
Merz präsentiert Steuersenkungspaket von 10 Mrd. Euro und Rentenreform zur Wiederbelebung der deutschen Wirtschaft und Eindämmung des Rechtsrucks
Bundeskanzler Friedrich Merz und seine Koalitionspartner haben am Donnerstag ein 34-Punkte-Reformpaket vorgestellt, darunter jährliche Steuererleichterungen von 10 Milliarden Euro für Familien mit mittlerem Einkommen, ein höheres Renteneintrittsalter und strengere Regeln für die Krankschreibung – im Bestreben, die größte Volkswirtschaft Europas anzukurbeln und den Aufstieg der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland zu stoppen.
Das Abkommen
Nach einer siebeneinhalbstündigen Marathonsitzung über Nacht einigte sich die Koalition aus Merz' Mitte-rechts-Union (CDU/CSU) und der Mitte-links-SPD auf ein Paket, das sie als Wendepunkt bezeichnete. „Heute ist ein guter Tag für Deutschland“, sagte Merz Journalisten im Garten des Kanzleramts. Die Regierung will den 34-Punkte-Plan bis Jahresende in Gesetze gießen.
Wir wollen Deutschland wieder auf Kurs bringen. Jetzt ist klar, dass dies möglich ist.
Steuer- und Rentenreformen
Herzstück sind jährliche Steuersenkungen von 10 Milliarden Euro, die bis 2028 voll wirksam werden. Eine vierköpfige Familie mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 60.000 Euro würde mehr als 600 Euro pro Jahr sparen, finanziert durch eine Anhebung des Spitzensteuersatzes auf 47 Prozent für Einkommen über 280.000 Euro (mit einer 45-Prozent-Stufe ab 250.000 Euro). Das marode Umlageverfahren der Rente soll nach Empfehlungen einer unabhängigen Kommission grundlegend reformiert werden: eine schrittweise Anhebung des Rentenalters entsprechend der Lebenserwartung und eine neue kapitalgedeckte Säule.
In strategisch wichtigen Bereichen wie Infrastruktur oder Verteidigung werden wir uns auf europäische Produktion konzentrieren. Unser Standpunkt ist klar: Wir wollen offenen Handel. Aber wir werden nicht akzeptieren, dass andere sich nicht an die Regeln halten.
Arbeitsmarkt und Bürokratieabbau
Zu den umstrittensten Maßnahmen gehört, dass Arbeitnehmer kein Recht mehr haben, sich telefonisch krankschreiben zu lassen, und ab dem ersten Tag der Krankheit ein ärztliches Attest vorlegen müssen – die bisherige dreitägige Karenzzeit entfällt. Unternehmen können Neueinstellungen bis 2030 befristete Verträge von bis zu 48 Monaten anbieten und werden bei der Kündigung von sehr gut verdienenden Mitarbeitern weniger Hürden ausgesetzt sein. Die Sonntagsöffnungszeiten für Bäckereien und Cafés werden ausgeweitet, und die Steueranreize für Arbeit an Feiertagen steigen. Auch der Bürokratieabbau ist ein Ziel: Die Zahl der Stellen in Bundesministerien soll durch Digitalisierung um acht Prozent reduziert werden.
Wir wissen, dass dies eine harte Entscheidung ist. Aber wir können uns diesen Wettbewerbsnachteil durch lange Arbeitsunfähigkeitszeiten nicht länger leisten.
Politischer Drahtseilakt
Die Koalition ist tief unpopulär. Nur zwölf Prozent der Deutschen geben an, mit der Regierung zufrieden zu sein, und die AfD führt in den bundesweiten Umfragen, mit einem noch deutlicheren Vorsprung in zwei ostdeutschen Bundesländern, in denen im September Wahlen anstehen. Merz hofft offen, dass die Ergebnisse seine Umfragewerte steigern werden. „Ich erwarte, dass die Zustimmung in der Bevölkerung steigt, sobald klar wird, dass wir auf dem richtigen Weg bleiben“, sagte er.
Man ist versucht zu rufen: 'Endlich!' Es hat ein Jahr gedauert, aber der 'Reformsommer' ist da.
Der Ökonom Holger Schmieding nannte das Paket „viele kleine Schritte“, die in Verbindung mit Sozialreformen „einen großen Fortschritt ergeben“ könnten. Die Gesetzgebung soll bis Jahresende den Bundestag erreichen – ein Test dafür, ob die politische Mitte noch handlungsfähig ist.

