
Rund 100 Häftlinge meutern im Gefängnis von Enna, besetzen alten Flügel und zerstören Kameras nach Telefonausfall
Rund 100 Häftlinge haben am Freitag in der Justizvollzugsanstalt Enna Teile des alten Flügels besetzt, Überwachungskameras zertrümmert und erheblichen Schaden angerichtet, nachdem tagelange Telefonstörungen sie daran gehindert hatten, ihre Familien zu kontaktieren.
Am Freitagmorgen eskalierte eine gewaltsame Meuterei im Luigi-Bodenza-Gefängnis in Enna, Sizilien. Rund 100 Insassen besetzten den alten Flügel, zerstörten Überwachungskameras und richteten erhebliche Schäden an der Einrichtung an. Die Unruhen folgten auf tagelange Spannungen, nachdem ein Blitzschlag die Telefonanlagen des Gefängnisses lahmgelegt und den Häftlingen die Möglichkeit genommen hatte, ihre Familien anzurufen. Obwohl die Störung am frühen Morgen behoben worden war, eskalierte die Situation zu einer vollständigen Besetzung und Randale.
Auslöser der Meuterei
Der Telefonausfall begann vor mehreren Tagen, als ein Blitzschlag die Telefonanlagen des Gefängnisses beschädigte. Die Häftlinge konnten ihre Angehörigen nicht kontaktieren, und die Frustration wuchs. Der Dienst wurde am Freitagmorgen wiederhergestellt, dennoch brach der Aufstand aus: Die Häftlinge besetzten Teile des alten Pavillons und verwüsteten das Gelände. Berichten zufolge wurden Überwachungskameras zertrümmert und Teile der Anlage in Brand gesetzt.
Gewerkschaftskritik und Haftbedingungen
Mimmo Nicotra, nationaler Vorsitzender des Verbands der Justizvollzugspolizei-Gewerkschaften, übte scharfe Kritik an der Regierung und Justizminister Carlo Nordio. Er brachte die Meuterei mit der chronischen Unterbesetzung und dem heruntergekommenen Zustand der Haftanstalt in Verbindung.
Seit Monaten prangern wir die gravierende Personalnot im Luigi-Bodenza-Gefängnis in Enna an. Wir hatten gefordert, die Häftlinge zu evakuieren, um die Renovierung des heruntergekommenen Gefängnisses zu ermöglichen. Die Propaganda der Regierung und von Minister Carlo Nordio prallt an der Realität der italienischen Gefängnisse ab. 65.000 Häftlinge, zusammengepfercht in Anstalten, die wahre Pulverfässer sind. In Enna wurden die Insassen nicht evakuiert, sondern in andere Abteilungen derselben Anlage verlegt. Jetzt ist die Lage äußerst ernst.
Nicotras Äußerungen unterstreichen langjährige Beschwerden über Personalmangel und die unterbliebenen versprochenen Renovierungsarbeiten. Die Gewerkschaft hatte zuvor gefordert, das Gefängnis zu räumen, damit bauliche Verbesserungen vorgenommen werden können. Stattdessen wurden die Insassen lediglich in andere Teile desselben alternden Komplexes verlegt.
Jüngste Sicherheitsvorfälle
Die Meuterei ereignete sich nur wenige Tage nach einem weiteren Sicherheitsalarm in derselben Haftanstalt. Die Autonome Gewerkschaft der Justizvollzugspolizei (SAPPE) meldete einen zweiten Fluchtversuch innerhalb kurzer Zeit, der von Beamten vereitelt werden konnte. Bei diesem Vorfall stürzte ein Häftling und brach sich ein Bein, als er versuchte, eine Innenmauer zu überwinden, um an einen Bereich zu gelangen, in den von außen Pakete geworfen werden. Die Gewerkschaft hat wiederholt auf strukturelle Schwachstellen hingewiesen, die es Häftlingen ermöglichen, den inneren Sicherheitsbereich zu erreichen, und erklärt, dass finanzierte Sicherheitsverbesserungen noch nicht umgesetzt wurden.
Weiterer Kontext
Die Ereignisse in Enna verdeutlichen die weitreichenden Spannungen im italienischen Strafvollzugssystem. Nicotras Verweis auf 65.000 Häftlinge in Anstalten, die er als „Pulverfässer“ beschrieb, spiegelt die anhaltende Überbelegung und die Infrastrukturprobleme wider. Eine unmittelbare Reaktion von Minister Nordio oder der Regierung ist nicht bekannt.


