
Migrantenansturm auf Ceuta: 50.000 überqueren Grenze aus Marokko, 72 Tote, EU streitet über Schengen-Aussetzung
Ein Massenübertritt von 50.000 bis 60.000 Migranten aus Marokko in die spanische Enklave Ceuta in der vergangenen Woche forderte mindestens 72 Todesopfer, die meisten ertranken, und löste eine politische Krise aus, da 22 EU-Staaten Spaniens Aussetzung aus dem Schengen-Raum forderten.
Der Grenzübertritt
Am 30. Juli drängten sich 50.000 bis 60.000 Menschen, meist junge Marokkaner, von Marokko aus gewaltsam in die spanische Enklave Ceuta. Marokkanische Gendarmen, die normalerweise die Grenze sichern, hatten ihre Posten verlassen, wie spanische Berichte der Guardia Civil ergaben. Viele versuchten, um die Grenzmole zu schwimmen, was zu Ertrinkungsfällen führte. Bis Sonntag hatten die spanischen Behörden 72 Todesfälle bestätigt, während Ceutas Führer Juan Jesús Vivas von 88 Leichen im Leichenschauhaus und weiteren auf marokkanischer Seite sprach. Marokko meldete 11 zusätzliche Todesfälle.
Es ist eine Gräueltat. Es liegen 88 Leichen im Leichenschauhaus, und auf der anderen Seite der Grenze sind es noch mehr.
Spanien setzte Truppen ein und brachte in Abstimmung mit Marokko bis Freitagabend 48.300 Menschen zurück. Bis Montag hielten sich zwischen 2.500 und 5.000 Migranten in Ceuta auf, einer Stadt mit 84.000 Einwohnern auf nur 19 Quadratkilometern.
Politische Folgen und EU-Reaktion
Der Zustrom löste eine schwere politische Krise innerhalb der EU aus. Italien und Dänemark führten 22 Mitgliedstaaten an, die Spaniens Aussetzung aus dem Schengen-Raum für den freien Reiseverkehr forderten, obwohl Ceuta nicht Teil des Schengen-Raums ist. Spanien verurteilte die Forderung als „egoistisch“ und beantragte eine Dringlichkeitssitzung der EU-Innenminister, die für Dienstag, den 4. August, angesetzt ist.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen forderte eine „gemeinsame europäische Antwort“ und schlug eine verstärkte Überwachung, physische Barrieren wo nötig und mehr Unterstützung für Marokko vor, um künftige Grenzübertritte zu verhindern.
Diese Episode zeigt deutlich, dass wir weiter gehen und unsere Grenzen an den sensibelsten Punkten verstärken müssen.
Sie betonte auch, dass der Schutz der Außengrenzen eine gemeinsame europäische Verantwortung sei. Die Kommission hat die Migrationsregeln bereits verschärft und erlaubt den Mitgliedstaaten, abgelehnte Asylbewerber in Rückführungszentren außerhalb der EU zu schicken.
Vorwürfe gegen Marokko
Spanische Politiker aller Couleur beschuldigten Marokko, den Massenübertritt als erzwungene Migrationstaktik inszeniert oder zugelassen zu haben. Ceutas Führer Juan Jesús Vivas sagte, die Bewohner sähen darin einen Angriff auf Spaniens territoriale Integrität, „wenn nicht inszeniert, so doch zumindest ermutigt oder zugelassen von Marokko.“ Spanische Geheimdienstquellen sagten El País, dass der Zustrom zwar nicht von den marokkanischen Behörden geplant gewesen sei, sie ihn aber nicht gestoppt und in einigen Fällen sogar erleichtert hätten.
Nennen wir die Dinge beim Namen: Marokko benutzt Menschen, um unsere Souveränität anzugreifen.
Ministerpräsident Pedro Sánchez bezeichnete das Ereignis als „Angriff“, vermied es jedoch, Rabat direkt zu beschuldigen, und verwies stattdessen auf Menschenschmuggler. Seine vorsichtige Haltung stieß sowohl bei konservativen Gegnern als auch bei linken Verbündeten auf Kritik, die argumentierten, dass Marokko für die Todesfälle zur Rechenschaft gezogen werden müsse. Außenminister José Manuel Albares bekräftigte, dass Spaniens Souveränität über Ceuta und Melilla „unbestreitbar“ sei.
Unbegleitete Minderjährige
Unter den in Ceuta Verbliebenen befinden sich nach Angaben der lokalen Behörden schätzungsweise 860 unbegleitete Minderjährige, während Save the Children die Zahl auf fast 1.000 beziffert. Viele schlafen an Stränden, in den Hügeln oder in einem stillgelegten Industriegebiet, ohne Nahrung und Unterkunft. Ein 17-jähriges Mädchen aus Tanger sagte der AP, sie habe ihren 8-jährigen Bruder ertrinken und ihre Mutter im Chaos verschwinden sehen. „Ich sah, wie Leute über die Toten stiegen. Jetzt betteln wir Kinder auf der Straße“, sagte sie. Ein 12-jähriger Junge wurde nach dem Eingreifen von Anwohnern und Journalisten an der Rückführung gehindert und der Guardia Civil übergeben. Nach spanischem Recht genießen unbegleitete Minderjährige besonderen Schutz.
Was als Nächstes kommt
Die Videokonferenz der EU-Innenminister am Dienstag soll voraussichtlich Lehren aus der Ceuta-Episode ziehen und auf einen einheitlichen Ansatz zur irregulären Migration hinarbeiten. Von der Leyen schlug Frühwarnsysteme und verstärkte technische und finanzielle Unterstützung für Marokko vor. In der Zwischenzeit bewältigt Spanien weiterhin die humanitäre Lage in Ceuta, wo die Aufnahmezentren für Migranten überfüllt sind und Hilfsorganisationen vor einer sich verschlimmernden Krise warnen.
- Marokkanische Gendarmen verlassen Posten, Massenübertritt nach Ceuta beginnt
- Spanien bringt bis zum Abend 48.300 Migranten nach Marokko zurück
- Todeszahl erreicht 72–88; 2.500–5.000 verbleiben in Ceuta
- EU-Innenminister halten Dringlichkeitsvideokonferenz ab
- Nach Ceuta übergetreten
- 50000 Personen
- Nach Marokko zurückgebracht
- 48300 Personen
- In Ceuta verblieben
- 3000 Personen
- Unbegleitete Minderjährige
- 860 Personen
- Todesfälle
- 72 Personen

