Kurz gefasst
Der größte Flughafen Russlands wurde am Freitag, dem 23. Oktober, evakuiert, einige Passagiere mussten Flugzeuge verlassen; später teilte der Flughafen mit, der Alarm sei aufgehoben.
Rosaviatsia schränkte den Betrieb an den Moskauer Flughäfen ein; die Quellen widersprechen sich, ob alle vier oder drei der vier betroffen waren.
Bürgermeister Siergiej Sobianin meldete 21 seit 13.38 Uhr Moskauer Zeit abgeschossene Drohnen, RMF24 nannte 17 innerhalb von zwei Stunden.
Russland und die Ukraine übergaben am Freitag laut Selenskyj und dem russischen Verteidigungsministerium jeweils 270 Kriegsgefangene über einen Grenzübergang zwischen Belarus und der Ukraine.
- 22. Oktober, NachtLaut Blick seit der Nacht zum Donnerstag fast 20 Drohnen über den Moskauer Flughäfen abgefangen
- 23. Oktober, 13.38 Uhr Moskauer ZeitSobianin meldet 21 seit diesem Zeitpunkt über der Hauptstadt abgeschossene Drohnen
- 23. Oktober, NachmittagRosaviatsia schränkt den Betrieb an den Moskauer Flughäfen ein, Sheremetyevo wird evakuiert
Evakuierung in Sheremetyevo
Sheremetyevo, der größte Flughafen Russlands, wurde am Freitag, dem 23. Oktober, während eines Drohnenalarms evakuiert. Nach Angaben des Flughafens wurde der Zugang zum Sicherheitsbereich aller Terminals gesperrt, während Mitarbeiter Menschen in geschützte Unterkünfte brachten. Einige Passagiere mussten Flugzeuge verlassen, um die Schutzräume zu erreichen. Später teilte der Flughafen mit, der Alarm sei aufgehoben, die Passagiere würden die Schutzräume verlassen. Die Pressestelle riet Reisenden zudem, keine Aufzüge zu benutzen, nicht an Bord von Flugzeugen zu bleiben und sich nicht in Fensternähe aufzuhalten; Filmen und Fotografieren wurden untersagt.
Einschränkungen an den Moskauer Flughäfen
Die russische Luftfahrtbehörde Rosaviatsia erklärte, die Einschränkungen seien aus Sicherheitsgründen verhängt worden, und machte keine weiteren Angaben zur Ursache. Die Maßnahmen folgen auf Wochen wachsender Probleme an russischen Flughäfen im Zusammenhang mit ukrainischen Drohnenangriffen. Anfang September hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärt, der russische Luftraum werde faktisch geschlossen. Die Angaben dazu, wie viele Flughäfen betroffen waren, gehen auseinander: Einige Berichte nennen alle vier Moskauer Flughäfen, während DIE WELT meldete, der Betrieb sei an drei der vier ausgesetzt worden. Blick nannte Sheremetyevo, Wnukowo und Domodedowo in der Hauptstadt und berichtete, Schukowski rund 35 Kilometer südöstlich von Moskau habe seinen Flughafen vorübergehend geschlossen. Flugzeuge mit Ziel Moskau kehrten um oder landeten auf anderen russischen Flughäfen, manche Passagiere saßen zeitweise fest.
Drohnenzahlen und Trümmer
Moskaus Bürgermeister Siergiej Sobianin schrieb auf Telegram, russische Kräfte hätten seit 13.38 Uhr Moskauer Zeit 21 Drohnen über der Hauptstadt abgeschossen. RMF24 nannte 17 innerhalb von zwei Stunden abgeschossene Drohnen, während Blick berichtete, seit der Nacht zum Donnerstag seien fast 20 Drohnen über den Moskauer Flughäfen abgefangen worden. DIE WELT berichtete unter Berufung auf den Bürgermeister, rund zwei Wochen zuvor seien mindestens 23 Drohnen abgeschossen worden, als der Betrieb an allen vier Flughäfen kurzzeitig unterbrochen war. Sobianin sagte, Einsatzkräfte arbeiteten an den Stellen, an denen Trümmer niedergegangen seien, ohne Orte oder Schäden zu nennen.
Der ukrainische OSINT-Kanal Exilenova+ veröffentlichte ein Foto, das nach seinen Angaben Drohnentrümmer auf dem Gelände von Sheremetyevo zeigt; die russischen Behörden haben dies nicht bestätigt. Daten von Flightradar24 zeigten keine Flugzeuge über Moskau und auch nicht über den angrenzenden Regionen Tula und Kaluga, über Smolensk, Tambow oder anderen russischen Regionen an der Grenze zur Ukraine. The Telegraph veröffentlichte unbestätigte Aufnahmen, die nach eigenen Angaben eine Absturzstelle auf dem Vorfeld von Sheremetyevo zeigen.
Gefangenenaustausch am selben Tag
Am Freitag tauschten Russland und Ukraine zudem jeweils 270 Kriegsgefangene an einem Grenzübergang zwischen Belarus und der Ukraine aus, auf der bei den jüngsten Wechseln genutzten Route. Selenskyj schrieb auf X, 270 der Unsrigen seien zu Hause, darunter Soldaten der Streitkräfte, der Nationalgarde und anderer Einheiten sowie neun Zivilisten. Viele waren seit 2022 in russischer Gefangenschaft, unter ihnen Verteidiger der südlichen Hafenstadt Mariupol. Fünf Rückkehrer waren nach einer schweren Explosion in einem russischen Gefängnis in Oleniwka in der Region Donezk im Jahr 2022 für tot gehalten worden. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, es habe 270 russische Soldaten erhalten, die in Russland medizinisch und psychologisch versorgt würden.
- Zurückgekehrte Ukrainer
- 270 Personen
- Erhaltene russische Soldaten
- 270 Personen
Daten aus dem Artikeltext
Die angebliche Operation „M&M's“
Berichte beschreiben eine ukrainische Drohnenoperation mit dem Decknamen „M&M's“, die darauf vorbereitet worden sein soll, den zivilen Flugverkehr über längere Zeit zu stören, vor allem an den Flughäfen, die Moskau bedienen. Den Berichten zufolge sah der Plan bis zu etwa 1.000 kleine, billige und einander ähnliche Drohnen in einer einzigen Nacht vor; der Name bezog sich auf ihre Zahl und ihr einheitliches Aussehen. Die beabsichtigte Wirkung waren nicht direkte Angriffe auf Infrastruktur, sondern dass ausländische Fluggesellschaften und Versicherer den russischen Luftraum als zu riskant einstufen. Das könnte Moskau teilweise vom internationalen Flugverkehr abschneiden, was nach Erwartung der Urheber des Plans den Druck auf russische Eliten und den Kreml erhöhen sollte. Der Plan wird nur in diesen Berichten beschrieben, und die Quellen zitieren keinen offiziellen Vertreter, der ihn bestätigt.