
Merz lobte Deutschlands ‚inspirierende‘ WM-Vorstellung trotz Ausscheidens – und erntete Kritik
Bundeskanzler Friedrich Merz lobte die ‚Leidenschaft und den Teamgeist‘ der Nationalmannschaft nach einer Niederlage im Elfmeterschießen gegen Paraguay, die Deutschlands WM beendete. Innerhalb weniger Stunden sammelte sein X-Beitrag mehr kritische Antworten als Likes, und der Begriff ‚Welches Spiel?‘ trendete.
Schon wieder ein frühes Aus
Die deutschen Fußballer wurden bei der WM 2026 im neu eingeführten Sechzehntelfinale ausgeschaltet – sie verloren gegen Paraguay im Elfmeterschießen. Die Niederlage folgte auf eine Gruppenphase mit einem deutlichen 7:1-Sieg über Curaçao und einem knappen 2:1-Erfolg gegen die Elfenbeinküste, aber auch einer Niederlage gegen Ecuador. Es war das dritte Turnier in Folge, bei dem der vierfache Weltmeister das Achtelfinale verpasste.
Spieler und Trainer Julian Nagelsmann beschönigten die Leistung nicht. Nagelsmann sagte, seine Mannschaft habe zu langsam gespielt, während Kapitän Joshua Kimmich keine Ausreden gelten ließ und meinte, eine Mannschaft, die einen schlagbaren Gegner nicht über 120 Minuten besiegen könne, habe das Ausscheiden verdient. Die Stimmung war geprägt von tiefer Enttäuschung.
Merz‘ taktloses Lob
In diese Tristesse platzte eine Nachricht von Bundeskanzler Friedrich Merz auf X. ‚Auch wenn das Aus wehtut: Was für ein Spiel, DFB-Team!‘ schrieb er. ‚Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch.‘ Der Beitrag war vom offiziellen Account des Kanzlers signiert.
Der optimistische Ton stand in scharfem Kontrast zur allgemeinen Einschätzung des Spiels, das Kommentatoren als eines der schwächsten des Turniers bezeichneten. Paraguay verteidigte tief, und Deutschland fehlte es über weite Strecken an Ideen und Intensität.
‚Welches Spiel?‘ trendet
Innerhalb weniger Stunden trendete der Begriff ‚Welches Spiel‘ auf X, als Nutzer Merz‘ Urteilsvermögen verspotteten. Viele fragten sich, ob der Kanzler das richtige Land gesehen habe. Ein Kommentator schrieb: ‚Haben Sie aus Versehen ein anderes Land geschaut?‘ Ein anderer witzelte, Jonathan Tahs verschossener Elfmeter im Shoot‑out sei ‚so treffsicher wie die Analyse unseres Kanzlers‘. Insgesamt sammelte der Beitrag mehr Antworten als Likes.
Ich weiß nicht, was schlimmer war. Das Spiel oder diese Analyse.
Politische Rivalen schalten sich ein
Die Reaktionen in den sozialen Medien spiegelten sich auch bei Politikern wider. Strack‑Zimmermann, FDP-Europaabgeordnete, verspottete die Aussage. Der X-Account der rechtsextremen AfD verknüpfte das Lob mit Merz‘ eigener Politik: ‚Merz hat sich so sehr daran gewöhnt, die miserable Leistung seiner CDU schönzureden, dass er einfach nicht anders kann.‘ Sevim Dagdelen von der linken BSW diagnostizierte ‚Realitätsverlust auf Kanzlerebene, genau wie bei seiner Politik‘.
Realitätsverlust auf Kanzlerebene. Genau wie bei seiner Politik.
Leitmotiv einer ‚Leistungsgesellschaft‘
Die Berliner Zeitung argumentierte, dass Merz‘ Botschaft seiner langjährigen politischen Botschaft widerspreche. Als Kanzler hat Merz sich als Prediger der ‚Leistungsgesellschaft‘ stilisiert und dafür geworben, dass Anstrengung und Ergebnisse belohnt werden müssten und Sozialhilfeempfänger zur Arbeit gedrängt werden sollten. Ein Team auf der größten Sportbühne allein für den Einsatz zu loben, so die Zeitung, sende ein Signal, dass gute Absichten nun über Ergebnisse stünden – ein gefährlicher Präzedenzfall für eine Mannschaft, die bei drei aufeinanderfolgenden Weltmeisterschaften enttäuscht habe.


