
Schweizer Staatsanwaltschaft soll Anklage auf Mord erhöhen – Crans-Montana-Barbesitzer wussten laut WhatsApp-Nachrichten von 2019 über Brandrisiko Bescheid
Anwälte der Familien der 41 Opfer des Bar-Brands vom 1. Januar drängen auf härtere Anklage, nachdem ein WhatsApp-Austausch aus dem Jahr 2019 aufgetaucht ist, der zeigt, dass die Besitzer ausdrücklich vor der Gefahr von Wunderkerzen gewarnt worden waren, die Akustikschaumstoff entzünden könnten.
Die WhatsApp-Warnung
Am 13. Dezember 2019 schrieb Jessica Moretti in einer WhatsApp-Gruppe mit Angestellten eine Nachricht, in der sie zur Vorsicht mit Wunderkerzen an Flaschen riet. Sie warnte das Personal, zu bleiben, bis die Kerze erloschen sei, denn wenn sie auf ein Sofa, den Boden falle oder hoch gehalten werde und den Schaumstoff verbrenne, „brennt das Constellation“. Ein Mitarbeiter antwortete: „Wir werden vorsichtig sein, keine Sorge“, und sie schickte einen Daumen-hoch-Emoji. Die Nachrichten, die von der Familie der Kellnerin Cyane Panine stammen, die bei dem Brand ums Leben kam, wurden dem Paar während einer Gegenüberstellung am 5. Juni 2026 vorgelegt.
Wenn sie Wunderkerzen wollen, seid sehr vorsichtig, bleibt, bis die Wunderkerze erloschen ist, denn wenn sie fällt, auf das Sofa oder auf den Boden, oder wenn sie sie hochhalten und den Schaumstoff verbrennen, brennt das Constellation...
Der Brand und seine Ursache
In den frühen Morgenstunden des 1. Januar 2026 wütete ein Feuer im Keller der Bar Le Constellation im Schweizer Skiort. Die Ermittler gehen davon aus, dass Wunderkerzen von servierten Flaschen mit Polyurethan-Akustikschaumstoff an der Decke in Kontakt kamen und den tödlichen Brand auslösten. Bei dem Inferno kamen 41 Menschen ums Leben, 115 wurden verletzt, viele davon ausländische Touristen. Unter den Toten war Cyane Panine, eine 24-jährige französisch-schweizerische Kellnerin, deren Familie nun von Anwältin Sophie Haenni vertreten wird.
Forderung nach verschärfter Anklage
Die bestehenden Anklagen gegen Jacques und Jessica Moretti, das französische Paar, das die Bar besaß und betrieb, lauten auf fahrlässige Tötung. Nachdem sie die Nachrichten gesehen hatten, schrieben die Anwälte Haenni und Ludovic Tirelli, die mehrere Familien vertreten, an die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis und beantragten, die Anklage in „meurtre par dol éventuel“ (Mord mit Eventualvorsatz) umzustufen. Nach Schweizer Strafrecht findet dies Anwendung, wenn eine Person den Erfolg nicht anstrebt, aber die Möglichkeit ernsthaft in Betracht zieht und in Kauf nimmt. Im Falle einer Verurteilung drohen den Morettis bis zu 20 Jahre Gefängnis.
Dieser WhatsApp-Austausch beweist, dass das Ehepaar Moretti sich der hohen Entflammbarkeit des Akustikschaumstoffs vollkommen bewusst war. Dennoch baten sie Cyane, auf die Schultern eines Angestellten zu steigen, mit Flaschen, die mit Kerzen bestückt waren, in den Händen.
Die Gegenüberstellung am 5. Juni
Bei der Anhörung konfrontierten die Staatsanwälte die Morettis mit den Nachrichten aus dem Jahr 2019. Laut dem öffentlich-rechtlichen Sender RTS ließ der Austausch wenig Raum für Zweideutigkeiten. Haenni argumentiert, dass die Nachrichten zeigen, dass das Paar wusste, dass die Bar Feuer fangen könnte, und dieses Risiko in Kauf nahm, was den Fall über Fahrlässigkeit hinaushebe. Die Staatsanwaltschaft hat noch nicht entschieden, ob sie dem Antrag stattgibt. Wenn die Anklage verschärft wird, könnten die Morettis die härtere Strafe erhalten.
- Jessica Moretti warnt das Personal in einer WhatsApp-Gruppe vor der Brandgefahr durch Wunderkerzen.
- Brand im Le Constellation fordert 41 Tote und 115 Verletzte.
- Gegenüberstellung: Staatsanwaltschaft legt Morettis WhatsApp-Nachrichten vor.
- Anwälte beantragen, die Anklage auf Mord mit Eventualvorsatz zu erhöhen.


