hatte. Er sagte, es gebe in Polen keinen anderen Weg zum Richteramt als den Eid vor dem Präsidenten der Republik Polen, also in dessen Anwesenheit. Die Äußerungen fielen im Kontext eines Streits über die Annahme von Eiden von Richtern des Verfassungsgerichts.
Nawrocki wandte sich direkt an die Kameras und sagte, die im Säulensaal versammelte Gruppe von Richtern sei nun offiziell Richter, weil der vom Willen der Nation gewählte Präsident dies so entschieden habe. Er fügte hinzu, die Verfassung verweise nicht auf Urteile internationaler Gerichte oder auf Stellungnahmen ausländischer Kommissionen.
„Es gibt keinen anderen Weg, Richter der Republik Polen zu werden, als den Eid vor dem Präsidenten der Republik Polen zu leisten.“
Tradition und Präsidentschaft
Nach den Worten des Präsidenten haben seit 1989 Tausende Richter ihren Eid in seiner Anwesenheit geleistet – durch die Transformation, mehrere gesellschaftliche und politische Krisen und geopolitische Krisen hindurch, über mehr als 35 Jahre. Er stellte die Ernennungen nicht nur als verfassungsrechtliche Angelegenheit dar, sondern auch als Ausdruck der Wertschätzung der Nation für die Richter.
Nawrocki wies darauf hin, dass die Gesetzgeber entschieden hätten, dass der durch eine Volkswahl bestimmte Präsident die Ernennungen persönlich übergeben und den Eid der polnischen Richter entgegennehmen solle. In seiner Rede verknüpfte er die Rolle der Richter zudem mit Unabhängigkeit und Gewissenhaftigkeit und zitierte dabei eine Passage aus dem Buch Jeremia.
Inhalt der Rede
Der Präsident sagte, der Weg zu diesem Amt erfordere Entschlossenheit, harte Arbeit und die Unterstützung der Familie, und die Ausübung des Amtes bedeute eine schwere Verantwortung für Entscheidungen, die das Leben der Bürger betreffen. Berichte über die Zeremonie vermerkten zudem, dass er die Bedeutung von Empathie in der Arbeit eines Richters betonte.
Die Zeremonie ist der jüngste Akt in einem Streit, der in Polen über den Status der Richter des Verfassungsgerichts und das Verfahren ihrer Amtsübernahme geführt wird.