
Friedrich Merz bringt Kiew ein Hilfspaket über eine Milliarde Euro – trotz Spannungen in der Berliner Koalition
Bundeskanzler Friedrich Merz ist mit einer Wirtschaftsdelegation nach Kiew gereist, um ein Militär- und Energiehilfspaket über eine Milliarde Euro anzukündigen, während russische Raketen die Hauptstadt trafen und seine Koalition innenpolitisch unter Druck stand.
Bilaterales Hilfspaket und Industrievereinbarungen
Bundeskanzler Friedrich Merz ist am Sonntag, dem 4. Oktober 2026, in Kiew eingetroffen, begleitet von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und Vertretern der deutschen Verteidigungs- und Energieindustrie. Während der nicht angekündigten Reise legte Berlin ein neues militärisches und wirtschaftliches Unterstützungspaket im Wert von einer Milliarde Euro auf, um die Ukraine vor Beginn ihres fünften Kriegswinters zu unterstützen. Die Mittel sehen die gemeinsame Produktion unbemannter Luftfahrzeuge zur Abwehr düsengetriebener Drohnen, Lieferungen weitreichender Waffen und die Bereitstellung spezialisierter Telekommunikationstechnik vor. Ein Teil des Pakets ist zudem für den Wiederaufbau beschädigter ukrainischer Energieinfrastruktur vor dem winterlichen Strombedarf vorgesehen. An der Delegation beteiligte Unternehmen, darunter Siemens Energy, schlossen in Kiew bilaterale Abkommen und schufen einen Rahmen, in dem deutsche und EU-Finanzhilfen direkte Aufträge für heimische Industrieproduzenten ermöglichen.
- Merz hält außenpolitische Rede bei einer NATO-Friedenspreisverleihung
- Das russische Außenministerium warnt ausländische Vertreter vor einem Besuch in Kiew
- Merz und die deutsche Wirtschaftsdelegation treffen mit einer Hilfszusage über eine Milliarde Euro in Kiew ein
- Eine russische Rakete trifft die Nordbrücke in Kiew
Raketenangriffe während des Kiew-Besuchs
Der Besuch fand unter erhöhten Sicherheitsbedingungen statt, nachdem das russische Außenministerium offiziell erklärt hatte, ausländische Diplomaten und Besucher sollten Kiew verlassen, und vor verstärkten Luftangriffen gewarnt hatte. Einen Tag vor Merz' Ankunft sprach Moskau gezielte Warnungen gegen Besuche ausländischer Regierungsdelegationen aus. Kurz nachdem Merz die ukrainische Hauptstadt erreicht hatte, führten russische Streitkräfte einen Raketenangriff auf die städtische Infrastruktur durch. Eine Rakete traf die Nordbrücke über den Dnipro. Deutsche Pressekommentare stellten fest, dass die Reise trotz unmittelbarer persönlicher Risiken und Warnungen aus Moskau fortgesetzt wurde.
Koalitionsstreit und Wahlniederlagen
Die Mission nach Kiew fiel mit wachsender innenpolitischer Reibung für die Bundesregierung in Berlin zusammen. Merz verzeichnet niedrige Zustimmungswerte nach den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, bei denen die Alternative für Deutschland (AfD) Zugewinne erzielte, während die Christlich Demokratische Union (CDU) verlor. Die Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPD steht unter internem Druck, gegenseitiges Misstrauen erschwert politische Vorhaben. Zentrale innenpolitische Gesetzesvorhaben stocken, darunter die Rentenreform und die umstrittenen Verhandlungen zum Bundeshaushalt. Sowohl die rechte AfD als auch die Linke plädieren dafür, Militärlieferungen an die Ukraine zu reduzieren oder ganz einzustellen. Die Süddeutsche-Zeitung-Kommentatorin Katharina Riehl bewertete die Reise als Versuch, politisches Gewicht zurückzugewinnen.
Der außenpolitische Kanzler hat die Aufgabe, dem innenpolitischen Kanzler etwas Glanz zu verleihen. Wird das gelingen? Zweifelhaft. Eines ist sicher: Der Zerfall der Regierung aus CDU/CSU und SPD wäre eine Katastrophe für Volodymyr Zelenskyy und die Ukraine.
Deutsche Haltung zur europäischen Sicherheit
Die Hilfszusage folgt auf eine außenpolitische Rede, die Merz Ende September bei einer NATO-Friedenspreisverleihung hielt und in der er fortgesetzte Unterstützung für Kiew zusagte. Kommentatoren wiesen darauf hin, dass ein Zerfall der aktuellen deutschen Regierungskoalition einen Dominoeffekt in den europäischen Hauptstädten hinsichtlich künftiger Hilfslieferungen auslösen könnte. Der Welt-Kommentator Gordon Repinski argumentierte, russische hybride Operationen und weiterreichende europäische Sicherheitsbedrohungen machten politische Stabilität in Berlin entscheidend.
Trotzdem muss Merz Kanzler bleiben.
Repinski fügte hinzu, Merz habe seinen strategischen Kurs zur Ukraine beibehalten, ohne von Verteidigungszusagen abzurücken, trotz politischen Drucks von Oppositionsparteien.


