
Friedrich Merz sieht sich nach der Niederlage in Sachsen-Anhalt mit einer internen CDU-Revolte konfrontiert
Nach einem Einbruch auf 17,2 % in Sachsen-Anhalt sieht sich Bundeskanzler Friedrich Merz vor den Wahlen am 20. September in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin offener Kritik des CDU-Arbeitnehmerflügels und von Landtagskandidaten ausgesetzt.
Reaktionen auf die Niederlage in Sachsen-Anhalt
Bundeskanzler Friedrich Merz sieht sich nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 wachsendem Widerstand innerhalb der Christlich Demokratischen Union (CDU) ausgesetzt. Bei dieser Wahl fiel die CDU auf 17,2 Prozent der Stimmen und verlor mehr als die Hälfte ihrer bisherigen Wählerschaft, während die Alternative für Deutschland (AfD) 43,8 Prozent erreichte. Die AfD, die vom Landesverfassungsschutz Sachsen-Anhalt als eindeutig rechtsextremistisch eingestuft wird, verfehlte knapp die absolute Mehrheit der Parlamentssitze. Merz erklärte am Tag nach der Niederlage, ein Rücktritt komme nicht in Frage, und beharrte darauf, seine Reformagenda fortzusetzen, müsse die Politik jedoch wirksamer erklären. Die Unzufriedenheit der Wähler mit der Bundesregierung konzentriert sich jedoch weiterhin auf die CDU, wobei Merz‘ persönliche Zustimmungswerte in ganz Ostdeutschland auf einstellige Werte gefallen sind.
- Bundeskanzler Friedrich Merz wird bei einem Wahlkampfauftritt in Kühlungsborn ausgebuht.
- Die CDU fällt bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt auf 17,2 %, während die AfD 43,8 % gewinnt.
- CDA-Chef Dennis Radtke und Landtagskandidat Daniel Peters kritisieren offen Merz' Führung.
- Landtagswahlen finden in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin statt.
Arbeitnehmerflügel fordert strategische Wende
Die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA), der sozialpolitische Flügel der CDU, griff am 11. September 2026 direkt die Parteiausrichtung an. In einem Brief an die CDA-Mitglieder erklärte Vorsitzender Dennis Radtke die von Merz und dem damaligen Generalsekretär Carsten Linnemann vor der Bundestagswahl 2025 aufgestellte Plattform „CDU pur“ für gescheitert. Radtke argumentierte, eine kompromisslose konservative Haltung habe christlich-soziale und liberale Mitglieder marginalisiert, ohne Koalitionsversprechen einzulösen. Er stellte fest, dass 70 Prozent der von der CDU in Sachsen-Anhalt verlorenen Wähler der Meinung seien, die Partei kümmere sich nicht um Arbeiter. Radtke wiederholte seine Bedenken hinsichtlich der öffentlichen Rhetorik des Kanzlers in einem Interview mit dem Magazin Focus.
Wenn der Bundeskanzler regelmäßig das halbe Land mit bestimmten Äußerungen gegen sich aufbringt, ist das kontraproduktiv.
Radtke kritisierte Merz zudem dafür, dass er in einem Fernsehauftritt Ärzte als Systemausbeuter dargestellt und Debatten über die Krankschreibung von Arbeitnehmern ausgelöst habe. Er forderte den Bundesvorstand der Partei auf, seine Prioritäten auf Planungssicherheit für Unternehmen, Bürokratieabbau, schnellere Genehmigungen und niedrigere Energiepreise zu lenken, anstatt weitere geschlossene Kabinettsklausuren abzuhalten.
Wer das Christlich-Soziale für Unfug und seine Vertreter für Störenfriede erklärt, verfehlt konsequent den Kern und das frühere Erfolgskonzept der Christlichen Demokratie.
Ost-Kandidaten distanzieren sich
Die Spannungen zwischen der Bundesführung und den Landesverbänden verschärften sich vor den für den 20. September 2026 angesetzten Landtagswahlen. In Mecklenburg-Vorpommern, wo die CDU vor dreißig Jahren noch die Landesregierung anführte, zeigen jüngste Umfragen einen Rückgang der Partei auf 7 oder 8 Prozent. Der Spitzenkandidat des Landes, Daniel Peters, bestätigte bei Welt TV, dass es vor der Wahl keine weiteren gemeinsamen Wahlkampfauftritte mit Merz geben werde, nachdem der Kanzler am 31. August in Kühlungsborn von Besuchern ausgebuht worden war. Der stellvertretende Landesvorsitzende Tino Schomann ging noch weiter und forderte Merz öffentlich zum Rücktritt auf, da er für ungeeignet halte, das Land zu führen. Peters warnte davor, dass die öffentliche Unzufriedenheit mit der Bundesregierung die Wahlkämpfe auf Landesebene direkt schädige.
Wir führen jetzt einen Überlebenskampf.
Umfrageverschiebungen vor den Wahlen am 20. September
Die Wahllandschaft in Mecklenburg-Vorpommern zeigt die AfD mit 36 bis 38 Prozent auf Platz eins, gefolgt von der regierenden SPD unter Ministerpräsidentin Manuela Schwesig mit rund 33 Prozent und der Linken mit 9 bis 11 Prozent. Die dortige AfD wird vom Verfassungsschutz informell als rechtsextremistischer Verdachtsfall behandelt, jedoch im aktuellen Jahresbericht der Behörde nicht offiziell als eindeutig extremistisch eingestuft. Parallel zu den Landtagswahlen finden am 20. September Wahlen in Berlin statt, bei denen die CDU in einem engen Wettbewerb mit der Linken um den ersten Platz liegt. Ein Sprecher der Bundesregierung wies am 11. September Gerüchte über eine Parteirevolte zurück, während sich die CDU auf die Abstimmungen in beiden Ländern am 20. September vorbereitet.
- AfD
- 43.8 %
- CDU
- 17.2 %

