
Markus Söder sagt, Minijobs 'bleiben' – im Konflikt mit Rentenreform-Plan der Bundesregierung
CSU-Chef Markus Söder hat sich von der Forderung einer Regierungs-Rentenkommission zur Abschaffung der geringfügig entlohnten 'Minijobs' distanziert, verspricht ihren Fortbestand und warnt vor Schäden für Gastronomie, Einzelhandel und Landwirtschaft.
Söders Garantie
CSU-Chef Markus Söder hat in der deutschen Renten- und Sozialreformdebatte eine rote Linie gezogen. Im Interview mit der Augsburger Allgemeinen erklärte der bayerische Ministerpräsident: "Die Minijobs bleiben", und widersetzte sich damit einer zentralen Empfehlung der Rentenkommission der Koalition. Die derzeitige Grenze für einen Minijob liegt bei 603 Euro im Monat, und die Kommission hatte vorgeschlagen, den besonderen Steuer- und Sozialversicherungsstatus dieser geringfügigen Beschäftigungen abzuschaffen und sie in die gesetzliche Rentenversicherung einzugliedern.
Die Minijobs bleiben.
Söder räumte ein, dass der Schutz von Minijobbern vor Altersarmut diskutiert werden könne, bestand aber darauf, dass eine Abschaffung falsch wäre und "wichtige Branchen wie Gastronomie, Einzelhandel oder Landwirtschaft schwer schädigen würde". Er fügte hinzu, dass die eigentlichen Rentenreformen woanders lägen.
Die großen Reformen für die Rente sind andere: die Abschaffung der Rente mit 63 und der Einstieg in die kapitalgedeckte Altersvorsorge.
Entwurf der Kommission
Die Rentenkommission, eingesetzt von der schwarz-roten Koalition aus CDU, CSU und SPD, hatte die Regierung aufgefordert, ihre Vorschläge eins zu eins umzusetzen. Ihre zentrale Empfehlung war die Abschaffung der Minijob-Ausnahme, die seit 2003 besteht. Nur Schülerinnen und Schüler sollten weiterhin ausgenommen sein. Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hatte davor gewarnt, "das Gesamtkonstrukt zu zerreden", während Söder unmittelbar nach der Veröffentlichung der Empfehlungen Kritik geäußert hatte.
Aufstand der Wirtschaft
Ein breites Bündnis von Wirtschaftsverbänden hat Söders Position untermauert. In einem Warnschreiben an die Ministerinnen Bas und Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) forderten der Handelsverband Deutschland, der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband, die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände in der Land- und Forstwirtschaft und andere Branchenverbände, die Minijobs in ihrer jetzigen Form zu erhalten. Sie argumentierten, dass eine Abschaffung oder eine deutliche Kostensteigerung sowohl Arbeitnehmer als auch Unternehmen treffen würde, und wiesen darauf hin, dass Millionen Menschen Minijobs bewusst gewählt hätten – während des Studiums, bei der Kindererziehung, der Pflege von Angehörigen oder neben einer Hauptbeschäftigung.
- Minijob ('geringfügige Beschäftigung') als Brücke in eine feste Anstellung eingeführt.
- Rentenkommission empfiehlt Abschaffung der Minijobs und Eingliederung in die Rentenversicherung; nur Schüler bleiben ausgenommen.
- Markus Söder teilt der Augsburger Allgemeinen mit, Minijobs 'bleiben', und sagt, eine Abschaffung würde Gastronomie, Einzelhandel und Landwirtschaft schaden.
- Wirtschaftsverbände warnen die Ministerinnen Bas und Warken vor der Abschaffung oder Verteuerung von Minijobs.
- SoVD-Vorsitzende Engelmeier kritisiert Söder als rückwärtsgewandt und sagt, eine vollständige Rentenversicherung bekämpfe Altersarmut, insbesondere bei Frauen.
Sozialkritiker lehnen sich auf
Der Sozialverband Deutschland (SoVD) verurteilte Söders Intervention sofort. Vorsitzende Michaela Engelmeier bezeichnete seine Äußerungen als rückwärtsgewandt.
Denn indem Minijobs künftig voll rentenversicherungspflichtig werden, wird ein sehr wichtiger Baustein zur Bekämpfung von Altersarmut gelegt. Hier wurden bisher insbesondere Frauen benachteiligt, weil sie aufgrund fehlender Kinderbetreuungsmöglichkeiten oft nur in Teilzeit oder Minijobs arbeiten können.
Sie forderte Investitionen in die Infrastruktur von Krippe, Kindergarten und Hort und argumentierte, dass eine vollständige Rentenversicherung der effektivere Weg sei.
Koalitionskonflikte
Söders öffentliche Garantie legt einen Riss innerhalb des Regierungsbündnisses offen. Während CDU, CSU und SPD zunächst signalisiert hatten, die Empfehlungen der Kommission praktisch unverändert zu übernehmen, wirft das explizite Versprechen des CSU-Chefs, die Minijobs nicht anzutasten, Fragen auf, wie viel von dem Entwurf das Gesetzgebungsverfahren überstehen kann. Die Debatte stellt die Kanzlerpartei und ihren Koalitionspartner gegen einen zentralen Bestandteil des Reformpakets, während die Staatsfinanzen bereits unter Druck stehen.


