
Erster Bundesprozess gegen Meta wegen Social-Media-Sucht von Jugendlichen beginnt in Oakland
Am Mittwoch begann in Oakland, Kalifornien, die Auswahl der Geschworenen im ersten US-Bundesprozess gegen Meta. Es geht um den Vorwurf, Instagram und Facebook seien so gestaltet, dass sie Minderjährige süchtig machen. 29 Bundesstaaten fordern Strafzahlungen von bis zu 1,4 Billionen US-Dollar.
Prozess beginnt in Oakland
Am Mittwoch, dem 12. August, begann in Oakland, Kalifornien, die Auswahl der Geschworenen im ersten US-Bundesgerichtsprozess gegen Meta. Es geht um den Vorwurf, Instagram und Facebook seien so gestaltet, dass sie Minderjährige abhängig und psychisch krank machen. Bundesrichterin Yvonne Gonzalez Rogers befragte potenzielle Geschworene zu ihrer Einstellung zu Online-Netzwerken und Meta. Sie fragte, ob sie Konten bei Online-Diensten hätten, ob ihre Kinder solche Angebote nutzten und ob sie die Dienste für psychische Gesundheitsprobleme verantwortlich machten. Einige Geschworene sagten, sie glaubten, dass Online-Netzwerke das psychische Wohlbefinden beeinflussen. Acht Geschworene sollen ausgewählt werden, wobei die Richterin die endgültige Entscheidung trifft. Die Geschworenen haben nur eine beratende Funktion. Die etwa sechswöchigen Verhandlungen sollen am Dienstag, dem 18. August, beginnen, ein Urteil wird Anfang Oktober erwartet. Meta-CEO Mark Zuckerberg soll Ende September für eine dreistündige Befragung erscheinen.
Bundesstaaten fordern 1,4 Billionen US-Dollar Strafen
Vier US-Bundesstaaten – Kalifornien, Colorado, Kentucky und New Jersey – fordern weitreichende Beschränkungen für Instagram- und Facebook-Funktionen sowie Strafzahlungen von bis zu 1,4 Billionen US-Dollar (etwa 1,2 Billionen Euro). Diese Summe entspricht fast der Marktkapitalisierung von Meta. Die Generalstaatsanwälte schätzen mehrere tausend Dollar Strafen pro betroffenem Jugendlichen landesweit. Der Fall zielt auf Designmerkmale wie endloses Scrollen, häufige Benachrichtigungen und Like-Zähler ab, nicht auf die auf den Plattformen veröffentlichten Inhalte, die nach US-Recht weitgehend immun sind. Insgesamt haben sich 29 Bundesstaaten der Klage am Bundesgericht in Oakland angeschlossen. Die Staaten werfen Meta außerdem vor, unrechtmäßig Daten von Minderjährigen zu sammeln.
- Frances Haugen veröffentlicht die Facebook Files, was Ermittlungen auslöst
- Auswahl der Geschworenen beginnt am Bundesgericht in Oakland
- Sechswöchige Verhandlungen sollen beginnen
- Mark Zuckerberg soll drei Stunden lang aussagen
- Urteil erwartet
Meta weist die Vorwürfe zurück
Meta hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen und erklärt, zuversichtlich zu sein, dass die Beweise sein langjähriges Engagement für die Unterstützung junger Menschen zeigen werden. Das Unternehmen erklärte, es habe auf Eltern gehört, mit Experten und Strafverfolgungsbehörden zusammengearbeitet und gründliche Untersuchungen durchgeführt, um die wichtigsten Probleme zu verstehen. Meta bestreitet auch, dass die Behauptung, Verbraucher über mögliche Gefahren getäuscht zu haben, haltbar sei, da „Social-Media-Sucht“ keine anerkannte psychische Erkrankung sei. Der Stanford-Psychiatrieprofessor Elias Aboujaoude, der zu diesem Thema forscht, räumte ein, dass es zwar keine einheitliche Diagnose gebe, die Forschung aber auf Warnsignale hinweise.
Das kann zu ungesunder, exzessiver, problematischer Nutzung führen, weil es letztlich auf die Anzahl der Likes ankommt.
Der kalifornische Generalstaatsanwalt Rob Bonta erklärte, Meta stelle den Profit über die Sicherheit von Kindern und verstoße gegen Verbraucherschutzgesetze.
Wie unsere Klage behauptet, stellt Meta den Profit über die Sicherheit von Kindern und verletzt Verbraucherschutzgesetze.
Die Unternehmen berufen sich auch auf Section 230 des Communications Decency Act, die Plattformbetreiber von der Verantwortung für nutzergenerierte Inhalte befreit.
Whistleblower-Ursprünge und breitere Klagewelle
Der Prozess geht auf die Facebook Files zurück, die Ende 2021 von der ehemaligen Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen durchgestochen wurden. Haugen sagte vor einem Senatsausschuss aus, dass das Unternehmen wissentlich den Profit über die Verbesserung des Jugendschutzes gestellt habe. Seit ihren Enthüllungen ist der öffentliche und politische Druck auf die Betreiber von Online-Plattformen gestiegen. Allein in den USA sind Tausende von Fällen von Bundesstaaten, lokalen Behörden, Schulbezirken und Einzelpersonen anhängig. Über 1.000 Schulbezirke verklagen verschiedene Online-Plattformen wegen angeblich süchtig machender Designs und fordern finanzielle Entschädigung für den zusätzlichen Betreuungsaufwand für Schüler, deren psychische Gesundheit durch soziale Medien beeinträchtigt wurde. Mehr als 3.300 Privatklagen wurden vor einem Gericht in Kalifornien gebündelt. In New Mexico wurde Meta zu Schadensersatz in Höhe von fast 1 Milliarde US-Dollar verurteilt, weil es eine Gefahr für die Öffentlichkeit darstellte; das Unternehmen hat Berufung angekündigt. Die Börse reagierte auf das Urteil aus New Mexico mit einem Rückgang von nur etwa einem halben Prozent. In einem Pilotverfahren sprach eine Jury einer Klägerin, die angab, süchtig nach Instagram und YouTube geworden zu sein, Millionen Schadensersatz zu. Ein weiteres Pilotverfahren wurde eingestellt, nachdem die Klägerin einen Vergleich mit TikTok, Snap und Google erzielt hatte. Meta einigte sich im Mai mit einem Schulbezirk in Kentucky. Drei weitere Pilotverfahren sind geplant, um die Reaktionen der Geschworenen auf die Vorwürfe zu testen.
- Bundesstaaten (gemeinsame Klage)
- 29
- Klagende Schulbezirke
- 1000
- Privatklagen (konsolidiert)
- 3300

