
Kanzler Merz' Lob für ausgeschiedene DFB-Elf löst breite politische Kritik nach WM-Aus aus
Ein Social-Media-Beitrag von Bundeskanzler Friedrich Merz, in dem er die Nationalmannschaft nach ihrer WM-Niederlage gegen Paraguay als „Inspiration für das Land“ bezeichnete, löste einen Sturm der Kritik von Politikern und Medien aus.
Deutschlands frühes Aus
Deutschland, vierfacher Weltmeister, wurde am 29. Juni im Achtelfinale der WM 2026 vom Außenseiter Paraguay ausgeschaltet. Nach 120 Minuten Fußball in Foxborough, Massachusetts, stand es 1:1, Paraguay setzte sich im Elfmeterschießen nach mehreren deutschen Fehlschüssen durch. Die Niederlage setzte eine Serie schwacher Auftritte bei großen Turnieren fort, nach dem Vorrunden-Aus 2018 und 2022.
- Deutschland spielt 1:1 gegen Paraguay nach Verlängerung und verliert im Elfmeterschießen im Achtelfinale.
- Kanzler Merz postet auf X, die Mannschaft habe „das Land begeistert“.
- Bild-Chefredakteurin Marion Horn greift Merz an und sagt, sie sei „nicht stolz, sondern wütend und enttäuscht“.
- DFB-Präsident Neuendorf kündigt eine Analyse an, ohne sofortige Entscheidung über Trainer Nagelsmann.
- Ex-Nationalspieler Sami Khedira kritisiert die Jugendarbeit und das Fehlen von Führungsspielern.
Der Kanzler-Post
Kurz nach dem Abpfiff veröffentlichte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) eine Nachricht auf X, die von vielen sofort als realitätsfern empfunden wurde. Der Post lautete:
Auch wenn das Aus schmerzt: Was für ein Spiel! Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch.
Einen Tag später reagierte Merz auf die Kritik mit einem zweiten Post, in dem er sagte, dass Deutschland Erfolge gemeinsam feiere und in der Niederlage zusammenstehe, und dass jeder, der das Nationaltrikot trage, Unterstützung verdiene, keinen Spott.
Politische und mediale Empörung
Die Reaktion der politischen Gegner war schnell und sarkastisch. Die FDP-Europaabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann schrieb:
Der AfD-Kanal auf X zog einen Vergleich mit Merz‘ CDU und meinte, er sei es nun so gewohnt, die eigene schwache Leistung schönzureden, dass er gar nicht anders könne. Das BSW-Vorstandsmitglied Sevim Dagdelen sprach von einem Realitätsverlust auf Kanzlerebene, „genau wie in seiner Politik.“Ich weiß nicht, was schlimmer war: das Spiel oder diese Analyse.
Die Medienreaktion war noch schärfer. Bild-Chefredakteurin Marion Horn veröffentlichte einen Kommentar unter der Überschrift „Warum Merz‘ Post so verheerend ist“ und schrieb, dass Merz, wie Trainer Julian Nagelsmann, in einer Parallelwelt lebe. Später wandte sie sich direkt auf Social Media an den Kanzler:
Herr Bundeskanzler, das stimmt einfach nicht! Zweitklassige Leistung akzeptiere ich nicht. Ich bin nicht stolz. Ich bin wütend. Ich bin enttäuscht. Ich bin fassungslos!
Reaktion des DFB
Am 30. Juni gab DFB-Präsident Bernd Neuendorf bekannt, dass der Verband keine überstürzten Entscheidungen bezüglich der Zukunft von Trainer Julian Nagelsmann treffen werde. Stattdessen solle in den kommenden Tagen eine gründliche Analyse durchgeführt werden.
Er fügte hinzu, dass der DFB nach einem solchen Schlag nicht einfach zur Tagesordnung übergehen könne. Nagelsmann selbst erklärte später, er sei bereit weiterzumachen, und Sportdirektor Völler sprach ihm seine Unterstützung aus.Nach der bitteren Niederlage gegen Paraguay und dem Aus bei der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko habe ich mich mit Trainer Nagelsmann und der sportlichen Führung um Andreas Rettig und Rudi Völler zu einem längeren Gespräch getroffen. Wir sind uns alle einig, dass die Leistung bei der WM nicht unseren Ansprüchen genügt.
Strukturelle Kritik
Der frühere deutsche Nationalspieler Sami Khedira bezeichnete sich selbst als „schockiert“ über das Aus und nannte es die Abrechnung für die letzten Jahre. In einem Podcast betonte Khedira, dass der Mannschaft die Führungsspieler fehlten, die sie einst hatte, und wies auf ein grundsätzlicheres Problem mit der Jugendarbeit hin.
Er fügte hinzu, dass gegen eine kampfstarke paraguayische Mannschaft die alten Tugenden Leidenschaft und der Hunger, an die eigenen Grenzen zu gehen, gefehlt hätten.Wir dürfen Spieler und Kinder nicht in Watte packen und sagen, dass Gewinnen nicht mehr wichtig ist und nur perfekte Technik zählt. Auf dem absoluten Top-Niveau braucht man die Kombination aus Mentalität, Führungsqualitäten und natürlich Technik, Passspiel und Abschlussfähigkeiten.
Khedira merkte auch an, dass weder einzelne Spieler noch der Trainer allein verantwortlich seien, obwohl Trainer Nagelsmann einen Teil der Schuld trage.


