Kurz gefasst
Das Ministerium für öffentliche Sicherheit von Mississippi hat am Donnerstag, 22. Oktober, die Aufnahmen veröffentlicht, die den Schuss auf einen einjährigen Jungen am 14. Juni auf dem Parkplatz eines Walmart in Senatobia zeigen.
Generalstaatsanwältin Lynn Fitch erklärte am Montag, 19. Oktober, die Gewaltanwendung von Sergeant Hunter Foster sei angemessen gewesen und es sei keine Straftat begangen worden.
Ben Crump und Van Turner fordern eine Bundesuntersuchung; Crump nannte die Aufnahmen „von Anfang an exzessiv“.
- 14.06.Schuss auf dem Parkplatz eines Walmart in Senatobia, Mississippi
- 19.10.Generalstaatsanwältin Lynn Fitch erklärt den Schuss für gerechtfertigt
- 21.10.Ausschnitte aus den Aufnahmen kursieren im Netz
- 22.10.Das Ministerium für öffentliche Sicherheit von Mississippi veröffentlicht das Bodycam-Video
Die Aufnahmen des Schusses
Das Ministerium für öffentliche Sicherheit von Mississippi hat am Donnerstag, 22. Oktober, Bodycam-Aufnahmen veröffentlicht, die zeigen, wie ein Beamter am 14. Juni auf dem Parkplatz eines Walmart in Senatobia einen einjährigen Jungen erschoss. Die Stadt liegt rund 65 Kilometer südlich von Memphis im Bundesstaat Tennessee. Beamte der Polizei von Senatobia waren einem Hinweis auf einen Ladendiebstahl in dem Geschäft nachgegangen. Die Aufnahmen zeigen, wie mehrere Beamte sich mit gezogenen Waffen einem geparkten Auto nähern. Als das Fahrzeug in ein nahe geparktes Auto zurücksetzt, fordern die Beamten die Frau am Steuer auf anzuhalten. Als das Auto anschließend vorwärts fährt, tritt Sergeant Hunter Foster mit gezogener Waffe vor das Fahrzeug und feuert durch das vordere Beifahrerfenster, wo der Junge auf dem Schoß seiner Mutter saß.
Durchgesickerte Ausschnitte und die Bewertung des Bundesstaates
Kurze Ausschnitte waren am Mittwoch, 21. Oktober, vor der offiziellen Veröffentlichung im Netz kursiert; Darkhorse Press, ein Medium aus Mississippi, berichtete zuerst über das Material. Am Montag, 19. Oktober erklärte Generalstaatsanwältin Lynn Fitch, der Schuss sei gerechtfertigt gewesen. Das Büro der Generalstaatsanwältin teilte mit, eine monatelange Untersuchung habe ergeben, dass Fosters Gewaltanwendung angemessen gewesen sei und keine Straftat vorliege. Die Erklärung enthielt laut einem griechischen Bericht keine Begründung für die Entscheidung. Fosters Anwalt Martin Zummach sagte, der Sergeant habe „keine andere Wahl“ gehabt, als auf das Fahrzeug zu schießen, weil es ihn beinahe erfasst hätte.
Die Reaktion der Familie
Ben Crump und Van Turner, die die Familie vertreten, hielten am Donnerstag in der Senatobia Church of Christ eine Pressekonferenz ab, kurz nachdem Angehörige die Aufnahmen gesehen hatten. Crump nannte die Aufnahmen „von Anfang an exzessiv“ und sagte, die Beamten seien mit gezogenen Waffen auf die Frauen und das Baby zugegangen. Die Frauen hätten nach Darstellung der Behörden ein Paket Windeln mitgenommen, und keine der Frauen sei jemals wegen Ladendiebstahls festgenommen worden. Crump betonte diesen Punkt während der Pressekonferenz.
„Wir sind die wohlhabendste Nation der Welt und ziehen Waffen, um auf Menschen wegen des Verdachts eines Vergehens im Zusammenhang mit Babywindeln zu schießen?“
Die Großmutter väterlicherseits des Jungen, Lasandra Williams, sagte, sie könne die Bewertung nach dem Ansehen der Aufnahmen nicht akzeptieren.
„Nach dem, was ich heute gesehen habe, fällt es mir schwer, das Wort „gerechtfertigt“ zu verstehen.“
Umstrittene Details und offene Fragen
Die Darstellungen weichen darin voneinander ab, wer das Auto fuhr. Spanischsprachige Berichte nennen eine Freundin der Familie am Steuer, während ein griechischer Bericht angibt, die Schwester der Mutter habe gefahren. Derselbe griechische Bericht besagt, die Anwältin der Mutter habe erklärt, beide Frauen bestritten die Vorwürfe des Ladendiebstahls, und keine von ihnen sei in der Sache beschuldigt worden. Die Mutter hat angegeben, die Beamten hätten gewusst, dass ein Baby im Auto war, da sie ihn während des Vorfalls hochgehoben habe. Nach Angaben ihrer Anwältin war der beteiligte Beamte zwei Tage vor dem Schuss wegen einer rassistischen Äußerung gemeldet worden.
Die nächsten Schritte
Die Anwälte der Familie fordern eine Bundesuntersuchung des Schusses. Crump sagte auf der Pressekonferenz, der Junge wäre Anfang November zwei Jahre alt geworden. Die Großmutter mütterlicherseits des Jungen sagte, die Angehörigen hätten von der Entscheidung aus Nachrichtenberichten erfahren, und niemand aus dem Büro der Generalstaatsanwältin habe sich vorher an die Familie gewandt.