
Moody's stuft Polens Bonität wegen wachsendem Haushaltsdefizit auf A3 herab
Moody's senkte am 18. September 2026 Polens Staatsrating von A2 auf A3 und revidierte den Ausblick auf stabil. Als Gründe nannte die Agentur anhaltende Haushaltsdefizite von rund 7 % des BIP und steigende Schuldendienstkosten.
Am Abend des 18. September 2026 stufte Moody's Polens langfristige Fremdwährungsverbindlichkeiten von A2 auf A3 herab – die erste Herabstufung des Landes in der Geschichte der Agentur. Zugleich senkte die Agentur Polens Kurzfristrating von Prime-1 auf Prime-2 und revidierte den Ausblick von negativ auf stabil. Moody's erklärte, die Herabstufung spiegele die Erwartung einer dauerhaften Verschlechterung der polnischen Haushaltskraft wider, bedingt durch anhaltende Defizite und gestiegene Schuldenkosten. Die Agentur prognostizierte, dass das gesamtstaatliche Defizit sowohl 2026 als auch 2027 bei rund 7 % des BIP bleiben wird. Die gesamtstaatliche Verschuldung soll von 59,7 % des BIP im Jahr 2025 auf 68,9 % im Jahr 2027 steigen, wobei sich die Schuldenquote Ende der 2020er-Jahre zwischen 70 % und 75 % stabilisieren dürfte.
- 2025
- 59.7 % des BIP
- 2027
- 68.9 % des BIP
Haushaltspolitischer Druck und strukturelle Grenzen
Moody's wies darauf hin, dass hohe Ausgabenverpflichtungen den Spielraum für eine Haushaltskonsolidierung einschränken. Hohe Mittel für die Landesverteidigung, steigende Gesundheitskosten, anhaltende öffentliche Investitionen und umfangreiche Sozialleistungsprogramme begrenzen die Möglichkeiten der Regierung, Haushaltseinsparungen zu erzielen. Die Ratingagentur verwies zudem auf eine abnehmende Wirksamkeit der Fiskalpolitik und führte eine expansive Haushaltspolitik in günstigen Konjunkturphasen sowie einen begrenzten Wiederaufbau fiskalischer Puffer an. Darüber hinaus wies die Agentur darauf hin, dass ein wachsender Teil der Schuldenaufnahme außerhalb der nationalen Schuldenregel erfolgt. Polen behält seine verfassungsrechtliche Schuldenobergrenze von 60 % des BIP und eine Vorsichtsschwelle von 55 % des BIP nach nationaler Definition bei, auch wenn politische Faktoren und die bevorstehenden Parlamentswahlen im November 2027 die Haushaltskonsolidierung weiterhin erschweren.
Reaktion der Regierung und innenpolitische Debatte
Nach der Entscheidung betonte Finanz- und Wirtschaftsminister Andrzej Domański, dass das Rating von Moody's nun den A- Bewertungen von Fitch und S&P entspreche. Domański hob hervor, dass das polnische Wirtschaftswachstum weiterhin robust sei, und forderte ein abgestimmtes Vorgehen aller staatlichen Institutionen.
Wir nehmen diese Entscheidung ernst, aber gelassen. Die polnische Wirtschaft wächst schnell, und ihre Fundamentaldaten bleiben stark. Wir werden die öffentlichen Finanzen konsequent stärken, aber das erfordert die Zusammenarbeit aller staatlichen Institutionen, einschließlich des Präsidenten.
Oppositionsabgeordnete und Vertreter des Präsidialamts kritisierten die Regierung nach der Ankündigung. Marcin Przydacz, Leiter des Büros für internationale Politik in der Präsidialverwaltung, argumentierte, die Entscheidung spiegle eine schwache Wirtschaftsführung wider.
Das ist kein gutes Zeugnis für Herrn Domański, den Ministerpräsidenten und das gesamte Team. Für die schlechte Haushalts- und Wirtschaftsführung werden wir alle als Polen bezahlen. Zu viele PR-Tricks und acht Sterne, und zu wenig echte Arbeit der Regierung.
Der Abgeordnete der Partei Recht und Gerechtigkeit, Andrzej Śliwka, kritisierte zudem Ministerpräsident Donald Tusk und Domański dafür, die Schuld trotz anhaltenden Wirtschaftswachstums auf Präsident Karol Nawrocki zu schieben.
Konsolidierungsoptionen und öffentliche Meinung
Die Herabstufung folgt auf die Veröffentlichung des Haushaltsentwurfs für 2027, der für 2026 und 2027 ein öffentliches Defizit von jeweils rund 7 % des BIP vorsieht. Piotr Bielski, Direktor der Abteilung für Wirtschaftsanalyse bei der Erste Bank Polska, erklärte, die Herabstufung sei angesichts dieser Entwurfszahlen erwartet worden. In der öffentlichen Debatte stehen derweil mögliche Maßnahmen zur Verringerung des wachsenden Finanzierungsbedarfs des Staates im Mittelpunkt. Eine von IBRiS für die Rzeczpospolita durchgeführte Umfrage ergab, dass 39,2 % der Befragten für eine Kürzung der Sozialleistungen zur Senkung des Defizits sind. Steuererhöhungen befürworteten 19,7 % der Befragten, während 16,8 % Kürzungen bei den Verteidigungsausgaben unterstützten. Nur 7 % befürworteten eine weitere Staatsverschuldung, und 31,8 % der Teilnehmer waren unentschlossen oder antworteten, es sei schwer zu sagen.
- Sozialausgaben kürzen
- 39.2 %
- Unentschlossen oder weiß nicht
- 31.8 %
- Steuern erhöhen
- 19.7 %
- Verteidigungsausgaben kürzen
- 16.8 %
- Weiterhin Schulden aufnehmen
- 7 %


